ROUNDUP, Koalition

Koalition plant Milliarden-Darlehen fĂŒr Pflegeversicherung

13.11.2025 - 15:58:25

Die schwarz-rote Koalition will die Pflegeversicherung mit einem zusĂ€tzlichen Milliardendarlehen stĂŒtzen und damit stabile BeitrĂ€ge im neuen Jahr ermöglichen.

Wie aus einer Vorlage fĂŒr die entscheidende Sitzung des Haushaltsausschusses zum Etat 2026 hervorgeht, sollen zu bereits geplanten 1,5 Milliarden Euro weitere 1,7 Milliarden Euro fließen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Koalition und Opposition bestĂ€tigt, zuvor berichtete das "Handelsblatt". Der Ausschuss stimmt darĂŒber in der Nacht zum Freitag ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die BeitrĂ€ge zur Pflege- und Krankenversicherung wĂŒrden zum 1. Januar 2026 nicht steigen. "Das ist ein erster kleiner Erfolg", sagte er bei einem Handelskongress in Berlin. Ohne die Eingriffe der Koalition hĂ€tte es mindestens eine Erhöhung um 0,3 Prozentpunkte gegeben, was sechs Milliarden Euro mehr fĂŒr Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen und Betriebe bedeutet hĂ€tte. "Das wenden wir ab."

GrĂŒne kritisieren "Hau-Ruck-Aktion"

Die GrĂŒnen-Haushaltspolitikerin Paula Piechotta sprach von einer "riesengroßen finanziellen Hau-Ruck-Aktion". Auf das neue Darlehen hĂ€tten sich Union und SPD erst eine Stunde vor Beginn der entscheidenden Sitzung geeinigt. "Das hat mit solider Regierungspraxis nichts mehr zu tun." Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: "Dieser Kunstgriff zeigt, wie kurzatmig die Regierung agiert." Eine nachhaltige Reform der Pflegeversicherung mĂŒsse auf mindestens zehn Jahre ausgelegt sein.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen, der auch die Pflegekassen vertritt, erklĂ€rte, nun werde zwar die akute Finanznot gelindert, aber das eigentliche Problem in die Zukunft verschoben. "Das Darlehen von heute sind die zusĂ€tzlichen Schulden von morgen", sagte Verbandschef Oliver Blatt. Die grundlegenden Herausforderungen wĂŒrden damit nicht angegangen.

Höhere ZusatzbeitrÀge bei Krankenkassen drohen

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte bereits angekĂŒndigt, dass die PflegebeitrĂ€ge im neuen Jahr stabil bleiben sollen. In der gesetzlichen Krankenversicherung kann die Politik dies nicht direkt fĂŒr alle festlegen. Das Ministerium gab als Orientierungswert fĂŒr den durchschnittlichen Zusatzbeitrag im kommenden Jahr 2,9 Prozent an, was dem aktuellen Niveau entspricht. Die konkreten ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr ihre Versicherten 2026 legen die Kassen in den nĂ€chsten Wochen aber je nach ihrer Finanzlage fĂŒr sich fest.

Um den Druck fĂŒr Beitragsanhebungen zu mindern, hatte Warken ein Sparpaket von zwei Milliarden Euro durch den Bundestag gebracht. Die Kassen warnen aber schon, dass dennoch Erhöhungen drohen, da viele ihre Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffĂŒllen mĂŒssen.

@ dpa.de