Schuldenkrise, Globalen

Schuldenkrise im Globalen SĂŒden verschĂ€rft sich durch Krieg

28.04.2026 - 12:37:45 | dpa.de

Die Verschuldungssituation in vielen LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens spitzt sich dramatisch zu.

Laut dem sogenannten Schuldenreport 2026 des BĂŒndnisses erlassjahr.de und des Hilfswerks Misereor mit Sitz in Aachen leiden aktuell 44 Staaten unter einer sehr hohen Auslandsschuldenlast. Weitere 25 Staaten gelten als hoch belastet, wĂ€hrend fĂŒr 15 weitere ein latentes Risiko besteht. Der Iran-Krieg habe die Lage verschĂ€rft.

Besonders prekĂ€r ist die Lage demnach in Angola, wo 60 Prozent der Staatseinnahmen fĂŒr Zins- und Tilgungszahlungen an auslĂ€ndische GlĂ€ubiger aufgewendet werden mĂŒssen, wie Misereor mitteilt. Im Senegal liegt diese Quote bei 39 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland werden lediglich rund zwei Prozent der Einnahmen fĂŒr den Auslandsschuldendienst genutzt. Malina Stutz von erlassjahr.de warnte, dass dadurch ein untragbar hoher Teil der Mittel nicht in Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur fließen kann.

Krieg dramatisiert die Lage

VerschĂ€rft werde die Lage durch den Krieg im Nahen Osten. Die daraus resultierenden hohen Energie- und Lebensmittelpreise sowie steigende Kreditkosten belasten die Staatshaushalte zusĂ€tzlich. Benjamin Rosenthal, Experte fĂŒr Entwicklungsfinanzierung bei Misereor, verwies auf den Libanon, der sich bereits im Zahlungsausfall befinde. Die Menschen dort stĂŒnden durch die regionalen Konflikte "buchstĂ€blich vor dem Nichts".

Der Report kritisiert zudem KĂŒrzungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Private GlĂ€ubiger verlangten extrem hohe ZinssĂ€tze, was die Gefahr erhöhe, dass Krisen lediglich verschleppt werden und LĂ€nder in tiefere AbhĂ€ngigkeiten geraten. Bisherige Umschuldungen, etwa in Ghana oder Sri Lanka, hĂ€tten keine nachhaltige Entspannung gebracht.

Misereor mit klaren Forderungen an Regierungen

Misereor fordert angesichts dieser Entwicklung eine radikale Neugestaltung der internationalen Finanzarchitektur. Rosenthal kritisiert, dass notwendige Reformen bisher von LĂ€ndern des sogenannten Globalen Nordens, darunter Deutschland, blockiert wĂŒrden. Nötig seien verbindliche Mechanismen zur Schuldenstreichung sowie eine stĂ€rkere Mitbestimmung der betroffenen Staaten. DafĂŒr mĂŒsse sich die Bundesregierung einsetzen.

"Faire und verlĂ€ssliche Schuldenerleichterungen sind kein Akt der Gnade", so Rosenthal. "Sie mĂŒssen zum integralen Bestandteil der internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit werden. Eine Zusammenarbeit, die WĂŒrde, Teilhabe und Entwicklung fĂŒr alle Menschen ermöglicht."

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