EuropÀische Sender fordern schÀrfere Regeln gegen Tech-Giganten
24.03.2026 - 04:49:22 | boerse-global.deEuropas Medien fordern eine Ausweitung der DigitalmĂ€rkte-Gesetze, um die Macht von Google, Amazon und Co. auf Smart-TVs und in Sprachassistenten zu begrenzen. Ein breites BĂŒndnis aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern hat die EU-Kommission am Montag offiziell dazu aufgefordert.
Der Kampf um den Bildschirmzugang
AngefĂŒhrt vom Verband der kommerziellen Fernseh- und Video-on-Demand-Anbieter in Europa (ACT) richtet sich die Forderung gegen die wachsende Kontrolle weniger Technologiekonzerne ĂŒber die BenutzeroberflĂ€che moderner Fernseher. In einem Schreiben an die fĂŒr Wettbewerb zustĂ€ndige EU-Kommissarin Teresa Ribera verlangt das BĂŒndnis, Smart-TV-Betriebssysteme und virtuelle Assistenten als âGatekeeperâ im Sinne des Digital Markets Act (DMA) einzustufen.
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Die Sender argumentieren, dass Plattformen wie Google Android TV, Samsung Tizen und Amazon Fire OS lĂ€ngst keine neutralen Technologien mehr seien. Sie hĂ€tten sich zu strategischen SchlĂŒsselstellen entwickelt, die darĂŒber entscheiden, welche Inhalte Zuschauer einfach finden. Marktdaten zeigen die rasante Marktdurchdringung: Der Anteil von Android TV in Europa stieg von 16 Prozent (2019) auf 23 Prozent (2024). Fire OS verdoppelte seinen Marktanteil im selben Zeitraum auf 12 Prozent.
âDiese Gatekeeper des Bildschirms können die Sichtbarkeit und ZugĂ€nglichkeit von Nachrichten, Unterhaltung und Kulturprogrammen effektiv kontrollierenâ, so die Kernaussage des BĂŒndnisses. Ohne strengere Aufsicht bestĂŒnde die Gefahr, dass die Tech-Konzerne eigene Dienste oder bevorzugte Partner priorisieren und Inhalte lokaler Sender in den Hintergrund drĂ€ngen.
Die unsichtbaren Gatekeeper: KI und Sprachassistenten
Ăber die Fernseher hinaus sieht das BĂŒndnis eine weitere regulatorische LĂŒcke bei kĂŒnstlicher Intelligenz und virtuellen Assistenten. Dienste wie Amazons Alexa oder Apples Siri wĂŒrden zu de-facto-TorwĂ€chtern fĂŒr Medieninhalte auf Smartphones, Lautsprechern oder in Autos.
âWenn Verbraucher zunehmend Sprachbefehle nutzen, um Musik, Radiosender oder Videos zu finden, werden die Algorithmen hinter diesen Assistenten zu Schiedsrichtern darĂŒber, welche Informationen dem Nutzer prĂ€sentiert werdenâ, heiĂt es in dem Schreiben. Da diese KI-Dienste bisher nicht an die Transparenz- und NeutralitĂ€tspflichten des DMA gebunden seien, bestehe das Risiko, dass sie das Publikum in eine geschlossene ĂkosphĂ€re lenken.
Die Sender fordern die EU auf, virtuelle Assistenten in die anstehende DMA-ĂberprĂŒfung einzubeziehen. Nur so könnten die Regeln mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten und marktverzerrende Effekte durch KI verhindern.
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Faire Wettbewerbsbedingungen und Datentransparenz
Hinter dem Vorstoà steht die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft der Medienbranche. VerbÀnde wie VAUNET in Deutschland und die EuropÀische Rundfunkunion (EBU) betonen, dass ein fairer Wettbewerb notwendig ist, um Investitionen in qualitativ hochwertigen Journalismus und lokale Produktionen zu sichern.
Ein zentraler Kritikpunkt: Die Tech-Konzerne verfĂŒgten ĂŒber ein âexklusives und ungeteiltes Datenwissenâ zum Nutzerverhalten. Wenn ein Zuschauer ein Programm auf einem Smart-TV schaue, sammle oft der Plattformbetreiber umfangreiche Daten, auf die der eigentliche Inhalteproduzent keinen Zugriff habe. Diese Asymmetrie erschwere es traditionellen Sendern, im Werbemarkt zu konkurrieren.
Das BĂŒndnis â zu dem auch RTL, Canal+, ITV und Walt Disney gehören â fordert daher Regeln fĂŒr InteroperabilitĂ€t zwischen Diensten und einen fairen Datenzugang fĂŒr Medienanbieter. Nur so könnten sie langfristig finanziell stabil bleiben.
Ausblick: Entscheidung der EU-Kommission steht an
Die EU-Kommission hat den Appell der Sender bestĂ€tigt und wird die Forderungen im Rahmen der anstehenden DMA-ĂberprĂŒfung prĂŒfen. Der Zeitpunkt ist strategisch: Eine formelle Evaluierung des Gesetzes ist fĂŒr spĂ€ter in diesem Jahr geplant.
Sollte die Kommission Smart-TV-Plattformen und Sprachassistenten tatsĂ€chlich als Gatekeeper einstufen, könnte dies weitreichende technische Ănderungen erzwingen. Denkbar wĂ€ren Vorgaben fĂŒr eine prominente Platzierung öffentlich-rechtlicher Sender oder die Verpflichtung zur Weitergabe von Nutzerdaten an Inhalteanbieter.
Die Tech-Giganten dĂŒrften solchen PlĂ€nen heftig widersprechen. Sie argumentieren, dass ihre Plattformen essentielle Infrastruktur bereitstellten, die sowohl Verbrauchern als auch Medienunternehmen nĂŒtze, indem sie die Reichweite digitaler Inhalte insgesamt vergröĂerere.
Die Entscheidung wird die Zukunft der Medien nutzen in Europa fĂŒr das kommende Jahrzehnt prĂ€gen. FĂŒr die Sender geht es darum, sicherzustellen, dass die âTorwĂ€chterâ der digitalen Welt nicht zu âZensorenâ der Medienlandschaft werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die EU bereit ist, ihren regulatorischen Arm auch auf die GerĂ€te und KI-Systeme auszudehnen, die aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken sind.
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