EU-Klimazoll, Preise

EU-Klimazoll: Preise kommen, Streit um Ausweitung eskaliert

Veröffentlicht am: 09.03.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU setzt den CO?-Grenzausgleich um, stĂ¶ĂŸt aber auf Kritik von Mitgliedsstaaten und Industrie. Ab 2027 werden Zertifikate fĂŒr klimaschĂ€dliche Importe fĂ€llig, wĂ€hrend die Ausweitung auf Fertigprodukte diskutiert wird.

EU-Klimazoll: Preise kommen, Streit um Ausweitung eskaliert Illustration mit AI erstellt.
EU-Klimazoll: Preise kommen, Streit um Ausweitung eskaliert Illustration mit AI erstellt.

Die EU setzt ihren umstrittenen CO?-Grenzausgleich um – und stĂ¶ĂŸt dabei auf heftigen Widerstand aus der Industrie und von Mitgliedsstaaten. Am 7. April werden die ersten offiziellen Preise fĂŒr CBAM-Zertifikate veröffentlicht, die ab 2027 fĂŒr klimaschĂ€dliche Importe fĂ€llig werden. Gleichzeitig fordern Frankreich und Italien zusammen mit IndustrieverbĂ€nden massive Nachbesserungen an den PlĂ€nen.

Erste Preise und neue Pflichten fĂŒr Importeure

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Der finanzielle Kern des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) lĂ€uft seit Jahresbeginn. Nach einer reinen Meldepflicht mĂŒssen Importeure ab Februar 2027 erstmals Zertifikate fĂŒr die Emissionen ihrer 2026 eingefĂŒhrten Waren kaufen. Der Preis dafĂŒr orientiert sich quartalsweise am Durchschnitt der EU-Emissionshandelspreise (ETS). Ein zentrales digitales Handelssystem, die „Common Central Platform“, soll den Verkauf und RĂŒckkauf der Zertifikate abwickeln.

FĂŒr Unternehmen bedeutet das: Wer mehr als 50 Tonnen der betroffenen GĂŒter pro Jahr importiert, muss die tatsĂ€chlichen Emissionen in der Lieferkette genau nachweisen. Wer stattdessen auf pauschale Standardwerte zurĂŒckgreift, muss ab 2026 einen Aufschlag von 10 Prozent zahlen – bis 2028 steigt dieser auf bis zu 30 Prozent. Eine teure Vereinfachung.

Streit um Ausweitung auf Fertigprodukte

Die EU-Kommission will den Mechanismus massiv ausweiten. Geplant ist, ab 2028 nicht nur Grundstoffe wie Stahl und Zement, sondern auch etwa 180 Fertig- und Halbfertigprodukte zu erfassen. Dazu gehören Autoteile, Industrieroboter und bestimmte HaushaltsgerÀte. Das Ziel: Verhindern, dass die Produktion einfach ins Ausland verlagert wird, um den CO?-Preis zu umgehen.

Doch die Industrie hĂ€lt die Liste fĂŒr zu kurz. Der HausgerĂ€teverband APPLiA Europe forderte diese Woche, auch GeschirrspĂŒler, Öfen und Wasserheizer aufzunehmen. Sonst entstehe ein unfaires GefĂ€lle zwischen europĂ€ischen Herstellern und auslĂ€ndischer Konkurrenz. Eine lĂŒckenhafte Regelung verzerre den Binnenmarkt, so die Warnung.

Frankreich und Italien attackieren Entlastungsfonds

WĂ€hrend Importeure zahlen sollen, laufen fĂŒr europĂ€ische Unternehmen die kostenlosen Emissionszertifikate bis 2034 aus. Als Ausgleich fĂŒr exportstarke Branchen wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hat die Kommission einen „TemporĂ€ren Dekarbonisierungsfonds“ vorgeschlagen.

Genau dieser Fonds ist nun zum Zankapfel geworden. Die Industrieminister Frankreichs und Italiens, SĂ©bastien Martin und Adolfo Urso, kritisierten das Vorhaben scharf. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung bezeichneten sie den Fonds als zu begrenzt, zu kurzlebig und finanziell unklar. Besonders der Ausschluss der Zementindustrie von EntschĂ€digungen stoße auf UnverstĂ€ndnis. Beide LĂ€nder fordern die Kommission auf, die Reformen des Emissionshandels zu beschleunigen und auszuweiten, um die WettbewerbsfĂ€higkeit der energieintensiven Industrie zu sichern.

Was kommt auf die Unternehmen zu?

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FĂŒr Compliance- und ESG-Verantwortliche wird das Management internationaler Lieferketten immer komplexer. Die Regeln sind zudem flexibel: Über eine Notfallklausel (Artikel 27a) kann die CBAM-Anwendung bei schweren Marktstörungen vorĂŒbergehend ausgesetzt werden. Über diese Möglichkeit wurde zuletzt fĂŒr den DĂŒngemittelsektor diskutiert – ein Zeichen fĂŒr den Spagat der EU zwischen Klimazielen und der Vermeidung von Inflation.

Die GesetzesvorschlĂ€ge zur Ausweitung und zum Entlastungsfonds durchlaufen nun das ordentliche Gesetzgebungsverfahren. Parallel zieht die EU-Regulierung international Kreise: Das Vereinigte Königreich hat im Februar erste EntwĂŒrfe fĂŒr einen eigenen CO?-Grenzausgleich vorgelegt, der 2027 starten soll.

Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die Ära der CO?-Bepreisung im globalen Handel hat begonnen. Unternehmen sollten ihre Lieferketten jetzt genau unter die Lupe nehmen, um hohe Strafen und Handelsstörungen zu vermeiden.

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