Gesetz fĂŒr stabile KassenbeitrĂ€ge kann kommen
18.12.2025 - 06:19:19Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat einigte sich auf einen Kompromiss in der Streitfrage einer Ausgabenbremse bei den Kliniken. Der Weg fĂŒr das von den LĂ€ndern zunĂ€chst gestoppte Gesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ist damit geebnet. Bundesrat und Bundestag sollen die Lösung an diesem Freitag noch billigen. Krankenkassen und Opposition bezweifeln, dass Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge zum 1. Januar 2026 damit tatsĂ€chlich abgewendet werden.
Die Co-Vorsitzende des Vermittlungsausschusses, Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig, sprach von einem "guten Kompromiss". Die SPD-Politikerin sagte, sie rechne mit einer Zustimmung im Bundesrat, da die LĂ€nder im Ausschuss der Lösung zugestimmt hĂ€tten. Auf Widerstand gestoĂen waren geplante Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro bei den Kliniken, die den GroĂteil des Pakets von zwei Milliarden Euro ausmachen. DafĂŒr soll der Anstieg ihrer VergĂŒtungen 2026 auf tatsĂ€chliche Kostensteigerungen begrenzt werden.
Der Bundesrat schickte das vom Bundestag beschlossene Gesetz deswegen im November in den Vermittlungsausschuss. Schwesig sagte, fĂŒr die LĂ€nder sei es von Anfang an wichtig gewesen, dass die Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro "nicht dauerhaft wirksam sind, sondern einmalig". Warken begrĂŒĂte die Zustimmung zum Kompromiss, der diesem Ansatz der LĂ€nder entgegenkomme.
Die Ministerin hatte dazu einen Lösungsvorschlag eingebracht, der darauf zielt, die Sparwirkung auf 2026 einzugrenzen. Die Bremse fĂŒr die VergĂŒtungen der Kliniken im nĂ€chsten Jahr soll damit nicht zu einer niedrigeren Ausgangsbasis fĂŒr VergĂŒtungsregelungen in den Folgejahren fĂŒhren. Die Basis solle daher ab 2027 "wieder kĂŒnstlich erhöht" werden, wie Hendrik Hoppenstedt (CDU), der Co-Vorsitzende des Vermittlungsausschusses fĂŒr die Bundestagsseite, erlĂ€uterte. Das Gremium kam zu seiner ersten Sitzung in dieser Wahlperiode zusammen.
Umgesetzt werden soll nun eine Ănderung im Spargesetz. AuĂerdem gab die Bundesregierung eine ProtokollerklĂ€rung zu dem Kompromiss ab. Warken sagte, es gehe jetzt um eine kurzfristige SparmaĂnahme, um eine ermittelte LĂŒcke von zwei Milliarden Euro zu schlieĂen. Dies soll den Druck fĂŒr Beitragserhöhungen zum 1. Januar 2026 vermindern. Der Kompromiss sei aber kein PrĂ€judiz fĂŒr MaĂnahmen zur weiteren Stabilisierung der BeitrĂ€ge, machte die Ministerin deutlich. FĂŒr 2027 sei ein Paket mit SparbeitrĂ€gen "aller Bereiche" geplant.
Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte im Bundestag, Janosch Dahmen, kritisierte, Warkens vermeintliches Sparpaket sei am Ende vor allem ein politischer Totalschaden. "Statt echter Einsparungen wird hier ein komplizierter Verschiebebahnhof organisiert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Kliniken gĂ€ben den Kassen faktisch eine Art Kredit fĂŒr 2026, den sie ab 2027 inklusive Zins und Zinseszins zurĂŒckerhalten. "Das ist keine Konsolidierung, sondern Buchhaltungstrickserei mit noch gröĂeren Finanzlöchern der Kassen ab 2027."
Dahmen warnte, fĂŒr die Beitragszahler bedeute das trotz aller Versprechen von Warken steigende BeitrĂ€ge - und fĂŒr die Kliniken monatelange finanzielle Unsicherheit. "Gerade kleinere HĂ€user in strukturschwachen Regionen haben in dieser Zeit teilweise ihre Kreditlinien von ihren Hausbanken gekĂŒndigt bekommen oder nur noch zu schlechteren Konditionen erhalten."
Höhere BeitrÀge schon absehbar?
Die Krankenkassen mĂŒssen in diesen Tagen ihre ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr 2026 festlegen, die sie je nach ihrer Finanzlage ermitteln. Im Schnitt liegt das Niveau derzeit bei 2,9 Prozent. Der gesamte Beitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, umfasst daneben den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent.
Kassenvertreter warnen, dass auch mit dem Sparpaket Anhebungen 2026 absehbar seien, da viele Kassen Reserven auf Mindestwerte auffĂŒllen mĂŒssen. Bei Anhebungen des Zusatzbeitrags gibt es ein SonderkĂŒndigungsrecht fĂŒr Mitglieder. Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle krĂ€ftiger Erhöhungen gegeben.

