Eli Lilly und Boehringer streichen Investitionen
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 19:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Stellungnahmen von Schnieder, Ebling und Schweitzer)
ALZEY/INGELHEIM (dpa-AFX) - FĂŒr den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz sind es gleich zwei negative Nachrichten an einem Tag: Der US-Pharmakonzern Eli Lilly US5324571083 fĂ€hrt seine geplante milliardenschwere Investitionen in einen neuen Produktionsstandort in Alzey deutlich zurĂŒck und der im Land sitzende Mitbewerber Boehringer Ingelheim will einen hohen dreistelligen Millionenbetrag nicht mehr in deutsche Standorte flieĂen lassen.
Das eine Unternehmen begrĂŒndet den Schritt explizit mit den SparplĂ€nen der Bundesregierung im Gesundheitswesen, das andere verweist unter anderem darauf. Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder (CDU) betonte, die Entscheidungen der Firmen ernst zu nehmen. Die Landesregierung habe umgehend Kontakt aufgenommen und werde im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin vermittelnd Einfluss nehmen.
Chef von Eli Lilly spricht von "schrecklichem Signal"
Der Chef von Eli Lilly, Dave Ricks, nannte die geplante Gesundheitsreform im "Handelsblatt" ein "schreckliches Signal". "Deutschland wird bei der UnterstĂŒtzung unserer Industrie auf den letzten Platz der europĂ€ischen MĂ€rkte fallen."
Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden US-Dollar in die neue ProduktionsstĂ€tte in Alzey stecken. Vor dem Hintergrund des gesundheitspolitischen Kurses in Deutschland sei nun geplant, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenĂŒber der ursprĂŒnglichen Planung zu reduzieren, hieĂ es.
Rohbau in Alzey fast fertig
In Alzey ist der Rohbau der ProduktionsstÀtte den Angaben zufolge fast abgeschlossen. Der Innenausbau sei fortgeschritten, 300 Mitarbeitenden seien dort bereits eingestellt. Bislang sahen die PlÀne vor, dort bis zu 1.000 FachkrÀfte einzustellen.
Nun teilte Eli Lilly mit, es solle zunĂ€chst nur der "Mindestumfang des Hightech-Produktionsstandortes in Alzey" fertiggestellt werden. Die Inbetriebnahme mit reduzierter KapazitĂ€t sei weiter fĂŒr 2027 geplant.
Boehringer-Deutschlandchef: Mit USA und Asien Schritt halten
Boehringer Ingelheim stoppt nach eigenen Angaben in Deutschland geplante Ausgaben fĂŒr die Jahre 2027 bis 2030 mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro. Auch darĂŒber hatte zuvor das "Handelsblatt" berichtet.
Als GrĂŒnde fĂŒr den Schritt nennt Boehringer Ingelheim die schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland, auch die SparplĂ€ne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben. Die sehen unter anderem höhere Rabatte vor, die Arzneikonzerne Krankenkassen kĂŒnftig gewĂ€hren mĂŒssen.
Verwiesen wird von Boehringer zudem auf die gröĂere Dynamik in anderen MĂ€rkten. Die Rede ist auch ein gewachsener Druck aus den USA. Boehringer Ingelheim hatte wie andere Pharmaunternehmen eine Art Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um von Pharmazöllen befreit zu werden. Eine Bedingung dafĂŒr ist, in Produktion und Forschung in Amerika zu investieren.
"Die nĂ€chste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland", sagte Boehringer-Deutschlandchef MĂ©dard Schoenmaeckers dem "Handelsblatt". "Wir mĂŒssen Schritt halten mit der Entwicklung in den USA und Asien." Die in Deutschland gestoppten Investitionen waren vor allem fĂŒr den Ausbau der Infrastruktur an hiesigen Standorten vorgesehen, unter anderem fĂŒr neue LaborgebĂ€ude.
Ebling: Entscheidungen mĂŒssen Weckruf sein
MinisterprĂ€sident Schnieder sagte, Ziel der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung mĂŒsse sein, den Sozialstaat zukunftsfest aufzustellen und zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stĂ€rken. "Die Pharmaindustrie ist fĂŒr Rheinland-Pfalz ein zentraler Innovationsmotor und ein bedeutender Arbeitgeber." Das gelte ganz besonders fĂŒr Eli Lilly und Boehringer Ingelheim.
Eine starke Wirtschaft sei Voraussetzung fĂŒr sozialen Zusammenhalt und fĂŒr ein gutes Leben. Daher sei Wirtschaftspolitik keine Frage fĂŒr wenige Unternehmen, sondern fĂŒr alle Menschen im Land, betonte Schneider.
Wirtschaftsminister Michael Ebling von der SPD sagte, die AnkĂŒndigungen der beiden Unternehmen mĂŒssten ein Weckruf fĂŒr die Bundesregierung sein. Gesundheits- und Wirtschaftspolitik dĂŒrften nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern mĂŒssten zusammen gedacht werden. "Der aktuelle GKV-Gesetzesentwurf der Bundesregierung wird diesem Anspruch nicht gerecht." Er gebe forschenden Arzneimittelherstellern nicht die nötige Planungssicherheit.
Schweitzer spricht von Alarmsignal
Ăhnlich Ă€uĂerte sich Ex-Regierungschef Alexander Schweitzer, der inzwischen SPD-Fraktionschef ist. Er sprach von einem "Alarmsignal", das in Berlin gehört werden mĂŒsse. "Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind ArbeitsplĂ€tze und Zukunftsperspektiven fĂŒr Menschen in unserer Region."
Rheinland-Pfalz hatte vor Kurzem schon schlechte Nachrichten von dem in Mainz beheimateten Impfstoffhersteller Biontech US09075V1026 verkraften mĂŒssen, die allerdings nichts mit den SparplĂ€nen aus Berlin zu tun hatten. Biontech gab bekannt, mehrere Produktionsstandorte zu schlieĂen, darunter den in Idar-Oberstein.
