Hohe Kunden-LagerbestÀnde belasten Siltronic trotz KI-Boom immer noch
29.04.2026 - 11:10:15 | dpa.deEinem verstĂ€rkten Wachstum in den KI-getriebenen EndmĂ€rkten stĂŒnden KapazitĂ€tsengpĂ€sse der Kunden im Bereich Speicherchips sowie anhaltend hohe LagerbestĂ€nde auf der Kundenseiten in einigen Marktbereichen gegenĂŒber, erklĂ€rte Unternehmenschef Michael Heckmeier am Mittwoch im Zuge der Veröffentlichung der GeschĂ€ftszahlen des ersten Quartals. FĂŒr die vor allem seit Anfang April dank guter GeschĂ€ftsausblicke von Chipherstellern stark erholten Aktien ging es am Mittwoch nach einem schwachen Start doch noch nach oben.
Die Papiere sackten im frĂŒhen Handel zunĂ€chst bis auf gut 64 Euro ein, erholten sich dann aber und notierten am spĂ€teren Vormittag mit 71,20 Euro gut eineinhalb Prozent im Plus. 2026 liegen sie damit mehr als 45 Prozent vorne.
Der Umsatz von Siltronic sank in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um gut 11 Prozent auf 306,5 Millionen Euro, wovon 21,2 Prozent als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hĂ€ngen blieben. Das bedeutet fĂŒr den Hersteller von Silizium-Wafern, aus denen die Kunden dann Computer- und Elektronikchips herstellen, einen RĂŒckgang des operativen Gewinns um knapp 17 Prozent auf rund 65 Millionen Euro.
Analysten hatten im Durchschnitt etwas mehr Umsatz und Gewinn erwartet. Das sieht auch Branchenexperte Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies so, verweist aber auch auf die aktuell deutlichen AusschlĂ€ge bei den Abschreibungen, sodass er die Resultate als wenig ĂŒberraschend und eher im Rahmen der Erwartungen betrachtet. Gleichwohl habe Siltronic auch von einem positiven Sondereffekt profitiert.
So kamen Siltronic laut einer PrĂ€sentation fĂŒr Investoren beim operativen Ergebnis AbsicherungsgeschĂ€fte gegen Ălpreisschwankungen zugute, die Ausgaben weitgehend ausglichen, die typischerweise nur im ersten Quartal anfallen.
Unter dem Strich sorgten vor allem höhere Abschreibungen fĂŒr einen Verlust von knapp 67 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr noch ein Ăberschuss von 4,3 Millionen Euro erzielt worden war.
Die Jahresziele bestĂ€tigte die Beteiligung von Wacker Chemie DE000WCH8881 und verwies dabei auf ein wohl weiterhin schwieriges Marktumfeld. "Wechselkurseffekte, anhaltender Preisdruck auĂerhalb bestehender LangfristvertrĂ€ge sowie weiterhin hohe LagerbestĂ€nde bei Kunden aus dem Power-Bereich werden sich negativ auf die GeschĂ€ftsentwicklung auswirken." Zudem wird sich die 2025 schrittweise Einstellung der Produktionslinie fĂŒr kleine Wafer am deutschen Standort Burghausen nun erstmals in einem vollen Jahr niederschlagen.
Dabei stehen einem erwartet sehr starken Wachstum der von Kunden benötigen Wafer-FlĂ€che fĂŒr die Produktion von Servern sowie einem wohl anziehenden Bedarf in der Industrie weniger benötigte Wafer-FlĂ€che fĂŒr Smartphone- und PC-Anwendungen sowie die teils noch hohen Wafer-LagerbestĂ€nde bei vielen Kunden gegenĂŒber.
Der Konzernumsatz dĂŒrfte daher 2026 im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken nach knapp 1,35 Milliarden Euro im Vorjahr. Auf vergleichbarer Basis, also um Wechselkurseffekte und den Effekt der SchlieĂung der Wafer-Fertigung kleiner Durchmesser bereinigt, soll der Umsatz im Jahr 2026 in etwa auf dem Vorjahresniveau liegen. Die operative Marge soll 20 bis 24 Prozent erreichen, nach 2025 erreichten 23,5 Prozent.
Analyst Veysel Taze vom Bankhaus Metzler bleibt insgesamt zuversichtlich fĂŒr Siltronic, wenngleich das GeschĂ€ftsumfeld fĂŒr das Unternehmen zunĂ€chst auf Basis der ManagementĂ€uĂerungen wohl schwierig bleibe. So stehe der Wafer-Markt vor einer mehrjĂ€hrigen Erholung mit einer Wachstumsbeschleunigung im zweiten Halbjahr 2026, glaubt Taze weiterhin.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
