EU-Zollreform, Paradigmenwechsel

EU-Zollreform 2026: Paradigmenwechsel für den Handel

28.01.2026 - 03:34:12

Die EU schafft 2026 die Zollfreigrenze ab und führt neue digitale Pflichten sowie den CO?-Grenzausgleich ein, was den Warenverkehr deutlich verteuert und komplexer macht.

Der grenzüberschreitende Warenverkehr in der EU steht vor einem der größten Umbrüche der letzten Jahrzehnte. Eine Welle neuer Vorschriften trifft ab 2026 auf Unternehmen – von der Abschaffung der Zollfreigrenze bis zu digitalen Pflichten und Umweltabgaben. Die Hürden für den internationalen Handel werden höher und komplexer.

Hinter den wichtigen Sicherheitsaufgaben der Zollbehörden, die etwa in Österreich täglich 18.000 Abfertigungen durchführen, braut sich eine regulatorische Revolution zusammen. Sie wird insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sowie den gesamten Online-Handel vor erhebliche operative und finanzielle Herausforderungen stellen.

Das abrupte Ende der 150-Euro-Freigrenze

Eine der einschneidendsten Änderungen ist der Wegfall der Zollfreigrenze für Kleinsendungen. Bisher waren Waren unter 150 Euro von Abgaben befreit. Nach einem Beschluss des EU-Rates vom November 2025 wird diese Regelung bereits 2026 aufgehoben – deutlich früher als ursprünglich für 2028 geplant.

Die Maßnahme zielt darauf ab, Wettbewerbsverzerrungen durch den massiven Zustrom von Billigwaren, vor allem aus China, zu unterbinden. Für Online-Händler bedeutet das eine massive Umstellung. Jedes Paket wird künftig zollpflichtig. Das erfordert eine Anpassung der Preisgestaltung und eine komplette Neuausrichtung von Logistik- und IT-Prozessen. Die genaue Ausgestaltung einer Übergangslösung steht noch aus.

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Digitalisierung: Chance und Last zugleich

Parallel schreitet die umfassende Reform der EU-Zollunion voran. Ein zentrales Element ist die schrittweise Einführung einer neuen, zentralen EU-Zolldatenplattform („EU Customs Data Hub“). Langfristig soll sie die nationalen IT-Systeme ersetzen. Die verpflichtende Nutzung ist zwar erst ab 2038 vorgesehen, doch die vorbereitenden Phasen beginnen bereits.

Im Zuge der Reform werden Online-Plattformen stärker in die Pflicht genommen. Sie sollen künftig als „fiktive Einführer“ agieren und die Verantwortung für die Einhaltung der Zollvorschriften übernehmen. Das schützt Verbraucher vor unerwarteten Nachzahlungen, verlagert aber einen erheblichen administrativen Aufwand auf die Plattformbetreiber.

Neue Hürden: CO₂-Abgabe und Lieferkettengesetze

Über klassische Zollfragen hinaus kommen 2026 neue regulatorische Hürden im Bereich der Nachhaltigkeit auf Importeure zu. Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) tritt in seine nächste Phase ein. Ab 2026 beginnt die eigentliche Besteuerung. Unternehmen müssen für die Einfuhr von Gütern wie Stahl oder Zement sogenannte CBAM-Zertifikate erwerben.

Zudem treten weitere Vorgaben zur Lieferkettentransparenz in Kraft. Sie verlangen eine noch genauere Kenntnis der Lieferketten und Produktionsbedingungen. Das erhöht die Komplexität der Zollabwicklung weiter.

Strategische Weichenstellung für Unternehmen nötig

Die Kumulation dieser Änderungen stellt einen Paradigmenwechsel dar. Die Zollabwicklung wird von einer administrativen Aufgabe zu einem zentralen, strategischen Bestandteil des Geschäftsmodells. Die Digitalisierung, wie die Einführung des neuen ATLAS-Releases in Deutschland, erfordert erhebliche Investitionen in IT und Fachpersonal.

Die kommenden Monate sind entscheidend für die Vorbereitung. Unternehmen müssen ihre Prozesse analysieren, Personal schulen und Systeme anpassen, um nicht von den neuen Realitäten überrollt zu werden. Das langfristige Ziel der EU ist eine modernere und effizientere Zollunion. Der Weg dorthin führt jedoch zunächst über deutlich höhere Hürden für die Wirtschaft.

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