Richter ordnet Blockade von Telegram in Spanien an
24.03.2024 - 15:54:50Grund sei die Klage mehrerer Medienunternehmen gegen Telegram wegen Verletzung von Vorschriften zum Schutz des Urheberrechts, teilte die Justiz in Madrid am Sonntag mit. Telegram war von Spanien aus jedoch zunĂ€chst noch weiter zu erreichen. VerbraucherschĂŒtzer in Spanien, wo es mehrere Millionen Telegram-Nutzer gibt, kritisierten die MaĂnahme als unverhĂ€ltnismĂ€Ăig. LĂ€ndersperren lassen sich jedoch relativ leicht mit geschĂŒtzten Netzwerkverbindungen (VPN) umgehen.
Das Gericht teilte mit, Richter Santiago Pedraz am Nationalen Staatsgerichtshof habe die Behörden der britischen Jungferninseln in der Karibik, wo Telegram registriert ist, wiederholt vergeblich um Amtshilfe ersucht. Jedoch hĂ€tten die dortigen Behörden nicht kooperiert bei der KlĂ€rung der IdentitĂ€t der Inhaber von Telegram-Konten, von denen aus urheberrechtlich geschĂŒtzte Inhalte verbreitet worden seien. Die vorlĂ€ufige Sperrung des gesamten Telegramdienstes sei deshalb aus Sicht des Richters "notwendig, geeignet und verhĂ€ltnismĂ€Ăig", betonte das Gericht.
Die Zeitung "El PaĂs" schrieb, Telegram verweigere regelmĂ€Ăig AuskĂŒnfte an Behörden. Da der Dienst die IdentitĂ€t seiner Nutzer mehr schĂŒtze als etwa die gröĂere Konkurrenz von WhatsApp, werde sie von Regimegegnern in Diktaturen wie Russland oder dem Iran bevorzugt. Aber es gebe deshalb auf Telegram auch KanĂ€le mit kriminellen oder extremistischen Inhalten. Bei der angeordneten Blockade gehe es neben dem Schutz von Urheberrechten vor allem auch um einen Konflikt zwischen dem Richter eines Rechtsstaates und einem Privatunternehmen und um die AbwĂ€gung zwischen AnonymitĂ€t und Straflosigkeit im Internet.

