Lage, US-Arbeitsmarkt

Ökonomen-Stimmen zur Lage auf dem US-Arbeitsmarkt

05.09.2025 - 15:46:27 | dpa.de

Die US-Wirtschaft hat im August erneut weniger ArbeitsplÀtze geschaffen als erwartet.

Außerhalb der Landwirtschaft kamen 22.000 Stellen hinzu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt 75.000 neue Stellen erwartet. Der BeschĂ€ftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde zudem um insgesamt 21.000 Stellen nach unten revidiert.

Der Arbeitsmarktbericht steht derzeit besonders im Fokus. Bereits im Juli war der BeschĂ€ftigungsaufbau hinter den Erwartungen zurĂŒckgeblieben. Zudem waren die beiden Vormonate sehr stark nach unten revidiert worden. Trump feuerte daraufhin die Leiterin der Arbeitsmarktstatistik, Erika McEntarfer. Er warf ihr vor, Zahlen aus politischer Motivation gefĂ€lscht zu haben und ihm damit schaden zu wollen.

EinschĂ€tzungen von Ökonomen zum US-Arbeitsmarktbericht im Überblick:

Christoph Balz, Analyst bei der Commerzbank

"Eine derart deutliche Verlangsamung des Stellenaufbaus findet ĂŒblicherweise nur im Vorfeld einer Rezession statt. Dies wird die Sorgen bei der Fed erhöhen, dass sie zu lange gewartet hat und daher jetzt schneller agieren muss. Die Situation erinnert an den letzten Sommer, als die Fed nach einer Reihe schwacher Zahlen (und einer ebenfalls starken AbwĂ€rtsrevision beim jĂ€hrlichen Benchmarking) ihren Zinssenkungszyklus mit einem großen Schritt eingeleitet haben."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

"Die US-Wirtschaft ist auf Sinkflug. Das zeigen die heute erneut sehr schwachen Arbeitsmarktdaten. Ein Jobaufbau von lediglich 22.000 ist ein klares Anzeichen dafĂŒr, dass die Konjunktur lahmt. Es scheint nun auch so, dass der schwache Bausektor allmĂ€hlich auch auf den Arbeitsmarkt durchschlĂ€gt. Zum wiederholten Male werden dort Stellen abgebaut. Und auch das verarbeitende Gewerbe reduziert den vierten Monat in Folge die BeschĂ€ftigung."

Ulrich Wortberg, Analyst Landesbank Hessen-ThĂŒringen (Helaba)

"Die Zahl der neugeschaffenen Stellen fĂ€llt im August mit einem Plus von 22 Tsd. unerwartet schwach aus. Bereits im Vormonat hatte der Arbeitsmarktbericht die KonsensschĂ€tzung klar verfehlt. Es mehren sich Hinweise auf eine nachhaltige AbschwĂ€chung der Arbeitsmarktdynamik, sodass die US-Notenbank in ihrer Absicht bestĂ€rkt wird, das Leitzinsband auf der nĂ€chsten FOMC-Sitzung am 17. September zu senken. DarĂŒber hinaus dĂŒrften die Zinssenkungserwartungen auch fĂŒr den Rest dieses Jahres und das Jahr 2026 tendenziell forciert werden."

Thomas Altmann, Head of Portfoliomanagement, QC Partners

"Damit ist die TĂŒr fĂŒr eine Zinssenkung in 2 Wochen jetzt nicht nur einen Spalt geöffnet. Diese TĂŒr ist förmlich aufgerissen. An den Börsen wird die Wahrscheinlichkeit einer September-Senkung jetzt mit 113 Prozent gepreist. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit einer Senkung um gleich 50 Prozent liegt bei 13 Prozent. Bis Ende des kommenden Jahres preist die Börse jetzt 6 Zinsschritte bzw. 1,50 Prozent nach oben. Zuvor waren das noch 5 Zinsschritte."

Elmar Voelker, Analyst Landesbank Baden-WĂŒrttemberg

"Die schlechten Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt reißen nicht ab. Der Stellenaufbau kommt in der Wirtschaft nahezu zum Erliegen, auch wenn der anhaltende Stellenabbau im öffentlichen Sektor das Bild leicht zum Schlechteren verzerrt. Damit dĂŒrften letzte Zweifel daran ausgerĂ€umt sein, dass die US-Notenbank am 17. September ihren Leitzins senken wird. Dies gilt ungeachtet eines sukzessive steigenden Inflationsdrucks. Letzterer dĂŒrfte nach unserer EinschĂ€tzung aber verhindern, dass die Notenbanker ernsthaft eine Senkung um mehr als 25 Basispunkte ins Auge fassen werden."

Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

"Insgesamt bestĂ€tigen die Daten das Bild eines sich abschwĂ€chenden US-Arbeitsmarktes. Die Fed dĂŒrfte sich in ihrem Plan bestĂ€tigt sehen, die Zinsen im September zu senken. Auch ein ĂŒberraschend starker Anstieg der Inflation in der kommenden Woche wĂŒrde die Fed wohl nicht davon abbringen. Und US-PrĂ€sident Trump wird den politischen Druck hochhalten, diesen Kurs fortzusetzen. FĂŒr US-Anleger bleiben damit auch amerikanische Anleihen bis auf Weiteres attraktiv. FĂŒr europĂ€ische Investoren dominiert allerdings der anhaltende und sich verstĂ€rkende AbwĂ€rtsdruck auf den Dollar, der festverzinsliche Anlagen in den USA unattraktiv macht."

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