SchĂŒsse, Nationalgardisten

SchĂŒsse auf Nationalgardisten: Warum Trump auf HĂ€rte setzt

28.11.2025 - 13:45:10

Es ist kurz vor Mitternacht in Washington, als US-PrÀsident Donald Trump noch einmal schreibt.

Stunden zuvor hat er den Tod einer in der US-Hauptstadt angeschossenen Nationalgardistin bekanntgegeben. Trump setzt in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) drei lange, wĂŒtende Posts auf seiner Plattform Truth Social ab. "Ein fröhliches Thanksgiving", wĂŒnscht er in bissigem Tonfall denjenigen, die seiner Auffassung nach zugelassen haben, "dass unser Land gespalten, zerstört, zerstĂŒckelt, ermordet, geschlagen, ĂŒberfallen und ausgelacht wird".

Am Mittwoch waren zwei Nationalgardisten nur wenige HĂ€userblöcke vom Weißen Haus entfernt angeschossen worden. Die 20 Jahre alte Frau erlag ihren schweren Verletzungen, der 24-jĂ€hrige Mann kĂ€mpft laut Trump noch ums Überleben. Der mutmaßliche TĂ€ter: ein 2021 in die USA eingereister Afghane. Trump kĂŒndigt in seinen Posts einen weitreichenden Aufnahmestopp der USA an. Er will nun Entschlossenheit und HĂ€rte demonstrieren. Doch das schnelle DrĂ€ngen auf Vergeltung birgt fĂŒr den PrĂ€sidenten auch Risiken.

Was Trump in die HĂ€nde spielt

* Der Wunsch nach StÀrke und mehr Einheit im eigenen Lager: Den Angriff eines aus Afghanistan stammenden VerdÀchtigen nutzt Trump, um seine Regierung als stark zu zeigen. Die Botschaft lautet: Diese Regierung greift durch. Damit bedient er vor allem Erwartungen aus dem eigenen Lager - die der Bewegung "Make America Great Again" (Maga) und seiner republikanischen Partei. Zuletzt schien die Einigkeit im Maga-Lager zu bröckeln, es gab sogar öffentlich lautstarke Kritik an Trump.

Dabei ging es um ein unbeliebtes Thema fĂŒr den PrĂ€sidenten: die Veröffentlichung der Ermittlungsakten zum gestorbenen SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein, der einen Missbrauchsring betrieb. Trump schwankte lange bei der Frage der Veröffentlichung. Der politische Druck auf ihn wuchs enorm. Der US-PrĂ€sident könnte nun das Momentum nach den SchĂŒssen in Washington nutzen, um im eigenen Lager Geschlossenheit zu beschwören und von anderen unangenehmen Themen abzulenken.

* Möglicher neuer Zuspruch fĂŒr geschlossene Grenzen: Trumps Kernprojekte sind eine verschĂ€rfte Abschiebepolitik auch mit umstrittenen Razzien, eine restriktivere Einwanderungspolitik und der immer weiter betriebene Ausbau des MilitĂ€rs. Seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit ist die Zahl der Festnahmen nach illegalen Übertritten an der geschlossenen SĂŒdgrenze der USA deutlich zurĂŒckgegangen. Die Zahl der Inhaftierten in Abschiebe-GefĂ€ngnissen stieg auf ein neues Allzeithoch.

Es gibt aber starke Kritik am Vorgehen der Migrationsbehörde ICE bei Festnahmen und daran, dass gegen viele Festgenommene keine genauen VorwĂŒrfe vorliegen. Den Angriff auf Nationalgardisten nutzt Trump jetzt, um der demokratischen VorgĂ€ngerregierung von Joe Biden eine verfehlte Migrationspolitik vorzuwerfen. In seinen nĂ€chtlichen Posts auf Truth Social verschĂ€rft er einmal mehr seine Rhetorik in der Migrationspolitik. Obwohl er keine Details zu seinem angekĂŒndigten Aufnahmestopp nennt und unklar ist, wie und wann er diesen durchsetzen will, dĂŒrfte ihm das Thema nutzen: Seine Migrationspolitik ist fĂŒr ihn bisher ein Gewinnerthema in Umfragen.

* Eindruck hoher KriminalitĂ€t in StĂ€dten: Den von Trump angeforderten Einsatz von Nationalgardisten in US-StĂ€dten begrĂŒndet er damit, angeblich ausufernde KriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen. Washington bezeichnete er als "Rattenloch". Kriminalstatistiken widersprachen Trump. Mit dem Einsatz der Nationalgarde testete er auch seine Machtbefugnisse und setzte sich zum Teil ĂŒber den ausdrĂŒcklichen Willen der StĂ€dte oder Bundesstaaten hinweg. Gerichte beschĂ€ftigen sich inzwischen damit. Trump hĂ€lt an den EinsĂ€tzen fest: Nur kurz nach den SchĂŒssen in der US-Hauptstadt legte er nach und beorderte 500 weitere Nationalgardisten nach Washington. Seine Botschaft: Wir weichen nicht.

Das sind die Gefahren fĂŒr Trump

* Fehlender RĂŒckhalt fĂŒr Nationalgarde-EinsĂ€tze: Es ist unklar, wie sich die Attacke auf die Nationalgardisten auf die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung fĂŒr eine PrĂ€senz der Soldaten in den StĂ€dten auswirkt. Demokraten werfen Trump vor, Geld dafĂŒr hinauszuwerfen, dass die Soldaten eher durch reine PrĂ€senz als durch konkretes Handeln ein GefĂŒhl vermeintlicher Sicherheit vermitteln. Die Soldaten werden in Washington hĂ€ufig an touristischen Hotspots rund um DenkmĂ€ler und Museen positioniert. Nach dem Angriff könnte der Druck auf Trump steigen, diese EinsĂ€tze zu rechtfertigen oder zurĂŒckzufahren.

* Kritik an martialischer Rhetorik: Trump hĂ€tte an einem der wichtigsten Feiertage in den USA - dem Erntedankfest Thanksgiving - einen anderen Ton wĂ€hlen können. Die Amerikaner sind an dem Tag bei ihren Familien, es geht um Frieden und Zusammenhalt. Trump hĂ€tte seine Worte an die ohnehin tief gespaltene Nation fĂŒr einen Appell an Einigkeit und Versöhnung nutzen können. Mit den nun angekĂŒndigten harten Konsequenzen geht Trump das Risiko ein, die Spaltung zu vergrĂ¶ĂŸern.

@ dpa.de