Ringen um Sicherheitsgarantien fĂŒr Ukraine geht weiter
05.09.2025 - 06:35:03"Ihre FĂ€higkeiten - Finanzierung, Waffen, Produktion - sichern wir jetzt und sollten das auch in einem Jahr, in fĂŒnf Jahren, in zehn Jahren tun", schrieb er nach Beratungen mit westlichen UnterstĂŒtzern der Ukraine auf der Plattform X.
Zuvor hatte die sogenannte Koalition der Willigen aus mehr als 30 Staaten ĂŒber Formen der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine gesprochen, um das Land nach einem möglichen Waffenstillstand oder Friedensschluss mit Russland vor einer neuen Aggression des Nachbarn zu schĂŒtzen. Zu den Beratungen in Paris waren manche Teilnehmer wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) per Video zugeschaltet. AnschlieĂend gab es ein Gruppen-Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump.
Fraglich ist, wie ein Ende des seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs erreicht werden kann. Kremlchef Wladimir Putin, der den völkerrechtswidrigen Ăberfall auf das Nachbarland befohlen hatte, lĂ€sst bisher keine Bereitschaft erkennen, sich auf substanzielle ZugestĂ€ndnisse einzulassen.
Selenskyj schrieb auf X, der SchlĂŒssel zum Frieden liege darin, Russlands Kriegsmaschinerie Geld und Ressourcen zu entziehen. AuĂerdem habe die Ukraine den USA einen neuen Vorschlag zum Schutz des ukrainischen Luftraums zur PrĂŒfung vorgelegt. Details dazu nannte er nicht.
Trump hĂ€lt EuropĂ€ern ĂlgeschĂ€fte vor
Medienberichten zufolge soll Trump den EuropĂ€ern in dem gemeinsamen Telefonat vorgehalten haben, trotz ihres Widerstands gegen Russland weiterhin Ăl von dort zu beziehen und damit Putins KriegsfĂŒhrung zu finanzieren. Er habe gefordert, die ĂlgeschĂ€fte zu beenden und auch mehr Druck auf China zu machen, berichteten das US-Nachrichtenportal "Axios" und der TV-Sender CNN unter Berufung auf Quellen im WeiĂen Haus. Die "Bild" sprach von einem "hitzigen Telefon-GesprĂ€ch" mit den EuropĂ€ern.
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron sagte in einer Pressekonferenz nach den Beratungen in Paris, dass Trump und die US-Regierung völlig zurecht darĂŒber empört seien, dass zwei EU-Mitgliedstaaten weiterhin russisches Ăl kauften. Dabei geht es um Ungarn und die Slowakei, die auch bei Sanktionen gegen Russland auf der Bremse stehen. Macron sagte, es sei gut, dass die USA und Europa ihre Sanktionen gegen Russland kĂŒnftig noch enger koordinieren wollten, auch um diesen Praktiken ein Ende zu setzen.
Nach EU-Angaben sind die ĂlgeschĂ€fte europĂ€ischer Staaten mit Russland in den vergangenen Jahren stark zurĂŒckgegangen. Komplett zum Erliegen gekommen sind sie aber nicht. Die russische Erdölpipeline Druschba transportiert weiterhin Ăl in Richtung Ungarn und Slowakei.
Selenskyj strebt EU-Beitritt der Ukraine an
Im Rahmen der Diskussion ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land drang Selenskyj auf einen EU-Beitritt der Ukraine. "Unter den Sicherheitsgarantien, die wir sehen, ist eine Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union eine zwingende ökonomische, politische und geopolitische Sicherheitsgarantie", sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Macron. In den EU-VertrĂ€gen ist auch eine militĂ€rische Beistandsklausel enthalten.
Selenskyj fordert seit langem ein direktes Treffen mit Putin und wirft Moskau Verzögerungstaktik vor, um den Krieg fortzufĂŒhren. "Wenn du willst, dass kein Treffen stattfindet, dann lĂ€dst du mich nach Moskau ein", sagte Selenskyj an die Adresse des Kremlchefs gerichtet. Aber es sei zumindest "nicht schlecht", dass Russland ĂŒberhaupt ĂŒber ein mögliches Treffen spreche.
Putin hatte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz gesagt, Selenskyj könne nach Moskau kommen, wenn es die Aussicht auf ein gutes Ergebnis gebe. Der Ukrainer wiederum sagte, von diesem Vorschlag habe er von den "amerikanischen Partnern" erfahren.
26 Staaten wollen Truppen bereitstellen
Macron und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen teilten mit, dass 26 westliche LĂ€nder bereit seien, Truppen zur Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens zwischen Russland und der Ukraine zu entsenden. Die LĂ€nder hĂ€tten sich bereiterklĂ€rt, Bodentruppen, KrĂ€fte in der Luft oder auf See dafĂŒr einzusetzen, sagte von der Leyen. Sie fĂŒhrte aber nicht aus, welche LĂ€nder sich konkret auf welche Weise und mit wie vielen Soldaten beteiligen wollen.
Deutschland will sich noch nicht auf eine Beteiligung festlegen, wie Kanzler Merz zu verstehen gab. ZunĂ€chst mĂŒssten Finanzierung, Bewaffnung und Ausbildung der ukrainischen StreitkrĂ€fte im Mittelpunkt stehen, sagte er nach Angaben seines Regierungssprechers.
Eine TruppenprĂ€senz europĂ€ischer Nato-Staaten in der Ukraine wĂ€re nach Angaben aus MilitĂ€rkreisen vor allem als groĂangelegter Ausbildungseinsatz denkbar. Demnach geht es nicht um eine Friedenstruppe im klassischen Sinn.
Die Hauptlast eines Einsatzes wĂŒrden die europĂ€ischen Nato-Mitglieder tragen. Dabei hatten die EuropĂ€er immer wieder deutlich gemacht, dass es nicht ohne eine RĂŒckversicherung durch die USA gehen wird. Konkrete Zusagen aus Washington gab es nicht.
Moskau bleibt bei alten Forderungen
Russland sei bereit, weiter Krieg zu fĂŒhren, sollte es nicht zu einer fĂŒr Moskau akzeptablen Einigung kommen, sagte Putin am Mittwoch. Das russische AuĂenministerium lehnte die westlichen Ăberlegungen fĂŒr Sicherheitsgarantien einschlieĂlich der Entsendung von Truppen aus Nato-Staaten in die Ukraine ab. "Russland wird nicht ĂŒber eine zutiefst unannehmbare und jede Sicherheit untergrabende auslĂ€ndische Intervention in der Ukraine diskutieren", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa.
KĂ€mpfe gehen weiter
Unterdessen gehen die KĂ€mpfe in der Ukraine weiter. Auch in der Nacht wurde in vielen Landesregionen wieder Luftalarm ausgelöst. An russischen FlughĂ€fen in Kaluga, Wolgograd und Tambow kam es nach Angaben der Luftfahrtbehörde Rosawiazija am Abend und in der Nacht ebenfalls zu vorĂŒbergehenden EinschrĂ€nkungen.

