DIW-PrÀsident, Wende

DIW-PrÀsident fordert radikale Wende bei der Vermögensbesteuerung

17.03.2026 - 00:00:23 | boerse-global.de

Der DIW-PrÀsident schlÀgt eine höhere Besteuerung von Grundbesitz vor, um Haushaltslöcher zu stopfen, und lehnt eine allgemeine Vermögensteuer als ineffizient ab.

DIW-PrĂ€sident fordert radikale Wende bei der Vermögensbesteuerung - Foto: ĂŒber boerse-global.de
DIW-PrĂ€sident fordert radikale Wende bei der Vermögensbesteuerung - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Marcel Fratzscher schlĂ€gt eine rigorose Reform der Immobilienbesteuerung vor. Der DIW-PrĂ€sident positioniert sich damit klar gegen die von Teilen der Opposition geforderte WiedereinfĂŒhrung einer allgemeinen Vermögensteuer. Hintergrund ist ein drohendes jĂ€hrliches Haushaltsdefizit von ĂŒber 30 Milliarden Euro.

Warum die klassische Vermögensteuer ein "stumpfes Schwert" ist

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Noch im Februar legte Die Linke ein Konzept fĂŒr eine neue Vermögensteuer vor. DIW-Forscher Stefan Bach rechnete vor, dass sie dem Staat bis zu 147 Milliarden Euro jĂ€hrlich bringen könnte. Doch Fratzscher warnt nun vor den praktischen HĂŒrden.

Seine Analyse zeigt erhebliche Konstruktionsfehler. In einer globalisierten Wirtschaft lĂ€sst sich Finanzkapital leicht ins Ausland verlagern. Eine nationale Vermögensteuer provoziere daher Kapitalflucht und verursache hohe BĂŒrokratiekosten. Zudem fĂŒrchten WirtschaftsverbĂ€nde und die Union eine Belastung des Mittelstands. Ohne globale Koordination raten Ökonomen von diesem Instrument ab.

Immobilien: Die standorttreue Alternative

Als effizientere Alternative rĂŒckt nun die gezielte Besteuerung von Grund und Boden in den Fokus. Der große Vorteil: HĂ€user und GrundstĂŒcke kann man nicht aus dem Land tragen. Steuerflucht ist hier nahezu unmöglich.

Experten plĂ€dieren fĂŒr eine starke, regelmĂ€ĂŸig aktualisierte Grundsteuer und die konsequente Besteuerung von Wertsteigerungen. Im internationalen Vergleich fĂ€llt die Belastung von Grundbesitz in Deutschland bislang eher gering aus. Stattdessen lastet das System stark auf Arbeitseinkommen. Eine Umschichtung könnte die Kassen fĂŒllen und positive Lenkungseffekte entfalten.

Was eine Reform fĂŒr EigentĂŒmer bedeuten wĂŒrde

FĂŒr den Immobilienmarkt brĂ€chte ein solcher Paradigmenwechsel tiefgreifende VerĂ€nderungen. Höhere Steuern sollen spekulative Anreize dĂ€mpfen und zu einer effizienteren Nutzung knapper FlĂ€chen in StĂ€dten wie MĂŒnchen oder Berlin fĂŒhren.

Besitzer von Wohnungen, HĂ€usern und Gewerbeportfolios mĂŒssten sich auf steigende laufende Kosten einstellen. Die genaue Ausgestaltung wĂ€re entscheidend, um private Kleinvermieter nicht zu ĂŒberlasten. Kritiker warnen: Höhere Abgaben könnten Vermieter veranlassen, die Last auf Mieter umzulegen.

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Verfassungsrechtliche HĂŒrden und neue Chancen

Die Debatte ist historisch vorbelastet. Das Bundesverfassungsgericht erklĂ€rte die Vermögensteuer 1995 fĂŒr verfassungswidrig, da Immobilien systematisch unterbewertet wurden. Seit 1997 wird sie nicht mehr erhoben.

Ironischerweise könnte die jĂŒngste Grundsteuerreform nun die Voraussetzungen fĂŒr eine stĂ€rkere Besteuerung schaffen. Seit 2025 liegen den FinanzĂ€mtern prĂ€zisere Daten zu Millionen GrundstĂŒcken vor. Diese neue Basis ermöglicht theoretisch eine genauere Erfassung von Immobilienwerten. Allerdings ist die neue Grundsteuer selbst noch nicht in trockenen TĂŒchern: Mehrere Klagen sind anhĂ€ngig, das Bundesverfassungsgericht könnte sich 2026 erneut damit befassen.

Ein Kompromiss in der Haushaltskrise?

Die VorschlĂ€ge fallen in eine Zeit enormer haushaltspolitischer Anspannung. Die Bundesregierung sucht nach Wegen, um Investitionen zu finanzieren. Die Debatte zeigt einen klaren Riss: Linke und GrĂŒne sehen vermögensbezogene Steuern als Instrument der Gerechtigkeit, Konservative und Liberale lehnen sie mit Verweis auf die WettbewerbsfĂ€higkeit ab.

Die Fokussierung auf Immobilien stellen einen ökonomischen Kompromiss dar. Sie umgeht das Problem der Kapitalflucht, trifft aber eine Anlageklasse, die den Deutschen heilig ist: die private Altersvorsorge in den eigenen vier WÀnden. VerbÀnde warnen bereits vor einer schleichenden Entwertung durch immer neue Abgaben.

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