Ethereum: Leerverkäufer zahlen teuer
05.07.2026 - 03:37:21 | boerse-global.de
Ein neuer Ertrags-ETF, ein schwacher Arbeitsmarktbericht und liquidierte Wetten gegen den Kurs — binnen weniger Stunden kam bei Ethereum am 3. Juli gleich mehreres zusammen. Der Kurs sprang zweistellig innerhalb einer einzigen Handelssitzung, getrieben von einer Kombination, die selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen ließ.
BlackRock bringt Ertrags-ETF, Leerverkäufer geraten unter Druck
BlackRock brachte am 3. Juli seinen neuen Staking-ETF unter dem Kürzel ETHB an die Nasdaq. Der Fonds zog am ersten Handelstag 100 Millionen Dollar an Zuflüssen an — anders als frühere Ethereum-ETFs gibt ETHB die Staking-Rendite von rund drei Prozent direkt an Investoren weiter. Es ist damit das erste ertragsgenerierende Krypto-Produkt des Vermögensverwalters.
Parallel dazu drückte ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung. Statt der erwarteten 115.000 neuen Stellen meldete der Juni-Bericht nur 57.000. Die Kombination aus ETF-Zufluss und gedämpften Zinssorgen löste eine Short-Squeeze aus: Leerverkäufer verloren binnen 24 Stunden 281 Millionen Dollar durch Zwangsliquidationen. Ethereum kletterte von rund 1.600 auf zeitweise über 1.700 Dollar, zuletzt notierte der Coin nahe 1.745 Dollar.
Die Erholung durchbrach eine Serie von drei negativen Quartalen in Folge — ein Novum in der Geschichte der Kryptowährung. Trotzdem bleibt der Fear-and-Greed-Index bei 21 und signalisiert weiterhin extreme Angst unter Anlegern.
Institutionen bauen ihre Position aus
Bereits am 1. Juli ging die gemeinnützige Organisation Ethereum Institutional live. Mitgründer Joe Lubin steht hinter dem Projekt, unterstützt von den Unternehmen BitMine und SharpLink. Ziel ist ein direkter, neutraler Zugang für Banken zur Ethereum-Kette. BitMine hält inzwischen mehr als vier Millionen ETH und sammelte allein in den vergangenen 30 Tagen weitere 283.139 Coins ein. SharpLink kaufte Ende Juni bei fallenden Kursen nach.
Unternehmenskassen insgesamt kommen mittlerweile auf über 4,8 Millionen ETH und übernahmen seit Juni rund 3,8 Prozent des gesamten Angebots. Auf der Kette liegen zudem etwa 180 Milliarden Dollar an Stablecoins — ein Großteil des globalen Marktes und rund zwei Drittel aller tokenisierten realen Vermögenswerte weltweit.
Trotz der Dynamik bleibt eine technische Hürde bestehen: Der Widerstand bei 1.865 Dollar hat jede größere Erholung im laufenden Jahr bislang gestoppt. Erst ein Schlusskurs oberhalb dieser Marke würde den 50-Tage-Durchschnitt durchbrechen und den Ausblick spürbar aufhellen. Aktuell liegt der Kurs noch rund 65 Prozent unter dem Rekordhoch von 4.953 Dollar aus dem August 2025.
Die Prognosen für den weiteren Jahresverlauf gehen weit auseinander. Standard Chartered hält bis Jahresende 4.000 Dollar für möglich, während vorsichtigere Modelle eher einen Bereich um 2.300 Dollar sehen. Tom Lee von Fundstrat nennt eine Spanne von 7.000 bis 9.000 Dollar, Arthur Hayes hält sogar 10.000 Dollar für erreichbar. Ob der Kurs zunächst den Widerstand bei 1.865 Dollar überwindet, dürfte zeigen, welches dieser Szenarien realistischer wird.
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