Eon steigert operativen Gewinn und Investitionen - Ziele bestÀtigt
14.05.2025 - 13:54:46(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Kurs)
ESSEN (dpa-AFX) - Höhere Investitionen und kĂ€lteres Wetter haben dem Energieversorger Eon DE000ENAG999 zu einem Ergebnissprung im ersten Quartal verholfen. Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) stieg zum Jahresstart im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf gut 3,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Essen mitteilte. "Wir haben eine gute Basis fĂŒr ein erfolgreiches GeschĂ€ftsjahr 2025 gelegt", sagte Finanzchefin Nadia Jakobi laut Mitteilung. Die Jahresprognose bestĂ€tigte sie ebenso wie die Ziele fĂŒr 2028. Die Aktie stand an der Dax DE0008469008-Spitze.
In der vergangenen Woche war das Papier bei knapp 15,79 Euro auf ein Jahreshoch geklettert, was auch den höchsten Stand seit fast dreizehn Jahren bedeutet hatte. Zuletzt hatte es sich von diesem Niveau aber wieder etwas entfernt. Nun legte es in Reaktion auf die Quartalsbilanz wieder zu und stand zuletzt 1,9 Prozent höher bei 14,98 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert um rund ein Drittel erhöht.
Eon investierte im ersten Quartal mit fast 1,5 Milliarden Euro gut 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor in seine Energiesysteme. Das Geld floss ĂŒberwiegend in den Ausbau des Stromnetzes, insbesondere in die Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur sowie in neue NetzanschlĂŒsse. Das NetzgeschĂ€ft macht den Löwenanteil der Konzernergebnisse aus und ist stark von regulatorischen Rahmenbedingungen abhĂ€ngig. Gleichzeitig half Eon im ersten Quartal aber auch, dass es kĂ€lter war als im Vorjahr und der Bedarf an Energie entsprechend höher war.
Als bereinigter Ăberschuss blieben in den ersten drei Monaten so fast 1,3 Milliarden Euro ĂŒbrig, dies entsprach einem Zuwachs von 22 Prozent. Der auf die AktionĂ€re entfallende Gewinn sank derweil um 9 Prozent auf 529 Millionen Euro, was aber auf nicht-operative Ergebniseffekte etwa aus Derivaten zurĂŒckzufĂŒhren ist.
JPMorgan-Experte Javier Garrido sprach von "soliden Zahlen". Er habe den Wettereffekt unterschÀtzt. Diesen bezifferte Finanzchefin Jakobi in der Telefonkonferenz mit Analysten auf einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag". Im April sei dieser Vorteil aber in Teilen schon wieder verflogen.
So sieht sich die Managerin auch beim Blick auf das Gesamtjahr mit der geltenden Prognose "komfortabel positioniert". Es gebe fĂŒr sie keinen Grund, sie anzupassen. Die unterstellten Annahmen hĂ€tten sich seit Mitte MĂ€rz nicht geĂ€ndert, als Eon die Ziele festgesetzt hatte. Analysten hatten angemerkt, dass beim bereinigten Ăberschuss bereits nach dem ersten Quartal ĂŒber 40 Prozent erreicht sind.
Die Prognose von Eon fĂŒr 2025 sieht einen operativen Gewinn von 9,6 bis 9,8 Milliarden Euro vor. Der bereinigte Ăberschuss soll bei 2,85 bis 3,05 Milliarden Euro liegen. Zudem will der Konzern dieses Jahr 8,6 Milliarden Euro investieren.
Abseits des Zahlenwerks standen im Austausch zwischen Management und Analysten die regulatorischen Rahmenbedingungen im Fokus. Eon ist in seiner Ertragskraft in weiten Teilen an die von der Bundesnetzagentur vorgegebene Verzinsung gebunden. Wie diese ab 2029 fĂŒr das Strom-GeschĂ€ft aussehen soll, ist noch offen. Eine erste Vor-Konsultation hat stattgefunden.
Nun sei "in den kommenden Wochen" mit dem offiziellen Konsultationspapier zu einem Teil der allgemeinen Rahmenbedingungen zu rechnen, sagte Jakobi in der Telefonkonferenz. Konkretere Ideen seitens des Regulators zur Berechnung der Kapitalkosten und der Eigenkapitalverzinsungen erwartet sie dann in den darauffolgenden Monaten. Weitere Klarheit dĂŒrfte sich fĂŒr Eon aber erst gegen Jahresende ergeben.
Eon hĂ€lt eine Eigenkapitalverzinsung nach Steuern von mindestens 8 Prozent fĂŒr angemessen. Dies wĂŒrde einer "fairen wettbewerbsfĂ€higen Rendite" entsprechen - auch im Vergleich zu anderen Investitionen in europĂ€ische Infrastruktur, sagte Jakobi.
Wegen der noch offenen Regulierungsvorschriften ab 2029 lĂ€sst Eon die ĂŒber das Jahr 2028 hinaus geplanten Investitionen momentan offen. Wie bereits bekannt, will der Konzern von 2024 bis 2028 rund 43 Milliarden Euro investieren. Eon sei zwar bereit, weiter zu investieren, sagte Konzernchef Leonhard Birnbaum Mitte MĂ€rz, "aber niemals um jeden Preis".
Die Unternehmen sind an die von der Bundesnetzagentur vorgegebenen ZinssĂ€tze gebunden, wenn sie Netzkosten in Rechnung stellen. Ăber Netzentgelte zahlen Nutzer, also Haushalte, Gewerbe und Industrie, auch die Renditen der Betreiber.
Eon ist Deutschlands gröĂter Stromversorger und -netzbetreiber. Er zĂ€hlt im Heimatmarkt rund zwölf Millionen Strom- und zwei Millionen Erdgaskunden. Fast ein Drittel des Strom-Verteilnetzes gehört zum Konzern. Nach Angaben von Eon sind ĂŒber drei Viertel des operativen Ergebnisses vom Regulator abhĂ€ngig.

