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Bertelsmann Stiftung / Europas IPO-Problem beginnt vor dem Börsengang: ...

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 09:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Europas IPO-Problem beginnt vor dem Börsengang: Studie fordert leistungsfĂ€higere KapitalmĂ€rkte, mehr Investitionen, grĂ¶ĂŸere BörsengĂ€nge (FOTO) Berlin - Europa verliert den Wettbewerb um BörsengĂ€nge.

WĂ€hrend die USA prominente BörsengĂ€nge verzeichneten, gab es in Europa nur wenige vergleichbare Neuemissionen. EuropĂ€ische Unternehmen sind bei ihrem Börsengang im internationalen Vergleich hĂ€ufig klein, wĂ€hrend Zahl und Wert europĂ€ischer BörsengĂ€nge im vergangenen Jahrzehnt gesunken sind. Europa hat ein Scale-up-Problem: Es bringt innovative Start-ups hervor, die jedoch Schwierigkeiten haben, in Europa zu wachsen und Kapital zu erhalten. Starke AktienmĂ€rkte stellen vielversprechenden Unternehmen Kapital zur VerfĂŒgung und bieten Wagniskapital- und Private-Equity-Investoren eine "Exit"-Möglichkeit.

Die neue Studie "How to revive Europe's stock market listings" der Bertelsmann Stiftung, des Centre for European Reform und des Jacques Delors Centre zeigt, wie Europa seine AktienmÀrkte beleben kann. Zwischen 2014 und 2025 lag der Wert der ausgegebenen Aktien bei 72 Prozent der europÀischen BörsengÀnge unter 100 Millionen Euro. In den USA waren es 49 Prozent. Nur zwölf Prozent der europÀischen Unternehmen erreichten bei ihrem Börsengang eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro, verglichen mit 29 Prozent in den USA.

Statt auf vermeintlich einfache Lösungen zu setzen wie niedrigere Zulassungsanforderungen oder die Schaffung einer gemeinsamen europÀische Börse, sollten sich die EU und ihre Mitgliedstaaten auf drei Bereiche konzentrieren:

- Europas Ersparnisse mobilisieren. Rentenreformen und mehr private Aktienanlagen könnten einen grĂ¶ĂŸeren Teil des Vermögens der Haushalte in Aktien lenken. Das wĂŒrde Bewertungen und LiquiditĂ€t verbessern und Unternehmen beim Wachstum unterstĂŒtzen. - Fragmentierung verringern. Eine marktgetriebene Integration der europĂ€ischen Börsen wĂŒrde die LiquiditĂ€t erhöhen und grĂ¶ĂŸere BörsengĂ€nge anziehen. So ließen sich umfangreichere Neuemissionen besser gewinnen und langfristig an den europĂ€ischen MĂ€rkten halten. Die Politik sollte einen gesamteuropĂ€ischen Wachstumsmarkt fĂŒr junge Unternehmen prĂŒfen. - Mehr börsenreife Unternehmen hervorbringen. Dazu mĂŒssen der Binnenmarkt vollendet, mehr Wachstumskapital fĂŒr spĂ€tere Finanzierungsphasen bereitgestellt und Anreize fĂŒr grĂ¶ĂŸere, hochwertige BörsengĂ€nge geschaffen werden.

Claudia-Dominique Geiser, Senior Expert fĂŒr EU-Wirtschaftspolitik, erklĂ€rt: "FĂŒr bessere öffentliche AktienmĂ€rkte in Europa ist die richtige Diagnose entscheidend: Europas Unternehmen sind zu klein, wenn sie an die Börse gehen. Mehr BörsengĂ€nge zu fördern und die Zulassungsanforderungen zu senken, schafft nicht automatisch mehr LiquiditĂ€t und zieht auch nicht zwangslĂ€ufig institutionelle Investoren an. Europa muss seinen Unternehmen zuerst helfen, zu wachsen."

Die Belebung des europĂ€ischen IPO-Marktes sollte Teil der BemĂŒhungen sein, Europas WettbewerbsfĂ€higkeit und SouverĂ€nitĂ€t zu stĂ€rken. Europa muss den Innovationskreislauf schließen: von der GrĂŒndung ĂŒber das Wachstum und den Börsengang bis zur Finanzierung der nĂ€chsten Unternehmensgeneration.

James Green, Research Fellow beim Centre for European Reform, sagt: "Talente und Ausbildung bilden vielleicht das Fundament fĂŒr Innovation, doch ein gut funktionierendes Risikokapital-Ökosystem ist ihr Treibstoff. Wenn die Politik Europas Technologie-Ökosystem stĂ€rkt, das fĂŒr WettbewerbsfĂ€higkeit und SouverĂ€nitĂ€t entscheidend ist, darf sie einen wichtigen Teil des Puzzles nicht vergessen: gut funktionierende öffentliche AktienmĂ€rkte."

Marlene Schoerner, Policy Fellow fĂŒr EU-FinanzmĂ€rkte am Jacques Delors Centre, sagt: "Eine gesamteuropĂ€ische Börse mag attraktiv erscheinen, wĂŒrde das Pferd aber von hinten aufzĂ€umen. Fragmentierte Regulierung und Infrastruktur machen den grenzĂŒberschreitenden Handel weiterhin teuer."

Europas IPO-Problem ist ein Scale-up-Problem, das an der Börse sichtbar wird.

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Claudia-Dominique Geiser Senior Expert on EU Economic Policy Phone: +49 30 275788-163 E-Mail: mailto:claudia-dominique.geiser@bertelsmann-stiftung.de

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