ROUNDUP, Merz

Wirtschaft fordert Merz zu mehr Mut bei Reformen auf

06.03.2026 - 06:34:59 | dpa.de

Die SpitzenverbÀnde der deutschen Wirtschaft schlagen vor einem SpitzengesprÀch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Alarm.

"Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht unter Druck wie selten zuvor in der Nachkriegsgeschichte", heißt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung der VerbĂ€nde, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mit Blick auf eine jahrelange Stagnation der Wirtschaft wird vor einem "Kipppunkt" gewarnt. "Die deutsche Wirtschaft erwartet von der Politik deutlich mehr Mut zur VerĂ€nderung", heißt es. "2026 muss zum Jahr der Reformen werden."

Merz kommt am Freitag in MĂŒnchen auf der Internationalen Handwerksmesse mit den Vertretern der SpitzenverbĂ€nde zusammen - der Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, der Deutschen Industrie- und Handelskammer und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Nach drei Jahren der wirtschaftlichen Stagnation wird auch fĂŒr dieses Jahr kein breiter Aufschwung in Deutschland erwartet. Mit der Kanzlerschaft von Merz waren hohe Erwartungen der WirtschaftsverbĂ€nde verbunden. Zunehmend mehren sich aber Stimmen, Merz mĂŒsse nun liefern.

"Steuern auf Kipppunkt zu"

In der ErklĂ€rung heißt es, die Standortbedingungen in Deutschland hĂ€tten sich in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Die Belastungen fĂŒr Betriebe und BeschĂ€ftigte hĂ€tten "dramatisch" zugenommen. "Lange konnte die deutsche Wirtschaft diesen Widrigkeiten trotzen. Nach drei Jahren ohne Wachstum sprechen jedoch viele Indikatoren dafĂŒr, dass die WiderstandskrĂ€fte erodieren und auf einen Kipppunkt zusteuern."

Regierung soll liefern

Die Bundesregierung habe in ihrem ersten Regierungsjahr wichtige Initiativen auf den Weg gebracht, um den Trend zu stoppen, so die VerbĂ€nde. "Die Maßnahmen reichen jedoch bei weitem nicht aus und viele Vorhaben stehen bislang nur als AnkĂŒndigung auf dem Papier." Je lĂ€nger der Prozess der VerĂ€nderungen aufgeschoben werde, desto schmerzlicher wĂŒrden die Maßnahmen spĂ€ter ausfallen. "Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland wird sich erst drehen, wenn es spĂŒrbare VerĂ€nderungen gibt, die bei den Unternehmen und Betrieben ankommen."

Merz hatte im Januar gesagt, 2026 solle ein "Aufschwung- und Wachstumsjahr" werden. Die schwarz-rote Koalition hat Kommissionen zu Reformen etwa in der Gesundheits- und Rentenpolitik eingesetzt. Es drohen aber Konflikte in der schwarz-roten Koalition ĂŒber die konkrete Ausgestaltung von Reformen.

Was die Wirtschaft fordert

Die SpitzenverbĂ€nde bekrĂ€ftigten Forderungen nach Strukturreformen in den Sozialsystemen. Versicherungsfremde Leistungen sollten komplett aus Steuermitteln finanziert werden. Bei der Rente brauche es noch in diesem Jahr eine Reform, die den Anstieg der Ausgaben bremse. Die VerbĂ€nde sprechen sich fĂŒr eine Erhöhung des Renteneintrittsalters aus sowie die Abschaffung von Anreizen zur FrĂŒhverrentung. Beides ist in der politischen Debatte umstritten. Die VerbĂ€nde wollen außerdem schnelle steuerliche Entlastungen, weniger BĂŒrokratie und geringere Energiekosten - konkret eine Stromsteuersenkung fĂŒr alle Betriebe.

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