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Drei Lehren aus den Kommunalwahlen in Niedersachsen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

(Aktualisierung: Mit vorlÀufigem Ergebnis durchgehend aktualisiert.)HANNOVER - Die CDU bleibt in Niedersachsens Kommunen die stÀrkste Kraft - vor der im Land regierenden SPD und einer stark gewachsenen AfD.

(Aktualisierung: Mit vorlÀufigem Ergebnis durchgehend aktualisiert.)

HANNOVER (dpa-AFX) - Die CDU bleibt in Niedersachsens Kommunen die stĂ€rkste Kraft - vor der im Land regierenden SPD und einer stark gewachsenen AfD. Rund 6,3 Millionen Menschen im Nordwesten waren bei den Kommunalwahlen aufgerufen, ihre örtlichen Vertretungen sowie BĂŒrgermeister und LandrĂ€te zu wĂ€hlen.

Die CDU kommt laut vorlĂ€ufigem Ergebnis auf Kreisebene auf 27,2 Prozent - das sind 4,5 Prozentpunkte weniger als 2021. Die SPD von MinisterprĂ€sident Olaf Lies erhielt 24,6 Prozent, sie sackte um 5,4 Prozentpunkte ab. Verluste mĂŒssen auch die an der Landesregierung beteiligten GrĂŒnen hinnehmen - nach der AuszĂ€hlung kommen sie auf 14,1 Prozent und verlieren 1,8 Prozentpunkte.

Klare Zugewinne gibt es dagegen fĂŒr die AfD, sie kommt laut vorlĂ€ufigem Ergebnis auf 15,9 Prozent und damit 11,3 Prozentpunkte mehr als 2021. Auch die Linke gewinnt hinzu, sie verbessert sich um 3,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. Die FDP verliert 2,8 Prozentpunkte und sinkt auf 3,7 Prozent. BerĂŒcksichtigt wurden fĂŒr das vorlĂ€ufige Ergebnis die Wahlen in den kreisfreien StĂ€dten und in den Landkreisen sowie in der Region Hannover.

Vor dem Hintergrund des AfD-Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt und der Krise beim fĂŒr Niedersachsen so wichtigen Autokonzern Volkswagen stehen die Wahlen auch bundesweit im Blickpunkt - als Gradmesser fĂŒr die Stimmung in einem westdeutschen Bundesland, bevor am Sonntag bereits die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Abgeordnetenhauswahl in Berlin anstehen.

Drei Erkenntnisse aus den Wahlen in Niedersachsen:

Der Druck auf die Bundesregierung bleibt - Atempause fĂŒr die CDU

Die CDU um Niedersachsens Landeschef Sebastian Lechner kann trotz Verlusten noch einiges Positives fĂŒr sich verbuchen: eine absolute Mehrheit bei der OberbĂŒrgermeisterwahl in der VW-Stadt Wolfsburg etwa mit Dennis Weilmann oder den Einzug in die Stichwahl fĂŒr den RegionsprĂ€sidenten der Region Hannover mit Oliver Junk. Auch die seit 1981 wĂ€hrende Serie als stĂ€rkste Kraft bei den Kreiswahlen im Land wurde fortgesetzt. Die CDU kann durchatmen.

Lechner machte allerdings unmissverstĂ€ndlich klar, dass das Ergebnis "trotz dieses Bundestrends" gelungen sei. Wenn man im Kommunalwahlkampf an jedem Stand auf die Unzufriedenheit mit der Berliner Politik angesprochen werde, dann sei klar, "dass wir da zu wenig geliefert haben", sagte Lechner und forderte: "Ich glaube, es braucht eine politische Änderung in Berlin. Wir mĂŒssen die Menschen entlasten. Die Energiepreise sind zu hoch, die Wohnungspreise zu hoch. Man hat zu wenig Netto vom Brutto." Dazu mĂŒsse die Bundesregierung bis Jahresende mutige Entscheidungen treffen.

Angesprochen auf die Zukunft von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sagte der Landesvorsitzende zwar, jetzt sei keine Zeit fĂŒr Personaldiskussionen. Die CDU mĂŒsse sich auf die kommenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin nĂ€chste Woche konzentrieren. Danach aber mĂŒsse die Union besprechen, wie es weitergehe.

Noch grĂ¶ĂŸere Verluste muss jedoch der Koalitionspartner der Union im Bund, die SPD, hinnehmen - und das im Heimatland von Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius.

Niedersachsens MinisterprĂ€sident und SPD-Landeschef Lies sagte verklausuliert: "Auch Niedersachsen entzieht sich den EinflĂŒssen der letzten Wochen auf bundespolitischer Ebene nicht gĂ€nzlich." Das Vertrauen in die etablierten Parteien sei angespannt, und die WĂ€hler gingen "nicht zu anderen demokratischen KrĂ€ften, sondern an die RĂ€nder".

Die AfD ist kein PhÀnomen des Ostens

Wer den haushohen AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als typisch ostdeutsch deuten wollte, der sieht in Niedersachsen: Die AfD ist auch in Westdeutschland im Aufwind, selbst in der Kommunalpolitik. Im Vergleich zu 2021 hat sie ihr Ergebnis auf Kreisebene mehr als verdreifacht.

Im Stadtrat von Salzgitter wurde die AfD mit knappem Vorsprung stĂ€rkste Kraft. Mit 27,39 Prozent landete die Partei dort vor der SPD (25,85 Prozent) und der CDU (23,23 Prozent). Im Kampf um das OberbĂŒrgermeisteramt der Stadt geht zudem die AfD-Kandidatin Patricia Mair in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Frank Klingebiel (CDU).

AfD-Landeschef Ansgar Schledde jubilierte: "Die AfD ist seit heute Kommunalpartei und wir werden mit diesem gewaltigen RĂŒckhalt und den neu geschlagenen Wurzeln gestĂ€rkt in die Landtagswahl gehen." In gut einem Jahr, am 26. September 2027, wird Niedersachsens Landtag neu gewĂ€hlt.

Schledde erinnerte auch daran, dass vier AfD-Kandidaten nicht zu den Kommunalwahlen zugelassen worden waren, wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue. Der Landeschef sagte, das habe "das Bewusstsein geschÀrft, dass auch auf der kleinsten Ebene unseres Staates eine klare demokratische Alternative als Korrektiv benötigt" werde.

Die AfD Niedersachsen wird vom Verfassungsschutz des Landes als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft. Die vier AusschlĂŒsse von AfD-Kandidaten beschlossen die WahlausschĂŒsse der jeweiligen Kommunen. Die AfD wehrt sich juristisch sowohl gegen die Einstufung beim Verfassungsschutz als auch gegen die WahlausschlĂŒsse.

Rot-GrĂŒn schwĂ€chelt - Die Linke legt zu

Koalitionen aus SPD und GrĂŒnen sind selten geworden, in Niedersachsen gibt es sie in der Landesregierung noch. Aber: Zusammengenommen haben beide Parteien laut vorlĂ€ufigem Ergebnis nun auf Kreisebene gut sieben Prozentpunkte verloren.

Zwar gibt es Lichtblicke sowohl fĂŒr die SPD - etwa mit der in Runde eins fĂŒhrenden Eva Bender als RegionsprĂ€sidentin fĂŒr Hannover - als auch fĂŒr die GrĂŒnen - insbesondere mit dem erneut deutlich fĂŒhrenden amtierenden OberbĂŒrgermeister von Hannover, Belit Onay. Der landesweite Trend dĂŒrfte den Regierungsparteien aber zu denken geben. MinisterprĂ€sident Lies sprach von einem "schwierigen Ergebnis".

Zumal es neben der AfD noch einen weiteren Wahlgewinner gibt: die Linke. Seit 2024 hat die Partei ihre Mitgliederzahl in Niedersachsen zuletzt verdreifacht. Jetzt konnte sie ihr Ergebnis bei den Kreiswahlen in etwa verdoppeln. Ist der Zuspruch bei der Landtagswahl 2027 Ă€hnlich groß, könnte die Linke erstmals seit 2013 wieder in das Landesparlament einziehen.

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