Börse Frankfurt-News: Erste Safe-Haven-ZuflĂŒsse (Anleihen Marktbericht)
07.11.2025 - 17:40:02Vor allem LanglĂ€ufer sind gefragt. FĂŒr fallende Renditen hat das Kaufinteresse in der Breite aber noch nicht gereicht.
7. November 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Anstieg der Renditen geht weiter, wenn auch in moderatem Tempo. "Die RentenbĂ€ren bleiben im Vorteil, Risk-off-Tendenzen bremsen aber deren Elan", kommentiert Elmar Völker von der LBBW. Die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen liegt bei 2,66 Prozent. Damit konnte das zuletzt deutlich erhöhte Niveau leicht ausgebaut werden. In den USA rentieren die zehnjĂ€hrige Treasuries weiterhin ĂŒber der Marke von 4 Prozent. Im Wochenverlauf wurde bei 4,16 Prozent der höchste Stand seit gut vier Wochen markiert. Auf Sicht von sechs Monaten ist der Trend aber noch abwĂ€rtsgerichtet.
Eine "Mahnung" fĂŒr die Fed
Den zwischenzeitlich recht deutlichen Anstieg der US-Renditen erklĂ€rt Völker mit "bearishen Impulsen von Seiten der US-Makrodaten". Demnach scheinen die Rezessionsgefahren in den USA einstweilen entschĂ€rft. Das lĂ€sst nach Ansicht der LBBW-Analysten eine neuerliche Leitzinssenkung im Dezember weniger zwingend erscheinen lĂ€sst. Völker sieht die auf den höchsten Stand seit Oktober 2022 gekletterte Preiskomponente des ISM Services Index zudem als Mahnung fĂŒr die Fed, die Inflationsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren. Trotzdem geht er davon aus, "dass sich die Notenbanker schlussendlich fĂŒr eine Senkung entscheiden werden".
Die von dem LBBW-Experten angesprochenen "Risk-off"-Tendenzen beziehen sich auf die AktienmĂ€rkte, wo die Sorge bezĂŒglich einer Ăberbewertung der groĂen US-Tech-Konzerne zuzunehmen scheint. "Sollte es zu einer ausgeprĂ€gteren Korrektur der zurĂŒckliegenden Kurshausse kommen, könnte dies die Anleger u.E. verstĂ€rkt zu Umschichtungen in Rentenpapiere motivieren", erklĂ€rt Völker.
Anleihen aus Frankreich und der Niederlande gesucht
Von ersten "Safe-Haven-ZuflĂŒsse" an den RentenmĂ€rkten berichtet Raffaele Antacido von der ICF Bank. "Staatsanleihen von Frankreich und der Niederlande waren in groĂen Volumen gesucht", konkretisiert der HĂ€ndler die Suche nach vermeintlicher Sicherheit in Staatsanleihen. Gekauft wurden Bonds mit Laufzeiten von sechs (FR0012993103) bzw. acht Jahren (NL0010071189), die Renditen von 2,8 bzw. 2,6 Prozent abwerfen.
Eine regelrechte Flut an neuen Bonds gibt es von der Google-Mutter Alphabet. Das US-Unternehmen hat laut Antacido Anfang der Woche gleich vierzehn Anleihen (USD- und EUR-Tranchen) in Milliardenhöhe ausgegeben, um die massiven Investitionen in KĂŒnstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur zu finanzieren. Gut gehandelt wurden vor allem Papiere mit lĂ€ngeren Laufzeiten. Bei einer erst im Jahr 2064 fĂ€lligen EUR-Anleihe liegt die Rendite aktuell bei 4,4 Prozent (XS3224609613).
Lange Laufzeiten werden bevorzugt
Einen Trend zu LanglÀufern sieht auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank und nennt als Beispiele eine 2044 fÀllige Anleihe von E.ON (XS2791960664) und einen bis 2031 laufenden Bond von MTU Aero Engines (XS2887896574). Ebenfalls nachgefragt war diese Woche die in knapp drei Jahren fÀllige Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank (DE000A382665). "Im Zuge des Kursverfalls der Aktie kam auch die Anleihe unter Druck, was zum Kauf genutzt wurde", bemerkt Daniel.
Ohne passende Nachrichten ging es bei einer bis 2029 laufenden Anleihe von Formycon bergab (NO0013586024). Im Vorfeld der fĂŒr den 13. November avisierten Neunmonatszahlen des Unternehmens fiel der Kurs am Donnerstag von 96 auf 90 Prozent. "Mangels KĂ€ufer gab es einen massiven Verlust bei allerdings geringen UmsĂ€tzen", wie Daniel berichtet.
Von Thomas Koch, 7. November 2025 © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

