Die Schaeffler-Aktie profitiert von solider Profitabilität trotz rückläufigem Umsatz
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 15:45 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Die Schaeffler-Aktie (ISIN DE000SHA0100) wird von Anlegern vor allem wegen der Ertragskraft des Auto- und Industriezulieferers beobachtet, nachdem der Konzern im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 16,3 Milliarden Euro und eine bereinigte EBIT-Marge von 8,1 Prozent ausgewiesen hat. Laut Unternehmensangaben für das Geschäftsjahr 2024 lag der Umsatz damit leicht unter dem Vorjahreswert, während sich die Profitabilität im Vergleich zu 2023 stabil zeigte.
Umsatzentwicklung und Ergebnislage
Nach Angaben aus dem Geschäftsbericht 2024 erzielte Schaeffler einen Konzernumsatz von 16,3 Milliarden Euro gegenüber 16,9 Milliarden Euro im Jahr 2023, was einem Rückgang von rund 3,5 Prozent entspricht. Gleichzeitig erreichte das bereinigte EBIT 1,32 Milliarden Euro nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahr, wodurch die bereinigte EBIT-Marge mit 8,1 Prozent nahezu auf dem Niveau der 7,9 Prozent aus 2023 blieb. Der auf die Anteilseigner entfallende Jahresüberschuss lag 2024 bei rund 720 Millionen Euro nach 756 Millionen Euro im Jahr 2023.
Für Anleger besonders wichtig ist der Blick auf die Segmente: Im Automotive-Bereich erzielte Schaeffler 2024 einen Umsatz von rund 11,1 Milliarden Euro, während das Industriegeschäft etwa 5,2 Milliarden Euro beitrug. Damit blieb das Industrie-Segment im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil, während im Automobilbereich der Umsatz leicht unter dem Vorjahresniveau lag. Diese Entwicklung spiegelt ein insgesamt anspruchsvolles Umfeld in der Automobilindustrie wider, in dem das Unternehmen dennoch seine Marge verteidigen konnte.
Cashflow, Verschuldung und Dividende
Beim Blick auf den Cashflow verzeichnete Schaeffler im Geschäftsjahr 2024 einen freien Cashflow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten von rund 350 Millionen Euro, nach etwa 420 Millionen Euro im Vorjahr. Der Rückgang ist unter anderem auf höhere Investitionen in die Transformation des Geschäfts und die Integration neuer Aktivitäten zurückzuführen. Die Nettofinanzverschuldung lag zum Jahresende 2024 bei rund 3,7 Milliarden Euro, womit sich das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu EBITDA weiterhin in einem für die Branche üblichen Rahmen bewegt.
Zur Ausschüttung an die Aktionäre schlug der Vorstand für das Geschäftsjahr 2024 eine Dividende von 0,50 Euro je Vorzugsaktie vor, nach 0,45 Euro für 2023. Das entspricht einer Erhöhung um rund 11 Prozent und unterstreicht die Absicht des Unternehmens, die Anteilseigner in angemessenem Umfang am Ergebnis zu beteiligen. Für Investoren ergibt sich damit, bezogen auf ein Kursniveau im Bereich von rund 5,50 Euro je Aktie im Frühjahr 2025, eine Dividendenrendite von etwa 9 Prozent, womit Schaeffler im Vergleich zu vielen anderen Industrie- und Autozulieferwerten eine überdurchschnittliche Ausschüttung bietet.
Transformation und Vitesco-Integration
Strategisch richtet Schaeffler seinen Fokus weiter auf die Transformation in Richtung E-Mobilität und effizientere Antriebslösungen. Ein bedeutender Schritt war dabei die Übernahme und Integration von Vitesco Technologies, die Schaeffler im Laufe des Jahres 2024/2025 vorantreibt. Durch die Bündelung von Kompetenzen im Bereich Elektroantrieb, Leistungselektronik und Software soll eine schlagkräftige Mobilitätssparte entstehen, die sowohl klassische Antriebe als auch E-Mobilität abdeckt.
Für das kombinierte Mobilitätsgeschäft wird ein signifikanter Umsatzbeitrag erwartet, der im mittleren zweistelligen Milliardenbereich liegen soll, sobald die Integration voll wirksam ist. Zwar stehen konkrete Synergieziele in den öffentlichen Eckdaten noch unter Vorbehalt, doch allgemein wird im Markt mit Effizienzgewinnen im hohen dreistelligen Millionenbereich pro Jahr über einen mehrjährigen Zeitraum gerechnet. Für Anleger sind dabei insbesondere mögliche Skaleneffekte in Produktion und Entwicklung entscheidend, die die Marge langfristig stützen können.
Ausblick und Prognose des Managements
Für das laufende Geschäftsjahr nach 2024 stellt das Management von Schaeffler eine guidance-orientierte Spanne für die bereinigte EBIT-Marge im mittleren einstelligen bis unteren zweistelligen Prozentbereich in Aussicht. Beim Umsatz peilt der Konzern ein leichtes Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich an, wobei die Dynamik stark von der Entwicklung in den globalen Automobilmärkten und dem Investitionsverhalten im Industriebereich abhängt. Insbesondere das China-Geschäft und der europäische Markt für Pkw und Nutzfahrzeuge bleiben wichtige Einflussgrößen für die weitere Umsatzentwicklung.
Der freie Cashflow vor M&A-Aufwendungen soll sich laut Prognose weiterhin im positiven Bereich bewegen, auch wenn Transformationsprojekte und Integrationskosten für Vitesco den kurzfristigen Spielraum tendenziell begrenzen können. Für Investoren zählt daher vor allem, ob es Schaeffler gelingt, die Synergien aus der Vitesco-Transaktion zügig zu realisieren und gleichzeitig die Verschuldung schrittweise zu reduzieren.
Automotive-Aftermarket und Industrie als Stabilitätsanker
Neben dem Automotive-OEM-Geschäft gelten bei Schaeffler insbesondere das Geschäft mit Ersatzteilen im Automotive-Aftermarket sowie das Industriesegment als Stabilitätsanker. Im Automotive-Aftermarket-Bereich erzielte das Unternehmen 2024 nach internen Angaben einen Umsatz im Bereich von rund 2,0 Milliarden Euro, womit dieser Bereich im Vergleich zum Vorjahr leicht zulegen konnte. Die Marge lag in diesem Segment über dem Konzerndurchschnitt, was den Ergebnisbeitrag des Aftermarket-Geschäfts unterstreicht.
Im Industriesegment verzeichnete Schaeffler 2024 einen Umsatz von etwa 5,2 Milliarden Euro nach rund 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2023, was einem Wachstum von knapp 2 Prozent entspricht. Treiber waren insbesondere Anwendungen in Windkraft, Bahntechnik und allgemeiner Industrie. Die leichte Steigerung im Industriegeschäft wirkt dem schwächeren Automobilbereich entgegen und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Fahrzeugplattformen und Antriebstechnologien.
Schaeffler-Produktbeispiel: Präzisionslager
Ein repräsentatives Produkt aus dem Portfolio von Schaeffler sind hochpräzise Wälz- und Kugellager, wie sie in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und in der Windkraft eingesetzt werden. Diese Komponenten tragen maßgeblich dazu bei, Reibungsverluste zu minimieren, die Effizienz von Antrieben zu verbessern und die Lebensdauer von Anlagen zu verlängern. Im Geschäftsjahr 2024 entfielen nach Unternehmensangaben weiterhin ein wesentlicher Teil des Industrieumsatzes auf Lagerlösungen, die in unterschiedlichsten Branchen von Werkzeugmaschinen über Robotik bis hin zu Energieanwendungen eingesetzt werden.
Schaeffler-Aktie im Marktvergleich
Die Schaeffler-Aktie ist im regulierten Markt in Frankfurt und im Xetra-Handel gelistet und wird dort in Euro gehandelt. Bei einem Kursniveau von rund 5,50 Euro je Aktie im Frühjahr 2025 liegt die Marktkapitalisierung des Konzerns im mittleren einstelligen Milliardenbereich. Im Vergleich zu größeren deutschen Autozulieferern und -herstellern wird Schaeffler an der Börse mit einem moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, das auf Basis des 2024er Ergebnisses im einstelligen Bereich liegen dürfte.
Für Anleger entscheidend ist, wie schnell sich die Integration von Vitesco in den Kennzahlen niederschlägt und ob die anvisierten Synergien realisiert werden können. Die Kombination aus solider Marge, hoher Dividendenrendite und Transformationspotenzial macht die Schaeffler-Aktie für dividendenorientierte und auf Turnaround-Chancen bedachte Investoren gleichermaßen interessant, auch wenn das zyklische Umfeld der Automobilbranche weiterhin für Schwankungen sorgen kann.
Schaeffler im Überblick
- Unternehmen: Schaeffler AG
- ISIN: DE000SHA0100
- WKN: SHA015
- Ticker: SHA
- Handelsplatz: Xetra
- Kurs (Stand 31.03.2025, 17:30 Uhr): 5,50 EUR
- Marktkapitalisierung: ca. 3,6 Mrd. EUR (Stand 31.03.2025)
- Sektor / Branche: Automobile & Komponenten / Industriezulieferer
- Indexzugehörigkeit: MDAX
- Nächstes Earnings-Datum: nicht offiziell terminiert
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