Viel Kritik an SparvorschlĂ€gen fĂŒrs Gesundheitswesen
31.03.2026 - 06:35:03 | dpa.deDie KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte vor einem Wegfall von Millionen Terminen durch empfohlene Bremsen bei den VergĂŒtungen. Den Praxen wĂŒrde dann nichts anderes ĂŒbrig bleiben, als Leistungen und Terminvergaben reduzierten Finanzmitteln anzupassen. Schon heute gingen mehr als 40 Millionen Facharzttermine "aufs Haus", wĂŒrden also nicht vergĂŒtet.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen erklĂ€rte dagegen, die VorschlĂ€ge hĂ€tten das Potenzial, dafĂŒr zu sorgen, dass die BeitrĂ€ge 2027 insgesamt stabil bleiben oder sogar gesenkt werden könnten. "Wir haben steigende Einnahmen und können damit in einem angemessenen Rahmen auch steigende Ausgaben finanzieren", sagte Verbandschef Oliver Blatt. Uferlose Ausgabensteigerungen wie in den letzten Jahren mĂŒssten aber ein Ende haben.
Einsparpotenzial in Milliardenhöhe
Die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Kommission hat einen Bericht mit 66 Empfehlungen vorgelegt, die fĂŒr nĂ€chstes Jahr ein Volumen von bis zu 42 Milliarden Euro ausmachen könnten. Das Sparpotenzial liegt höher als die fĂŒr 2027 erwartete LĂŒcke von rund 15 Milliarden Euro. Ein zentraler Punkt ist, dass die Ausgaben fĂŒr Leistungen von Praxen und Kliniken nicht stĂ€rker steigen sollen als die Einnahmen der Kassen. Die schwarz-rote Koalition strebt an, bis zum Sommer GesetzesplĂ€ne ins Kabinett einzubringen.
Warken setzt dabei nach eigenen Angaben auf eine möglichst faire Lastenverteilung. "Es muss ein Paket sein, das alle betrifft, bei dem alle mit im Boot sind, bei dem alle ihren Beitrag leisten", sagte Warken am Abend im "heute journal" des ZDF. "Klar muss sein, die Versorgung der Menschen muss auch auf gleich gutem QualitÀtsniveau erhalten bleiben." Dabei solle es keine einseitigen Belastungen geben, weder zulasten der Versicherten noch zulasten einer anderen Gruppe.
Verbraucherzentralen warnen vor Folgen höherer Zuzahlungen
Die Verbraucherzentralen kritisierten VorschlĂ€ge, Patientinnen und Patienten stĂ€rker zur Kasse zu bitten. "Das ist der falsche Weg", sagte die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop. Höhere Zuzahlungen, etwa fĂŒr Zahnersatz oder Arzneimittel, schafften Zugangsbarrieren und schwĂ€chten die gesundheitliche Chancengleichheit. Schon heute trĂŒgen viele milliardenschwere Eigenanteile.
"Bereitschaft zu echter VerÀnderung"
ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger begrĂŒĂte den Mut der Kommission. Die VorschlĂ€ge böten die Chance, die Versorgungssicherheit und auch eine nachhaltige Finanzierbarkeit zu sichern. Die Koalition sollte sie konstruktiv prĂŒfen und nichts vorschnell ausschlieĂen. Eine "Empörungsgesundheitspolitik" habe das System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.
ĂrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt mahnte, nicht in eine aufgeheizte Debatte ĂŒber EinzelmaĂnahmen zu verfallen. "Allen Beteiligten muss klar sein: Es reicht nicht aus, die eigenen ReformbeitrĂ€ge möglichst gering zu halten und im Ăbrigen am Status quo festzuhalten." Gefragt sei jetzt Bereitschaft zu echter VerĂ€nderung. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Bundesregierung auf, endlich Farbe zu bekennen. Ein abgestimmtes Konzept mĂŒsse jetzt unverzĂŒglich kommen.
Die GrĂŒnen-Abgeordnete Paula Piechotta warnte: "Die Krankenversicherung darf nicht auf dem RĂŒcken der Versicherten stabilisiert werden, denn die haben mit steigenden Spritpreisen und Inflation schon genug Probleme." Der Linke-Fachpolitiker Ates GĂŒrpinar nannte weitere Belastungen fĂŒr Patientinnen und Patienten inakzeptabel. Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi sagte, anstatt Leistungen zu kĂŒrzen oder Versicherte noch mehr zur Kasse zu bitten, brauche Deutschland eine groĂe Gesundheitsreform, die Lobbyinteressen stutze.
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