Aktie, Castlelake

easyJet Aktie: Castlelake vor fünftem Anlauf

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 17:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Investor Castlelake nähert sich mit 5,5-Milliarden-Euro-Offerte der Übernahme von easyJet. Der Vorstand empfiehlt die Annahme.

easyJet-Übernahme: Castlelake gelingt Durchbruch nach fünftem Angebot
Aktie - Abstrakte Darstellung der Luftfahrt- und Reisebranche, die wiederholte Bemühungen und bevorstehende Reisen symbolisiert. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eigentlich schien der Kauf von easyJet vom Tisch. Gleich viermal scheiterte der Investor Castlelake mit Angeboten, die der Verwaltungsrat als „erhebliche Unterbewertung" ablehnte. Jetzt kommt der fünfte Anlauf — und plötzlich ist der Deal in greifbarer Nähe.

Der Vorstand sei nun geneigt, den Aktionären die Annahme zu empfehlen, heißt es aus dem Unternehmen. Die Bewertung: umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro. Zum aktuellen Kurs von 6,95 Euro notiert die Aktie unterdessen 0,26 Prozent im Plus. In den vergangenen 30 Tagen hat sich das Papier mit 26,36 Prozent Gewinn deutlich dynamischer entwickelt — die Übernahmefantasie trieb den Kurs bereits vor der Einigung.

Der Preis und seine Vorgeschichte

Das neue Angebot sieht 6,90 Pfund je Aktie in bar vor. Castlelake, das bereits 2,14 Prozent an der Billigfluglinie hält, hatte zuvor 6,25 und 6,50 Pfund geboten — beides abgelehnt. Jetzt scheint der Preis zu stimmen.

Allerdings ist der Deal noch nicht fix. Nach britischem Übernahmerecht hat Castlelake bis zum 3. August Zeit, ein verbindliches Angebot vorzulegen oder abzuspringen. Formal bleibt die Offerte also zunächst eine Absichtserklärung.

Das EU-Problem

Ein heikler Punkt ist die Rechtsstruktur. EU-Vorschriften verlangen, dass Fluggesellschaften zu mehr als 50 Prozent im Besitz von EU-Bürgern sein müssen. Sonst droht der Verlust von Verkehrsrechten innerhalb der Union.

Die Lösung: Castlelake übernimmt nur 49 Prozent. Die restlichen 51 Prozent sollen von EU-Staatsangehörigen gehalten werden. So bliebe easyJets umfangreiches Streckennetz auf dem Kontinent unangetastet — mit Stützpunkten in London Gatwick, Paris Orly und Berlin.

Was Castlelake wirklich will

Das Kerngeschäft dürfte für den Investor nur ein Grund sein. Attraktiver ist offenbar easyJets „Holidays"-Sparte, die überdurchschnittlich wächst. Hinzu kommt ein wertvolles Portfolio an Start- und Landerechten an Europas wichtigsten Flughäfen.

Marktbeobachter sehen die Offerte im Kontext einer regelrechten Übernahmewelle an der Londoner Börse. Auch Firmen wie Schroders und Intertek stehen im Fokus von Käufern. Kritiker sprechen längst von einer „Inkubator-Ökonomie": Britische Unternehmen würden aufgebaut, um dann an ausländische Investoren verkauft zu werden.

Was jetzt passiert

Der Flugbetrieb läuft normal weiter. Die Flotte von über 350 Airbus-Maschinen bleibt in der Luft. Aktionäre sollen vorerst nichts unternehmen, während die Angebotsfrist bis Anfang August läuft.

Bis dahin entscheidet sich, ob Castlelake den fünften Anlauf tatsächlich zu Ende bringt — oder ob am Ende doch alles anders kommt.

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