DIHK-Umfrage: Deutsche Wirtschaft in digitaler Abhängigkeitsfalle
29.01.2026 - 08:25:12Eine neue DIHK-Umfrage zeigt: Die Mehrheit deutscher Unternehmen fühlt sich in kritischer Abhängigkeit von Technologien aus Nicht-EU-Ländern. Dieser Befund heizt die Debatte um Europas digitale Souveränität weiter an.
Weckruf aus der Wirtschaft: Abhängigkeit als Standortrisiko
Die Digitalisierungsumfrage 2026 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) liefert alarmierende Zahlen. Knapp 5.000 befragte Unternehmen aus allen Branchen stufen ihre Abhängigkeit von Technologien, Dienstleistungen und Innovationen aus dem Nicht-EU-Ausland als weitgehend oder sogar vollständig ein. Betroffen sind Kernbereiche wie Hardware, Betriebssysteme und künstliche Intelligenz.
„Das ist ein klares Problem für unsere digitale Souveränität“, warnt der DIHK. Angesichts geopolitischer Verschiebungen sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf. Die deutsche Wirtschaft fürchtet digitale Erpressbarkeit – und der Druck auf die Politik wächst, handlungsfähige europäische Alternativen zu schaffen.
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Der europäische Drahtseilakt: Zwischen Autonomie und Wettbewerb
Doch wie viel Abschottung verträgt die Wettbewerbsfähigkeit? Diese Frage spaltet die Tech-Elite. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mahnten die CEOs von Capgemini und Ericsson zur Vorsicht. Überzogene Regulierung im Namen der Souveränität könnte die Einführung neuer Technologien ausbremsen und Europa weiter zurückwerfen.
Gleichzeitig räumen die Konzernlenker eine „enorme Abhängigkeit“ von US-Anbietern ein – ein Erbe mangelnder Investitionen in eigene Cloud-Technologien vor einem Jahrzehnt. Der Zielkonflikt ist offensichtlich: Wie sichert Europa seine Souveränität, ohne im globalen Innovationsrennen den Anschluss zu verlieren?
Lokale Initiativen gewinnen an Fahrt
Trotz der widersprüchlichen Signale schreitet der Aufbau europäischer Alternativen voran. Ein Leuchtturmprojekt ist die Dateninfrastruktur-Initiative Gaia-X, die kürzlich den Supercomputing-Experten LuxProvide als neues Mitglied gewann. Das Projekt zielt auf eine föderierte, sichere Dateninfrastruktur nach europäischen Standards.
Auch die Bundesregierung handelt: Im Rahmen ihrer Souveränitätsstrategie testet sie mit openDesk eine Open-Source-Alternative zu Microsoft-Produkten in der öffentlichen Verwaltung. Parallel wächst das Angebot kommerzieller europäischer Lösungen für Collaboration-Tools und Cloud-Speicher. Der politische Wille zur Reduzierung kritischer Abhängigkeiten ist erkennbar.
US-Konzerne reagieren mit „Souveränitäts-Clouds“
Die großen US-Tech-Konzerne lassen sich die Geschäfte nicht so einfach nehmen. Als Antwort auf regulatorischen Druck bieten sie nun sogenannte „souveräne Clouds“ an. Ein aktuelles Beispiel: Die AWS European Sovereign Cloud, für die der Schweizer Innovationsdienstleister Zühlke kürzlich als Launch-Partner gewonnen wurde.
Das Versprechen klingt verlockend: Vollständige Isolation. Alle Kundendaten – inklusive Metadaten – bleiben physisch und logisch in der EU und werden ausschließlich von hier ansässigem Personal betreut. Doch Kritiker sprechen von „Souveränitäts-Washing“. Eine europäische Flagge auf amerikanischer Infrastruktur schaffe keine echte Autonomie, solange die Betreiberfirmen letztlich US-Gesetzen wie dem CLOUD Act unterlägen.
Die Gretchenfrage: Wie viel Unabhängigkeit ist möglich?
Die Debatte hat sich fundamental gewandelt. Es geht nicht mehr darum, ob digitale Souveränität notwendig ist, sondern wie sie erreicht werden kann. Die europäische Strategie bewegt sich in zwei Richtungen: Einerseits der Aufbau eigener Ökosysteme wie Gaia-X, andererseits die regulatorische Zähmung globaler Anbieter.
Die kommenden ein bis zwei Jahre werden entscheidend sein. Bald steht die Besetzung der Leitung des neuen EU-Konsortiums für digitale Gemeinschaftsgüter (DC Edic) an, das Open-Source-Alternativen in KI, Cloud und Cybersicherheit vorantreiben soll. Die DIHK-Umfrage erhöht den Handlungsdruck auf die Politik enorm.
Kann Europa ein robustes, wettbewerbsfähiges Technologie-Ökosystem kultivieren? Oder bleibt es bei einer lediglich stärker regulierten Abhängigkeit? Der eingeschlagene Weg ist ein komplexer Balanceakt zwischen strategischer Autonomie und globaler Offenheit – und die Uhr tickt.
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