Evonik Aktie: EBITDA-Prognose auf 2,2 Milliarden angehoben
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Spezialchemiekonzern Evonik blickt optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr und treibt zugleich seine internationale Standortstrategie voran. Wenige Wochen vor der Veröffentlichung der detaillierten Quartalszahlen am 4. August prägen eine angehobene Gewinnprognose, umfangreiche Investitionen in den USA und deutliche Worte des Vorstandsvorsitzenden zur deutschen Energiepolitik das Bild des Essener Unternehmens.
Angehobene Prognose durch operative Stärke
Bereits Ende Juni reagierte die Konzernleitung auf eine positive Geschäftsentwicklung und hob die Prognose für das bereinigte EBITDA des Gesamtjahres 2026 an. Laut einer Mitteilung via EQS News erwartet Evonik nun ein Ergebnis zwischen 2,0 Milliarden Euro und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor war das Management lediglich von einer Spanne zwischen 1,7 Milliarden Euro und 2,0 Milliarden Euro ausgegangen. Als wesentliche Treiber für diese Korrektur nach oben nannte das Unternehmen höhere Absatzmengen sowie die Effekte eingeleiteter Kostensenkungen. Zudem profitiert Evonik derzeit von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber, was die eigene Marktposition stärkt.
Die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen diesen Trend. Mit einem bereinigten EBITDA zwischen 600 Millionen Euro und 650 Millionen Euro liegt das Ergebnis deutlich über dem Vorjahreswert von 509 Millionen Euro. Besonders das Segment Advanced Technologies trug maßgeblich zu dieser Steigerung bei. Diese operative Erholung spiegelt sich auch in der Aktienperformance wider: Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Plus von 24,78 Prozent.
CEO kritisiert Kosten der Energiewende
Abseits der Bilanzzahlen bezog Vorstandschef Christian Kullmann zuletzt klar Stellung zur industriepolitischen Lage in Deutschland. Wie dpa-AFX berichtet, forderte Kullmann eine Verschiebung des Kohleausstiegs über das Jahr 2030 hinaus bis mindestens 2033. Ziel dieser Forderung sei die Absicherung der industriellen Energieversorgung, solange keine ausreichenden Alternativen zur Verfügung stünden.
Medienberichten zufolge übte der Evonik-Chef zudem deutliche Kritik an der bisherigen Umsetzung der Energiewende. Er bezifferte die Kosten der Transformation auf rund 1.000 Milliarden Euro und bemängelte, dass daraus bislang keine positiven Effekte für den Industriestandort Deutschland resultierten. Diese Debatte gewinnt vor dem Hintergrund der internationalen Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung, während Evonik gleichzeitig seine Präsenz in Nordamerika massiv ausbaut.
Expansion in Nordamerika und finanzielle Stabilität
In den Vereinigten Staaten setzt Evonik auf Modernisierung und vertikale Integration. Am Standort Lafayette im Bundesstaat Indiana investiert der Konzern über die nächsten fünf Jahre rund 100 Millionen US-Dollar in die Wirkstoff-Auftragsfertigung (CDMO). Laut Unternehmensangaben fließen die Mittel in die Automatisierung und Modernisierung der Anlagen, um die Effizienz in diesem spezialisierten Bereich zu erhöhen. Parallel dazu schloss Evonik die Rückwärtsintegration seines globalen MetAMINO-Produktionsnetzwerks am Standort Mobile in Alabama ab. Diese Maßnahme soll die Versorgungssicherheit bei DL-Methionin stärken und die Kostenstruktur optimieren.
Trotz der hohen Investitionssummen bescheinigen Experten dem Konzern eine solide Bilanzstruktur. Die Ratingagentur S&P Global Ratings bestätigte Anfang Juni das langfristige Emittentenrating von „BBB+“ mit einem stabilen Ausblick. Die Analysten stützten ihre Einschätzung auf die disziplinierte Finanzpolitik und die Fortschritte bei den Kosteneinsparungen.
Anleger achten nun auf den 4. August, wenn der vollständige Bericht zum zweiten Quartal veröffentlicht wird. Aktuell notiert die Aktie mit 16,67 Euro etwa 8,56 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 18,23 Euro, das Anfang Mai erreicht wurde. Dennoch liegt der Kurs weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 15,02 Euro, was den mittelfristigen Aufwärtstrend der vergangenen Monate bestätigt.
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