Ergebnisse, Produktion/Absatz

RWE bestÀtigt Prognose nach schwachem Halbjahr - Anleger enttÀuscht

14.08.2025 - 12:48:57

ESSEN - Ein geringeres Windaufkommen und ein schwaches GeschÀft im Energiehandel haben den Energiekonzern RWE im ersten Halbjahr belastet.

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Analystenstimme, Kurs)

ESSEN (dpa-AFX) - Ein geringeres Windaufkommen und ein schwaches GeschĂ€ft im Energiehandel haben den Energiekonzern RWE im ersten Halbjahr belastet. Hinzu kam eine Normalisierung beim Terminverkauf von Strom nach den Preiskapriolen der Vergangenheit. Alles in allem fielen die Ergebniseinbußen deutlicher aus als von Analysten erwartet. RWE-Chef Markus Krebber sieht den Konzern aber auf Kurs: "Wir haben die HĂ€lfte unseres Jahresziels fĂŒr das bereinigte Nettoergebnis je Aktie erreicht", sagte er laut Mitteilung am Donnerstag in Essen und bestĂ€tigte die Prognose. Anleger waren enttĂ€uscht.

Die Aktie des Dax DE0008469008-Konzerns sackte gegen Mittag um 3,7 Prozent ab auf den tiefsten Stand seit rund zwei Monaten. Der AbwÀrtstrend der vergangenen Tage setzte sich damit fort und das Kursplus seit Jahresbeginn reduzierte sich auf rund 18 Prozent.

Bernstein-Analystin Deepa Venkateswaran sprach in Reaktion auf das Zahlenwerk von einem "breit angelegten Fehlschlag". Die Halbjahresergebnisse unterstrichen abseits der SchwÀche mit Wind- und Solarenergie an Land, insbesondere die schwierigen Bedingungen in GeschÀftsbereichen, wie den Energiehandel und die Flexible Erzeugung. Letztere umfasst bei RWE etwa die Stromerzeugung mit Laufwasser-, Pumpspeicher-, Biomasse- und Gaskraftwerken.

Im ersten Halbjahr sank das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von RWE im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ĂŒber ein Viertel auf gut 2,1 Milliarden Euro und damit etwas stĂ€rker als vom Unternehmen befragte Analysten erwartet hatten. Der von Krebber erwĂ€hnte bereinigte Nettogewinn lag bei 1,06 Euro je Aktie und soll im Gesamtjahr bei 1,80 bis 2,50 Euro erreichen.

Die UmstĂ€nde fĂŒr die GeschĂ€fte von RWE waren in der ersten JahreshĂ€lfte uneinheitlich: So war das Windaufkommen in Europa außergewöhnlich gering, in den USA dagegen leicht ĂŒberdurchschnittlich verglichen mit dem langjĂ€hrigen Mittel und Vorjahr.

Ebenso war der Stromverbrauch in Deutschland leicht rĂŒcklĂ€ufig, wĂ€hrend er in den USA stieg. Einer der GrĂŒnde waren laut RWE die sich unterschiedlich entwickelnde Wirtschaft, aber auch der Bau neuer energieintensiver Rechenzentren in den Vereinigten Staaten.

Nicht zuletzt ist der Erdgaspreis stark gestiegen, was fĂŒr RWE in schwĂ€cheren Margen im Terminverkauf des Stroms resultierte. Hintergrund ist vor allem eine hohe Energienachfrage: ZunĂ€chst seitens der Verbraucher zum Heizen in den relativ kalten vergangenen Wintermonaten. Und zuletzt, erklĂ€rte RWE, weil die Speicher wieder befĂŒllt werden mĂŒssen und seit Anfang 2025 kein russisches Gas mehr ĂŒber die Ukraine geliefert wird. So blieben die Preise auch im zweiten Quartal hoch.

Gleichzeitig stecken die Essener viel Geld in den Ausbau ihres Portfolios, insbesondere der erneuerbaren Energien: Von Januar bis Ende Juni investierte RWE 2,5 Milliarden Euro netto. Nach Aussagen von Finanzchef Michael MĂŒller in einer Telefonkonferenz flossen davon 1,4 Milliarden Euro in die USA. Im Gesamtjahr sollen es dort "etwas unter 3 Milliarden Euro" werden.

In Folge der getĂ€tigten Investitionen stieg die Nettoverschuldung des Konzerns per Ende Juni im Vergleich zu Ende 2024 um ĂŒber 4 Milliarden auf 15,5 Milliarden Euro. MĂŒller geht aber weiterhin davon aus, dass die Verschuldung im VerhĂ€ltnis zum operativen Gewinn im Gesamtjahr die selbstgesteckte Obergrenze von drei nicht ĂŒberschreiten wird. Dies entspricht auch den Erwartungen der Analysten.

Bis Ende des Jahrzehnts will RWE rund 35 Milliarden Euro netto in die Hand nehmen. Das ist ein Viertel weniger als noch geplant war, bevor sich die Rahmenbedingungen durch den Wahlsieg und Vorhaben von Donald Trump eintrĂŒbten.

Mittlerweile hat der US-PrĂ€sident zwar etwas mehr Klarheit geschaffen, etwa wie lange noch Steuervorteile fĂŒr neue Solar- und Windkraftprojekte gewĂ€hrt werden. Allerdings gibt es Unsicherheit im Hinblick darauf, wann Projekte den sogenannten "Safe-Harbor-Status" erreicht haben, der ihnen die steuerliche Förderung garantiert.

Auch weitere Zölle könnten laut RWE Projekte ungeplant verteuern. Um diese Risiken zu reduzieren, bezieht der Konzern mittlerweile verstĂ€rkt Angebote von Herstellern, die in den USA ansĂ€ssig sind. Das Zollrisiko fĂŒr die bestehenden Anlagen und Projekte sei "mitigiert", sagte Konzernchef Krebber.

Analyst Ahmed Farman von Jefferies merkte positiv an, dass die Jahresprognosen bestÀtigt worden seien. Diese EinschÀtzung teilen auch JPMorgan-Analyst Javier Garrido sowie Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. "Das Zahlenwerk ist zwar unbefriedigend, deutet aber nicht auf strukturelle Probleme hin", schrieb Hoymann und verwies obendrein auf die ebenfalls bestÀtigten mittelfristigen Ziele.

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