Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht
11.05.2026 - 08:05:33 | dpa.deEine BestĂ€tigung fĂŒr die geplante Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports in der mehr als 300 Kilometer entfernten Uniklinik Frankfurt gab es bis zum frĂŒhen Morgen nicht.
Dort sollen die Passagiere zunĂ€chst weiter untersucht und beobachtet und anschlieĂend zur QuarantĂ€ne in die jeweiligen BundeslĂ€nder gebracht werden. Ăber die MaĂnahmen entscheiden die zustĂ€ndigen GesundheitsĂ€mter.
Am Sonntagnachmittag waren die Betroffenen per Evakuierungsflug von der Kanareninsel Teneriffa, wo die "Hondius" nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte, nach Eindhoven in den Niederlanden gebracht worden. Neben NiederlÀndern und Deutschen befanden sich unter anderem auch Belgier und Griechen an Bord. Alle waren ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte.
Im Konvoi nach Frankfurt
Vom militĂ€rischen Teil des Flughafens Eindhoven aus ging es fĂŒr die Passagiere in einem Fahrzeugkonvoi weiter nach Frankfurt. Der Transport sollte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von EinsatzkrĂ€ften der Feuerwehren Essen und Frankfurt organisiert und begleitet werden.
Einer der deutschen Passagiere soll in die Berliner CharitĂ© gebracht werden. Nach Angaben der zustĂ€ndigen Berliner Senatsverwaltung fĂŒr Gesundheit zeigt die Person bisher keine Symptome und kommt "aus der Region Berlin-Brandenburg". Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson soll in Baden-WĂŒrttemberg in hĂ€usliche QuarantĂ€ne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.
RKI-Chef: Keine GefÀhrdung oder Pandemiegefahr
Der Chef des deutschen Robert Koch-Instituts sieht keine Gefahr fĂŒr die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade am Sonntagabend im ZDF-"heute journal". "Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine GefĂ€hrdung fĂŒr die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemie-Gefahr."
Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: "Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist ĂŒberhaupt nicht vergleichbar." Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschĂ€tzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. "Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen."
Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend FĂ€llen seit der Entdeckung 1995. "Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen."
EU-Gesundheitsbehörde: Virus nicht leicht weiter ĂŒbertragbar
Diese EinschĂ€tzung zur GefĂ€hrdung teilt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Ăbertragung des Andesvirus durch Passagiere kĂ€me, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter ĂŒbertragbar, "sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen InfektionsfĂ€llen oder einem groĂflĂ€chigen Ausbruch in der Bevölkerung kĂ€me". Das Risiko fĂŒr die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff sei "sehr gering".
"Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Ăberwachung dĂŒrfte das Geschehen vergleichsweise gut kontrollierbar machen", sagte auch Mikrobiologe Roman Wölfel von der UniversitĂ€t der Bundeswehr in MĂŒnchen.
Evakuierung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen
Auf der "Hondius" waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 ReisegÀste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 LÀndern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums war darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide waren sechs Deutsche an Bord.
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die Menschen von der im Hafen von Granadilla vor Anker liegenden "Hondius" zunĂ€chst in kleinen Gruppen an Land gebracht und anschlieĂend mit Bussen zum nahegelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren.
Nach jĂŒngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es sechs bestĂ€tigte Hantavirus-FĂ€lle und zwei VerdachtsfĂ€lle. Drei dieser acht Personen starben: ein Ă€lteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederlĂ€ndischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.
"Hondius" fÀhrt weiter nach Rotterdam
Die "Hondius" soll nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fĂ€hrt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die "Hondius" rund fĂŒnf Tage unterwegs sein.
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