Produktion/Absatz, Zusammenfassung

ROUNDUP Von China nach Europa in 25 Tagen - neue Expresslinie

24.01.2025 - 15:15:03

Eine direkte Containerschiffslinie soll den Warentransport auf dem Seeweg zwischen China und Deutschland beschleunigen und den JadeWeserPort in Wilhelmshaven wachsen lassen.

Ein erster Frachter dieser neuen Expresslinie der chinesischen Reederei Kawa Shipping erreichte den JadeWeserPort am Donnerstagabend 25 Tage nach seinem Start im Hafen Ningbo - noch einen Tag frĂŒher als geplant, wie die Marketinggesellschaft des Hafens mitteilte. Üblicherweise brauchen Frachter auf diesem Seeweg mit Zwischenstopps zwischen 30 und 40 Tage.

Diese neue Direktverbindung, genannt China-Europe-Express (CEX), sei ein Alleinstellungsmerkmal fĂŒr den JadeWeserPort, sagte Marc-Oliver Hauswald, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Marketinggesellschaft, vor rund 250 GĂ€sten bei einer Veranstaltung anlĂ€sslich des Erstanlaufs am Freitag.

Hafengesellschaft: Kurze Transferzeit bietet Chance

Wilhelmshaven sei der einzige nordeuropĂ€ische Containerhafen, der so eine Direktverbindung anbiete, sagte Hauswald. "Diese kurze Transferzeit, eröffnet dem JadeWeserPort die Chance, weitere logistische Netzwerke zu etablieren." Dazu zĂ€hlten neue Bahnverbindungen etwa nach Budapest oder der Umschlag von Containern in Wilhelmshaven fĂŒr den Weitertransport in andere HĂ€fen.

An Bord hatte der erste Frachter, die "Kawa Ningbo", nach Angaben des Terminalbetreibers Eurogate rund 1.700 Standardcontainer. Erste Container seien noch am Abend entladen worden, sagte Michael Blach, Vorsitzender der Eurogate-GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Die Ladungen versorgten die Batterieindustrie. Blach sagte, er sei zuversichtlich, dass sich die Line zu einem regelmĂ€ĂŸigen Dienst entwickele. "Das macht keiner anderer. Der Anlauf der "Kawa Ningbo" steht fĂŒr ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Asien-Europa-Verkehr."

Reederei plant zunÀchst monatliche Fahrten

Die Reederei Kawa Shipping will mit dem neuen Linienverkehr MĂ€rkte erschließen. "Mit dem CEX-Dienst erweitern wir unsere GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten in Europa und bieten Verladern in der Anfangsphase zunĂ€chst eine monatliche Abfahrt zwischen Ningbo und Wilhelmshaven an", sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Reederei, Maud Lau, in einer Mitteilung. ZunĂ€chst sollen Containerschiffe der GrĂ¶ĂŸenklasse von 2.500 Standardcontainern (TEU) eingesetzt werden.

Damit zĂ€hlten diese Schiffe, wie die 200 Meter lange "Kawa Ningbo", zu vergleichsweise kleineren Containerfrachtern. Zum Vergleich: Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven kann auch von den derzeit grĂ¶ĂŸten Containerschiffen mit KapazitĂ€ten von rund 24.000 Standardcontainern unabhĂ€ngig von Ebbe und Flut angelaufen werden.

Neue Linie als Konkurrenz zu bestehenden Verbindungen?

Das GeschÀftsmodell sei es, gezielt eher kleinere Schiffe einzusetzen, erklÀrte Hauswald. So solle der Warentransport zwischen Europa und China möglichst schnell organisiert werden. "Schneller ist hier meines Erachtens nur das Flugzeug, was aber aus ökonomischer und ökologischer Sicht nicht ansatzweise mit diesem Dienst vergleichbar ist."

Deshalb sei die neue Linie auch als ErgĂ€nzung und nicht als Konkurrenz zu bestehenden Liniendiensten etwa der Reedereien Maersk oder Hapag-Lloyd DE000HLAG475 zu verstehen, die mit deutlich grĂ¶ĂŸeren Lademengen, aber eben auch mit Zwischenstopps Wilhelmshaven ansteuerten, sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer.

Von der Reederei heißt es, die Transportmengen sollen schon bald auf niedrigem Niveau auf bis zu 5.000 Standardcontainer wachsen. Der Anlauf der "Kawa Ningbo" ist zunĂ€chst ein Probeanlauf, der dazu dienen soll, Transportzeiten und die Logistik zu verbessern. Ein kontinuierlicher Fahrplan mit Abfahrten alle 14 Tage soll im Laufe dieses Jahres aufgenommen werden.

Hafengesellschaft von Ningbo beteiligt

Hinter der neuen Verbindung steht neben der Reederei auch die Hafengesellschaft Ningbo Zhoushan Port Group, die den Hafen in Ningbo betreibt, eine der grĂ¶ĂŸten der Welt. Ningbo liegt an der OstkĂŒste Chinas, etwa 150 Kilometer sĂŒdlich der Metropole Shanghai. Der JadeWeserPort unterhĂ€lt nach eigenen Angaben bereits seit einigen Jahren eine Partnerschaft.

Mit einer Tochterfirma, der Zhejiang Seaport Logistics Group, hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr auf einer rund 33.000 Quadratmeter großen FlĂ€che innerhalb des Logistikparks im JadeWeserPort angesiedelt. Die chinesische Hafengesellschaft sieht den JadeWeserPort als Logistikdrehscheibe fĂŒr den europĂ€ischen Hinterlandtransport.

Neben der Verbindung ĂŒber den Seeweg ist daher zusĂ€tzlich eine kontinuierliche Hinterlandanbindung geplant, und zwar per Bahn in rund 27 Stunden von Wilhelmshaven nach Budapest - eine Region, die bislang laut JadeWeserPort nicht direkt von Wilhelmshaven aus erreichbar war. FĂŒr diese Bahnverbindung soll es demnach bereits eine gute Nachfrage geben.

Niedersachsen hofft auf Umschlagwachstum

Das Land Niedersachsen sieht in der neuen Direktlinie ein Signal fĂŒr das Wachstum des JadeWeserPorts. "Denn ich glaube, wir werden eine gute Auslastung dieses Angebots erreichen", sagte der StaatssekretĂ€r im Wirtschaftsministerium, Frank Doods. Lieferketten stĂŒnden besonders im Fokus von Effizienz und Geschwindigkeit. "Da ist VerlĂ€sslichkeit und partnerschaftliches Miteinander ein hohes Gut und die Zeit ein entscheidender Faktor." Wilhelmshaven nehme dabei nun eine zentrale Rolle ein. "Das ist wirklich ein großer Gewinn fĂŒr uns und ich bin ĂŒberzeugt fĂŒr beide Seiten."

Ausgelastet ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen auch rund zwölf Jahre nach seinem Start nicht. Innerhalb von fĂŒnf Jahren, so das ehrgeizige Ziel damals, sollte die KapazitĂ€t komplett ausgelastet sein und jĂ€hrlich sollten 2,7 Millionen Standardcontainer umgeschlagen werden. Zuletzt war der Hafen davon weit entfernt. 2023 wurden 531.637 Standardcontainer umgeschlagen.

@ dpa.de | DE000HLAG475 PRODUKTION/ABSATZ