ROUNDUP, Vandalismus

Neue Technik soll Vandalismus an LadesÀulen stoppen

13.10.2025 - 06:35:03

Die schwarz-gemantelten KabelstĂŒmpfe hĂ€ngen zwar noch klĂ€glich an der LadesĂ€ule.

Ein Aufladen des E-Autos ist hier aber im Moment nicht möglich. Mit dem Ausbau der Infrastruktur wÀchst auch die Zahl der KabeldiebstÀhle. Worum es dabei geht und was man dagegen tun kann:

Wie viele VorfÀlle gibt es?

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW DE0005220008 als fĂŒhrender Anbieter von Schnellladepunkten in Deutschland spricht von bisher weit ĂŒber 900 KabeldiebstĂ€hlen in diesem Jahr. Bei EWE Go aus Oldenburg liegt die Zahl im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich. Ionity mit Sitz in MĂŒnchen verzeichnet in Deutschland rund 30 gestohlene Kabel, europaweit etwas mehr als 100.

Eine bundesweite Übersicht zu solchen FĂ€llen gibt es nicht. In der Polizeistatistik werden die FĂ€lle nicht so prĂ€zise erfasst, wie das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Baden-WĂŒrttemberg erklĂ€rten.

Wie entwickeln sich die Zahlen?

Die Anbieter sprechen von teils deutlichen Anstiegen in diesem Jahr. Bei EWE Go etwa hatte die Zahl der FĂ€lle von 2022 bis 2024 "im sehr niedrigen zweistelligen Bereich" gelegen. Ionity sprach fĂŒr den Zeitraum von nur einer Handvoll FĂ€lle von KabeldiebstĂ€hlen in Deutschland und Großbritannien.

Wer sind die TĂ€ter?

Zum einen könnten es Diebe auf das Kupfer abgesehen haben - je nach Dicke und LeistungsfÀhigkeit enthalten Schnellladekabel laut EnBW zwischen vier und zehn Kilogramm des Metalls. Beim Schrotthandel bringe das etwa 50 Euro pro Kabel, auf dem Schwarzmarkt ungefÀhr die HÀlfte.

Da das nicht besonders lukrativ sei, wĂŒrden auch andere BeweggrĂŒnde wie reiner Vandalismus oder gezielte Sabotage diskutiert, schreibt EnBW auf ihrer Internetseite. "Denn manche Taten scheinen ideologisch motiviert zu sein - etwa, weil man die ElektromobilitĂ€t ablehnt: Kupferkabel, die erst hinter der KabelfĂŒhrung abgeschnitten werden, wodurch noch ein Meter Ladekabel an der SĂ€ule hĂ€ngt." Der Rest sei wenige Schritte weiter ins GebĂŒsch geworfen.

Auch wenn alle VorfĂ€lle angezeigt wĂŒrden, zeige die RealitĂ€t doch: Die TĂ€ter und TĂ€terinnen zu schnappen, sei oft alles andere als einfach.

Wie hoch ist der Schaden?

"Ein einzelner Kabeldiebstahl verursacht fĂŒr uns Kosten zwischen 2.500 und 5.000 Euro", teilte eine Ionity-Sprecherin mit. Bei der EnBW liegt der Schaden im Moment im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich, wie eine Sprecherin mitteilte. Dabei fielen vor allem Materialkosten fĂŒr neue Kabel ins Gewicht, Arbeitszeit und eine technische PrĂŒfung der LadesĂ€ulen, die vor der Inbetriebnahme vorgeschrieben sei. "Nicht enthalten ist der Umsatzverlust, fĂŒr den Zeitraum, in dem die Ladestation nicht genutzt werden kann."

Die Ionity-Sprecherin betonte, der immaterielle Schaden sei grĂ¶ĂŸer als die Reparaturkosten, "denn jeder Ausfall untergrĂ€bt das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die ZuverlĂ€ssigkeit der Ladeinfrastruktur und damit in die Alltagstauglichkeit von E-MobilitĂ€t insgesamt".

Welche Folgen haben die VorfĂ€lle fĂŒr Leute, die laden wollen?

Die betroffenen Ladestationen sind nach Angaben der Anbieter meist mehrere Tage außer Betrieb, bis sie repariert sind. Falls ein frisch abgeschnittenes Kabel - und damit der Ausfall - noch nicht registriert wurde, kann es laut EnBW sein, dass ein Ladepunkt umsonst angesteuert wird. "Je nachdem, wie weit die nĂ€chste Ladestation entfernt ist, muss ein Umweg gefahren werden."

Sind bestimmte Regionen besonders betroffen?

Regionale Schwerpunkte sind bei der EnBW Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Vereinzelte FĂ€lle habe es im vergangenen Jahr auch in ThĂŒringen und Rheinland-Pfalz gegeben. Ebenso gibt es den Angaben nach immer wieder Wiederholungstaten - also erneute DiebstĂ€hle an gerade erst reparierten LadesĂ€ulen.

Weniger betroffen sind Standorte, die stark frequentiert sind. An Autobahnen etwa werde rund um die Uhr geladen, erlĂ€uterte die Ionity-Sprecherin. FĂŒr Kriminelle sei es dort deutlich schwieriger, unbeobachtet vorzugehen. Dazu passt auch, dass an LadesĂ€ulen von Aral pulse einem Sprecher zufolge nur selten Kabel gestohlen wurden. "Unsere LadesĂ€ulen befinden sich in der Regel an Aral Tankstellen, von denen ein großer Teil 24/7 geöffnet ist."

Was machen die Anbieter, um Vandalismus zu verhindern?

Ionity stattet Kabel zunehmend mit Farbpatronen aus, die beim Aufschneiden platzen und unĂŒbersehbare Spuren hinterlassen. Die Kabel seien so eindeutig als gestohlen erkennbar, die Diebinnen und Diebe ebenfalls gekennzeichnet. "Erste Erfahrungen zeigen, dass Diebstahlsversuche an so gesicherten Standorten bereits abgebrochen wurden", teilte die Sprecherin mit. Zudem teste das Unternehmen verschiedene Tracking-Maßnahmen, um die Kabel verfolgen zu können und den Weiterverkauf zu erschweren.

Hingegen sieht EWE Go beim Einsatz von Tinte die Gefahr, die eigene Infrastruktur zu verunreinigen. Das verursache wiederum Kosten fĂŒr Reinigung und Instandhaltung - und fĂŒhre somit dazu, dass die Ladestation nicht so schnell wieder einsatzbereit sei. Kameratechnik beispielsweise sei effektiver.

Auch EnBW setzt auf abschreckende Maßnahmen wie verstĂ€rkte Beleuchtung oder VideoĂŒberwachung. Doch diese lasse sich nicht ohne weiteres an allen Standorten installieren. Und die Modifizierung von Ladekabeln brauche Zeit, bis sie marktreif sei. Zudem sollen DiebstĂ€hle technisch immer mehr erschwert und so unattraktiv gemacht werden: Dazu zĂ€hlen laut der EnBW-Homepage robustere Kabel mit schnittfestem Mantel gegen das Durchtrennen sowie Systeme, die Manipulationen in Echtzeit erkennen und sofort Alarm schlagen.

"ZusĂ€tzlich suchen wir den Kontakt mit den Ermittlungsbehörden, um gemeinsam nach prĂ€ventiven Maßnahmen zu suchen", erklĂ€rte Volker Rimpler, Chief Technology Officer E-MobilitĂ€t. Ferner ist die Politik gefragt: "Wenn Ladekabel rechtlich als Teil der öffentlichen Energieinfrastruktur eingestuft werden, könnten strengere Strafrahmen greifen", heißt es auf der Internetseite.

Welche Schutzmaßnahmen wĂ€ren noch denkbar?

Die Big. Bechtold-Gruppe unterstĂŒtzt Unternehmen bei Sicherheitskonzepten und -technik. Vor Ort könnten zum Beispiel Kameras und Lautsprecher an vorhandene Lampenmasten installiert werden, die mit einer Leitwarte der Gruppe verbunden sind. Diese schalte sich im Fall einer Störung zu, analysiere die Situation und koordiniere mögliche Maßnahmen, erlĂ€uterte die geschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafterin Daniela Bechtold.

"ErgĂ€nzend setzen wir auf KI-gestĂŒtzte Verfahren, die AuffĂ€lligkeiten automatisch erkennen und das Sicherheitspersonal unterstĂŒtzen können." FĂŒr kurzfristige EinsĂ€tze etwa auch in Ladeparks gebe es mobile VideotĂŒrme.

@ dpa.de