DIHK-Umfrage, Handelsbarrieren

DIHK-Umfrage: Handelsbarrieren erreichen historischen Höchststand

24.03.2026 - 11:18:51 | boerse-global.de

Eine Rekordzahl deutscher Exportunternehmen beklagt wachsende Handelsbarrieren, vor allem durch heimische Bürokratie und komplexe ESG-Regeln. Der DIHK fordert 2026 zum Jahr der Reformen aus.

DIHK-Umfrage: Handelsbarrieren erreichen historischen Höchststand - Foto: über boerse-global.de
DIHK-Umfrage: Handelsbarrieren erreichen historischen Höchststand - Foto: über boerse-global.de

Deutsche Exporteure sehen sich mit einem Rekordniveau an Handelshemmnissen konfrontiert. Laut der aktuellen DIHK-Umfrage „Going International 2026“ sind hausgemachte Bürokratie und komplexe ESG-Regeln die größten Bremsklötze.

Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Eine neue Rekordzahl von 69 Prozent der international aktiven Unternehmen berichtet von wachsenden Handelsbarrieren. Besonders kritisch: Rund 83 Prozent machen heimische und EU-Regularien für die Belastung verantwortlich. Die Kombination aus globalem Protektionismus und überbordender Inlandsbürokratie wird zur doppelten Hypothek.

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Bürokratie schlägt klassische Zölle

Die Art der Handelshemmnisse hat sich gewandelt. Nicht mehr primär Zölle, sondern intransparente Gesetze, langwierige Zertifizierungen und komplexe Sicherheitsanforderungen behindern den Geschäftsverkehr. Diese administrativen Hürden binden personelle und finanzielle Ressourcen, ohne produktiven Mehrwert zu schaffen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stoßen hier an ihre Grenzen, da ihnen spezialisierte Compliance-Abteilungen fehlen.

ESG-Regeln als Lieferketten-Killer

Im Fokus der Kritik stehen die wachsenden ESG-Berichtspflichten. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und der europäische CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) gelten als kritische Erfolgsfaktoren – im negativen Sinne. Sie führen zu einem „Trickle-down-Effekt“: Auch nicht direkt betroffene Firmen werden von größeren Partnern zur Datenbereitstellung gezwungen.

„Das führt zu erheblicher Rechtsunsicherheit und Reibungsverlusten“, warnt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Die Bürokratiekosten für die Dokumentation von Umwelt- und Sozialstandards übersteigen oft den wirtschaftlichen Nutzen. Statt neue Märkte zu erschließen, verwalten viele Unternehmen nur noch die Regulierung bestehender Lieferwege.

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USA: Vom Hoffnungsträger zum Risikofaktor

Der einstige Wachstumsmarkt USA entwickelt sich zum Unsicherheitsfaktor. 66 Prozent der betroffenen Unternehmen sehen sich mit höheren US-Zöllen konfrontiert. Die Geschäftserwartungen für den US-Markt sind tief im Negativen. Ein Drittel der Firmen vertagt oder streicht geplante Investitionen in den Vereinigten Staaten. Der Fokus Washingtons auf „Local Content“ zwingt deutsche Konzerne zum Strategiewechsel.

DIHK fordert 2026 zum „Jahr der großen Reformen“ aus

Angesichts der dramatischen Lage fordert die DIHK-Spitze einen konsequenten Kurswechsel. Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov mahnt: Deutschland sei zu teuer, zu langsam und zu kompliziert. Die Bundesregierung müsse bis zum Sommer spürbare Reformen auf den Weg bringen – insbesondere bei der Senkung der Energiesteuern auf EU-Mindestniveau.

DIHK-Präsident Peter Adrian erklärt 2026 zum „Jahr der großen Reformen“. Ein „Befreiungsschlag“ gegen die Regulierungslast sei nötig. Neue Vorhaben wie das Tariftreuegesetz müssten kritisch hinterfragt werden, um keine zusätzlichen Belastungen zu schaffen.

Ausblick: Zwischen Resilienz und Standortverlust

Die kommenden Monate sind entscheidend. Die DIHK prognostiziert für 2026 ein weiterhin schwieriges Umfeld. Sollten die geforderten Reformen ausbleiben, warnen Experten vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Viele Unternehmen prüfen bereits die Verlagerung von Kapazitäten in investitionsfreundlichere Regionen. Die digitale Transformation des Außenhandels allein kann die strukturellen Nachteile nicht kompensieren. Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit bleibt das zentrale Thema für 2026.

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