EHang: Nur vier EH216-S ausgeliefert
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 21:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das chinesische Technologieunternehmen EHang Holdings, ein Pionier im Bereich der elektrischen vertikal startenden und landenden Luftfahrzeuge (eVTOL), hat offiziell zu Berichten über einen massiven Personalabbau Stellung bezogen. Nachdem Spekulationen über weitreichende Entlassungen laut geworden waren, stellte das Unternehmen klar, dass es sich um Maßnahmen zur Optimierung der Organisationseffizienz handele. Dabei stünden vor allem leistungsschwache Rollen im Fokus, während gleichzeitig gezielt Fachpersonal für spezialisierte Bereiche angeworben werde. Laut Berichten von Gasgoo und weiteren Branchenmedien bleibt das Kernteam des Unternehmens stabil; der Anteil der betroffenen Stellen soll unter fünf Prozent der Belegschaft liegen.
Enttäuschende Absatzzahlen im ersten Quartal
Die Gerüchte über personelle Einschnitte folgten auf die Veröffentlichung enttäuschender Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026. Der Nettoverlust von EHang weitete sich in diesem Zeitraum auf 126,4 Millionen Yuan aus, verglichen mit einem Verlust von 78,4 Millionen Yuan im Vorjahresquartal. Auch beim Umsatz verzeichnete das Unternehmen einen leichten Rückgang um 1,7 Prozent auf 25,7 Millionen Yuan im Vergleich zum Vorjahr. Besonders deutlich war der Einbruch gegenüber dem vierten Quartal 2025, in dem der Umsatz noch um 85,6 Prozent höher gelegen hatte.
Ausschlaggebend für diese Entwicklung war laut dem Finanzvorstand (CFO) vor allem ein drastischer Rückgang bei den Auslieferungen. EHang lieferte im ersten Quartal lediglich vier Geräte der EH216-Serie aus. Zum Vergleich: Im ersten Quartal des Vorjahres waren es noch elf Einheiten, im vorangegangenen Schlussquartal 2025 sogar 61 Fluggeräte. Das Management begründete diese Schwäche mit saisonalen Effekten durch das chinesische Neujahrsfest sowie dem spezifischen Timing großer Projekte. Trotz des verhaltenen Jahresstarts hält EHang an seiner Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von rund 600 Millionen Yuan fest.
Operative Fortschritte und Zertifizierungen
Trotz der finanziellen Belastungen treibt EHang die Kommerzialisierung seiner Flugtaxi-Technologie voran. Das Modell EH216-S verfügt bereits über die notwendigen Typenzertifizierungen (TC), Produktionszertifikate (PC) und Lufttüchtigkeitszeugnisse (AC) der chinesischen Luftfahrtbehörde CAAC. Das Unternehmen plant, noch im laufenden Jahr kommerzielle Lufttaxi-Dienste in chinesischen Metropolen wie Guangzhou, Shenzhen, Zhuhai und Hefei zu etablieren. Allein in Shenzhen sollen bis Ende 2025 über 600 Start- und Landeplätze für eVTOLs entstehen.
Parallel dazu trägt das Segment der „Aerial Media“ signifikant zum Geschäft bei. In diesem Bereich wurden 22 Flugvorführungen durchgeführt und 1.000 Einheiten der GD4.0-Drohnen ausgeliefert. Dieser Sektor erwirtschaftete rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes und erzielte eine Bruttomarge von 62,5 Prozent. Die Fabrik in Yunfu verfügt laut Unternehmensangaben über eine Kapazität von 600 Einheiten pro Jahr, was die Grundlage für eine angestrebte Massenproduktion bildet.
Marktreaktion und finanzielle Stabilität
An der Börse spiegelt sich die aktuelle Verunsicherung wider. Die EHang-Aktie notiert derzeit bei 4,72 Euro und weist damit einen deutlichen Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 7,75 Euro auf, das im Juni 2026 erreicht wurde. Mit einem aktuellen Minus von 39,03 % gegenüber diesem Höchststand nähert sich das Papier seinem Jahrestief an. Der 14-Tage-RSI (Relative Strength Index) hat mittlerweile einen Wert von 30,0 erreicht, was technisch oft als Signal für eine überverkaufte Marktlage gewertet wird.
Um das Vertrauen der Investoren zu stärken, hat EHang im Juni 2026 ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 30 Millionen US-Dollar angekündigt. Während Analysten, wie die von Pluang zitierten Experten, das Kursziel im Schnitt bei 6,97 US-Dollar sehen, bleibt die tatsächliche Profitabilität des Unternehmens stark von der Marktdurchdringung und der Erteilung weiterer Genehmigungen für den kommerziellen Betrieb abhängig. Die operativen Kosten stiegen zuletzt um 36,8 Prozent im Vorjahresvergleich, was den Druck auf das Management erhöht, die Skalierung der Produktion zügig voranzutreiben.
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