Wie nachhaltig sind HĂ€fen, Logistik und Schifffahrt?
03.09.2025 - 06:24:27Bis Donnerstag treffen sich dort Akteure aus den Bereichen Hafen, Logistik und Schifffahrt, um sich zu informieren und auszutauschen. Auf welchem Stand sind die Branchen aktuell und wo liegen die Herausforderungen? Ein Ăberblick:
Nachhaltigkeit bei den HĂ€fen
"Die deutschen SeehĂ€fen sind zentrale Drehscheiben fĂŒr die zu bewĂ€ltigende Energiewende", so Florian Keisinger vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe. Der Einfluss der SeehĂ€fen auf die Umwelt sei abhĂ€ngig vom jeweiligen Standort und den wirtschaftlichen AktivitĂ€ten inner- und auĂerhalb der HĂ€fen.
"Der Anteil der Hafenbetriebe an den Schadstoffemissionen in HÀfen spielt jedoch generell eine vergleichsweise untergeordnete Rolle", teilte Keisinger mit. Der Betrieb von Hafenanlagen mache höchstens 15 Prozent der Schadstoffemissionen in den SeehÀfen aus, die Schifffahrt hingegen mindestens 70 Prozent. Die HÀfen streben an, mit moderner Technologie den Ausstoà von Schadstoffen weiter zu reduzieren, FlÀchen und Energie effizienter zu nutzen und den LÀrmschutz zu verbessern.
Nach PlĂ€nen des Bundes sollen die HĂ€fen in den nĂ€chsten Jahren selbst zu "Energie-Drehkreuzen" umgebaut werden - etwa als Umschlagplatz fĂŒr Wasserstoff oder fĂŒr klimafreundliche Kraftstoffe wie Methanol oder auch E-Fuels. In Wilhelmshaven ist etwa ein Anleger mit bis zu sechs SchiffsliegeplĂ€tzen fĂŒr den Import von klimafreundlichen Gasen geplant.
FĂŒr die KlimaneutralitĂ€t der HĂ€fen spielt auĂerdem Landstrom eine wichtige Rolle. Da der Betrieb auf Seeschiffen im Hafen weitergeht, mĂŒssen die Motoren in der Regel weiterlaufen. Dabei entsteht viel CO2, Stickstoff und Schwefelgas. Nutzen die Schiffe die Landstromanlagen, werden sie im besten Fall mit klimaneutralem Strom versorgt - solange die dafĂŒr nötige Technik an Bord und Land ausgebaut ist.
Ab 2030 ist das in der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Container- und Kreuzfahrtschiffe einer gewissen GröĂe Pflicht. Hamburg erwĂ€gt, eine solche Vorgabe fĂŒr Kreuzfahrtschiffe ab 2027 einzufĂŒhren, schon jetzt werden zwei Drittel der Kreuzfahrtschiffe dort mit Landstrom versorgt. In Bremerhaven soll im Herbst das erste Schiff am Autoterminal Landstrom nutzen, ab dem kommenden FrĂŒhjahr auch Kreuzfahrtschiffe. Am JadeWeserPort in Wilhelmshaven sollen die ersten Landstromanlagen 2028 oder 2029 in Betrieb gehen.
Nachhaltigkeit in der Logistik
Unter die Logistik fallen Transport, Umschlag und Lagerung von Waren. Vergleichsweise viele Emissionen entstehen wĂ€hrend des GĂŒtertransports, der mehr und mehr zunimmt. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes emittierte der GĂŒterverkehr 55 Millionen Tonnen CO2-Ăquivalente im Jahr 2019. Das entsprach mehr als sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.
Die insgesamt meisten Emissionen in Deutschland verursachen Lastwagen. Die Binnenschifffahrt und der Bahnverkehr sind dagegen vergleichsweise wenig klimaschĂ€dlich. Die groĂen SeehĂ€fen Hamburg und Bremerhaven verweisen deshalb auch immer wieder auf ihre umfassenden Schienennetze, ĂŒber die Waren ankommen und weitertransportiert werden.
Die Logistik ist nicht allein Treiber des Klimawandels, sie ist davon auch betroffen. Ein Beispiel sind Niedrigwasserperioden, die etwa auf dem Rhein bisweilen die Binnenschifffahrt stören. Eine neue Studie unter Beteiligung des IfW Kiel hat festgestellt, dass wĂ€hrend einer solchen Periode 2018 der Export ĂŒber WasserstraĂen um etwa 20 Prozent zum Vorjahr einbrach.
Um die Logistik nachhaltiger zu gestalten, gibt es mehrere Ideen: Eine ist die Verlagerung von GĂŒtern von der StraĂe auf die Schiene. Lastwagen sollen zunehmend elektrisch fahren, wozu in Hamburg und andernorts daran gearbeitet wird, die Ladeinfrastruktur auszubauen. FĂŒr Zulieferungen auf kurzen Strecken in der Stadt rĂ€t das Umweltbundesamt zu speziellen LogistiklastenrĂ€dern.
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt
Viele groĂe Schiffe verschmutzen die Luft, denn sie fahren in der Regel mit Schweröl oder Marinediesel. Im Vergleich zu anderen Transportmitteln wie Lastwagen oder Flugzeugen stoĂen Schiffe pro Tonne und Kilometer allerdings weniger klimaschĂ€dliche Treibhausgase aus. Laut der Internationalen Energieagentur machte der Schiffsverkehr 2022 weltweit etwa zwei Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen aus. Aber: Da der GroĂteil des internationalen Warenverkehrs per Schiff transportiert wird, ist der Schiffsverkehr fĂŒr eine groĂe Menge klimaschĂ€dlicher Treibhausgase verantwortlich.
Die Zahl der Schiffe, die mit fossilem FlĂŒssigerdgas (LNG) angetrieben werden, wĂ€chst. Klimaneutral ist das in der Regel aber auch nicht. Die internationale Schifffahrtsorganisation IMO hat das Ziel, dass die internationale Seeschifffahrt ungefĂ€hr bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden soll. Sie ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen (UN) mit mehr als 170 MitgliedslĂ€ndern. Die TreibhausgasintensitĂ€t von Schiffskraftstoffen soll schrittweise reduziert werden. Alternative Technologien und umweltfreundlichere Kraftstoffe wie klimaneutral hergestelltes Methanol sind nötig.
Auch der Weltreederverband ICS strebt - in Anlehnung an EU-Vorgaben - KlimaneutralitĂ€t in der Schifffahrt bis 2050 an, ebenso der internationale Verband der Kreuzfahrtindustrie, Clia. Einzelne Reedereien wollen frĂŒher so weit sein.

