DĂŒrre schrumpft die Ernte - Bauern unter Druck
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 14:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSZu rechnen ist mit einer leicht unterdurchschnittlichen Getreidemenge von 41,9 Millionen Tonnen, wie der Deutsche Bauernverband mitteilte. Das wĂ€ren sieben Prozent weniger als im Vorjahr, das aber mit 45 Millionen Tonnen ein starkes Ergebnis gebracht hatte. Auch zeigten sich enorme regionale Unterschiede mit SchĂ€den vor allem im SĂŒden. Die Branche fordert Finanzhilfen wegen einer angespannten Lage vieler Höfe - akute Folgen fĂŒr die Verbraucherpreise erwartet sie eher nicht.
BauernprĂ€sident Joachim Rukwied sprach von einer enttĂ€uschenden Ernte. "Insbesondere in SĂŒd- und Westdeutschland haben fehlende NiederschlĂ€ge zu schwachen ErtrĂ€gen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen gefĂŒhrt." Der Standort habe in diesem Jahr ĂŒber den Ertrag entschieden wie selten zuvor. Nach einem zu trockenen FrĂŒhjahr setzte in der zweiten JunihĂ€lfte noch eine Hitzewelle in der wichtigen Kornbildungsphase ein. Die erwartete Menge lĂ€ge nun um ein Prozent unter dem FĂŒnf-Jahres-Mittel von 42,5 Millionen Tonnen.
Probleme bei Tierfutter
EinbuĂen zeigten sich etwa bei Winterweizen als wichtigster Getreideart und Winterraps, bei dem SchĂ€den durch SchĂ€dlinge hinzukamen. Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, erlĂ€uterte der Bauernverband. Selbst auf FlĂ€chen mit kĂŒnstlicher BewĂ€sserung seien kaum durchschnittliche ErtrĂ€ge zu erwarten. Im SĂŒden und andernorts mit zu wenig Regen gibt es auch Probleme beim Nachschub fĂŒrs Tierfutter, denn auf trockenen Wiesen wĂ€chst nach dem ersten MĂ€hen kein Gras mehr nach. Da Futter-ZukĂ€ufe teuer seien, mĂŒssten teils auch Tiere geschlachtet werden.
Bei den Ladenpreisen fĂŒr Brot und Brötchen dĂŒrfte die geringere Ernte indes kaum zu spĂŒren sein, wie Rukwied mit Blick auf den kleinen Anteil von Getreide deutlich machte. GrĂŒnde fĂŒr Anhebungen seien eher höhere Kosten fĂŒr Energie, Löhne und Transport. Bei Obst und GemĂŒse verstĂ€rke auch der angehobene Mindestlohn eine Tendenz zu gĂŒnstigerer Importware - etwa bei Angeboten fĂŒr SĂŒĂkirschen aus der TĂŒrkei zu 3,30 Euro pro Kilogramm, wĂ€hrend die Kosten fĂŒr FrĂŒchte aus heimischer Produktion in Richtung 4 Euro gingen. Bei GemĂŒse und Kartoffeln schwankten Preise generell stark und seien kaum vorherzusagen.
Niedrige Weltmarktpreise fĂŒr Getreide
Beim Getreide mĂŒssen viele Bauern nun mit einer schwierigen Lage umgehen. Schon seit drei Jahren seien nur unterdurchschnittliche Preise zu erzielen, sagte Rukwied - und die Notierungen hĂ€ngen an den internationalen MĂ€rkten. Nicht wenige Betriebe mĂŒssten die Ernte jetzt trotzdem direkt verkaufen, um offene Rechnungen zu begleichen und weiter wirtschaften zu können. Andere lagerten Getreide bei Genossenschaften oder auf dem eigenen Hof in der Hoffnung ein, dass die Preise in der zweiten JahreshĂ€lfte anziehen könnten.
Insgesamt sei die wirtschaftliche Lage wegen hoher Kosten etwa fĂŒr Energie prekĂ€r, warnte der Verband. "Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, spĂ€ter DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel", sagte Rukwied. Und ohne die notwendige LiquiditĂ€t könnten sie die kommende Ernte nicht vorfinanzieren. Er fordert deshalb ein "Sofortpaket" von der schwarz-roten Bundesregierung.
So sollten von der EU geplante DĂŒngemittelbeihilfen von 60 Millionen Euro national auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Bei den Direktzahlungen aus der EU-Agrarfinanzierung sollten 80 Prozent von Dezember auf Oktober vorgezogen werden. Her mĂŒsse eine schnelle Steuersenkung bei Diesel. Zu Jahresbeginn waren nach Gesetzen der Koalition bereits Steuerentlastungen beim Agrardiesel und den Stromkosten fĂŒr die Landwirtschaft in Kraft getreten.
Nationales AusmaĂ bei DĂŒrreschĂ€den?
Bundesagrarminister Alois Rainer machte deutlich, dass er die schwierige Lage im Blick hat, stellte zu den Forderungen aber zunĂ€chst keine konkreten Schritte in Aussicht. Die Höfe könnten gewiss sein, dass er auf allen Ebenen dafĂŒr kĂ€mpfen werde, dass die Landwirtschaft UnterstĂŒtzung bekomme, sagte der CSU-Politiker. Er wies auch auf bestehende Hilfsinstrumente hin.
Dabei sind fĂŒr mögliche zusĂ€tzliche Zahlungen wegen Extremwetters zunĂ€chst die LĂ€nder zustĂ€ndig, wie das Ministerium erlĂ€uterte. Voraussetzung fĂŒr eine Beteiligung des Bundes ist ein Einstufen als "Ereignis von nationalem AusmaĂ". Ob dies vorliegt, soll voraussichtlich Ende August belastbar zu bewerten sein.
UmweltschĂŒtzer fĂŒr "wirksame Klimaanpassung"
UmweltverbĂ€nde forderten, dass die Landwirtschaft sich stĂ€rker fĂŒr Folgen des Klimawandels wappnen mĂŒsse. "Anhaltende Trockenheit im Sommer, die die Ernten bedroht, wird mit der fortschreitenden ErderwĂ€rmung immer hĂ€ufiger auftreten - das bedroht langfristig unsere ErnĂ€hrungssicherheit", warnte der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland.
Der Naturschutzbund (Nabu) mahnte: "Statt immer neuer Forderungen nach billigem Agrardiesel und dem nĂ€chsten Hilfstopf braucht es wirksame Klimaanpassung." Die Agrarförderung mĂŒsse daher gezielt Anreize fĂŒr widerstandsfĂ€hige Betriebe schaffen - etwa fĂŒr mehr Vielfalt auf den Ăckern, humusreiche Böden und einen besseren WasserrĂŒckhalt.
