ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj gibt sich dialogbereit und drÀngt auf neue Hilfen

15.02.2026 - 11:05:17

Die Ukraine ist nach den Worten ihres PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Friedensverhandlungen und Kompromissen bereit, fordert selbiges aber auch von Russland.

"Die Ukraine ist bereit fĂŒr eine Einigung, die echten Frieden zu uns, der Ukraine und Europa bringt", sagte er in seiner Rede auf der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. Zugleich warf er Moskau vor, keine ZugestĂ€ndnisse zu machen.

Er sei zuversichtlich, dass dieser Krieg mit WĂŒrde beendet werden könne. "Das ist fĂŒr uns das Wichtigste, und wir haben unseren Partnern alles gegeben, was unserer Meinung nach zu einem solchen Abkommen gehören muss, und wir sind bereit, in die gemeinsame Sicherheit zu investieren."

Selenskyj unter Druck aus Washington

Die Worte waren auch eine Antwort auf US-PrĂ€sident Donald Trump, der Selenskyj zuvor zu ZugestĂ€ndnissen bei den Verhandlungen fĂŒr ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine aufgefordert hatte. Trump sagte vor Journalisten am Weißen Haus: "Russland will einen Deal machen, und Selenskyj muss in Bewegung kommen, sonst verpasst er eine große Chance."

Auch einer zweiten Forderung aus dem Weißen Haus begegnete Selenskyj in MĂŒnchen mit grundsĂ€tzlicher Zustimmung und Gegenforderungen zugleich. Er sei bereit fĂŒr die von Trump geforderten Neuwahlen, sagte er auf eine entsprechende Frage. Doch dafĂŒr mĂŒsse zuerst eine Waffenruhe ausgehandelt werden.

Selenskyj fordert zwei Monate Waffenruhe fĂŒr Neuwahlen

Es sei schwierig, in Kriegszeiten eine Abstimmung zu organisieren, zumal nicht nur die Soldaten an der Front kĂ€mpften, sondern auch das Volk im Hinterland unter Beschuss stehe, sagte er in einer Diskussionsrunde. "Geben Sie uns zwei Monate, dann können wir auch Wahlen abhalten", sagte er an Trump gewandt. Den Druck aus Washington spĂŒre er "ein bisschen", sagte Selenskyj. Trump hatte zuvor mehrfach Neuwahlen in der Ukraine gefordert.

Mit einer Waffenruhe, Sicherheiten und der nötigen Infrastruktur sei es möglich, eine solche Abstimmung zu organisieren, sagte Selenskyj nun. Scherzhaft bot er zudem Russland eine Waffenruhe fĂŒr Wahlen dort an. UrsprĂŒnglich hatte Moskau Wahlen als Bedingung fĂŒr einen Frieden genannt. Die Forderung machte sich dann Trump spĂ€ter zu eigen.

Viele Themen bei Verhandlungen in der nÀchsten Woche

In der kommenden Woche ist eine weitere Verhandlungsrunde fĂŒr die Beendigung des nunmehr fast vier Jahre wĂ€hrenden Ukraine-Kriegs geplant. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Runden, die in Abu Dhabi am Persischen Golf stattfanden, soll das Treffen diesmal in Genf abgehalten werden.

Dabei geht es nach Angaben Selenskyjs nicht nur um die weiter schwierigen territorialen Fragen, sondern auch um Sicherheitsgarantien und einen Gefangenenaustausch. Die Anzahl der Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft bezifferte er dabei auf etwa 7.000, die Anzahl gefangener russischer Soldaten auf ĂŒber 4.000. Einen Austausch aller gegen alle lehne Russland ab, rĂ€umte er ein. Kiew sei aber auch mit kleineren Austauschen einverstanden.

LĂ€nge der Sicherheitsgarantien weiter unklar

Bei den parallel dazu stattfindenden GesprÀchen mit den USA geht es derweil um die LÀnge der Sicherheitsgarantien. Washington böte bislang einen Zeitraum von 15 Jahren an, die Ukraine wolle mehr als 20 Jahre, wenn möglich sogar 30 oder 50, betonte Selenskyj.

Am Abend schrieb Selenskyj auf der Plattform X, er habe im Vorfeld der trilateralen GesprĂ€che in Genf mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner gesprochen. "Wir setzen darauf, dass die Treffen wirklich produktiv sind", schrieb Selenskyj. Er dankte einmal mehr Trump und seinem Team fĂŒr die UnterstĂŒtzung.

Zudem hoffe er darauf, dass die EuropĂ€er stĂ€rker an den Verhandlungen beteiligt wĂŒrden. Diese hĂ€tten bisher praktisch keine Rolle gespielt, was Selenskyj aber nicht auf das Desinteresse in Paris, London, Berlin oder BrĂŒssel, sondern auf den Unwillen Moskaus zurĂŒckfĂŒhrte. Russland habe sich bislang der Beteiligung des Kontinents widersetzt. Es sei jedoch wichtig, dass die Stimme Europas gehört werde.

Hoffen auf Europa

Selenskyj machte wĂ€hrend seiner Auftritte mehrfach deutlich, dass er sich vor allem von Europa weitere Hilfe verspricht. Dies betrifft politisch und wirtschaftlich den Beitritt zur EU. Das Ziel einer Mitgliedschaft 2027 bestehe weiterhin, bestĂ€tigte Selenskyj. Dies sei auch eine Sicherheitsgarantie gegenĂŒber russischen Ambitionen.

MilitĂ€risch hofft er etwa auf die Lieferung von Flugabwehrraketen, die die Ukraine vor den massiven russischen Angriffen aus der Luft schĂŒtzen sollen. Laut Selenskyj ist die Ukraine aber auch weiterhin an Offensivwaffen wie dem deutschen Marschflugkörper Taurus interessiert. Die Diskussion darĂŒber hatte 2023 Schlagzeilen hervorgerufen. Eine Entscheidung darĂŒber sei allerdings bis heute nicht gefallen, rĂ€umte der Ukrainer ein.

@ dpa.de

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