Evonik Aktie: Kullmann fordert 2050 statt 2045
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 02:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender des Spezialchemiekonzerns Evonik, hat sich mit deutlicher Kritik an der aktuellen deutschen Energiepolitik zu Wort gemeldet. Im Zentrum seiner Forderungen steht eine deutliche Verschiebung des Kohleausstiegs in Nordrhein-Westfalen sowie eine Anpassung der nationalen Klimaziele. Laut Berichten der Bild-Zeitung plädiert Kullmann dafür, das Ziel der Klimaneutralität von 2045 auf das Jahr 2050 zu verschieben. Auch den für das Jahr 2030 vorgezogenen Kohleausstieg im bevölkerungsreichsten Bundesland sieht der Manager kritisch und fordert eine Rückkehr zum ursprünglichen Zieldatum 2038.
Hintergrund dieser Forderung ist die Sorge um die industrielle Versorgungssicherheit. Kullmann bezweifelt demnach, dass der Bau wasserstofffähiger Gaskraftwerke, die als notwendige Brückentechnologie dienen sollen, rechtzeitig und in ausreichendem Maße realisiert werden kann. Aktuell sieht die Gesetzeslage aus dem Jahr 2022 vor, dass drei Braunkohleblöcke in Nordrhein-Westfalen bis 2030 vom Netz gehen. Bis zum 15. August 2026 muss die Bundesregierung zudem darüber entscheiden, ob diese Kapazitäten bis 2033 als Reserve erhalten bleiben. Der Evonik-Chef betont, dass die Kohleverstromung für die Stabilität des Industriestandorts vorerst unverzichtbar bleibe.
Kritik an Kosten und schleppendem Infrastrukturausbau
Die bisherige Bilanz der Energiewende fällt aus Sicht des Konzernchefs ernüchternd aus. Mit geschätzten Kosten von rund 1.000 Milliarden Euro sei zwar massiv investiert worden, die tatsächliche Reduktion der globalen Emissionen durch deutsche Maßnahmen beziffert er jedoch lediglich auf 1,6 Prozent. Kullmann mahnt an, dass die industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht durch unrealistische Zeitpläne gefährdet werden dürfe. Besonders die Netzinfrastruktur steht in der Kritik; der Manager verglich den aktuellen Ausbaustand in Deutschland mit dem Niveau von Entwicklungsländern, was den Anforderungen eines modernen Industriestaats nicht gerecht werde.
Neben der reinen Stromerzeugung fehle es zudem an kurzfristig verfügbarem und vor allem bezahlbarem Wasserstoff. Ohne eine gesicherte Versorgung mit diesem Energieträger sei die Transformation der chemischen Industrie kaum umsetzbar. Die Forderung nach einer Verlängerung der Kohlelaufzeiten versteht Kullmann daher als notwendigen Schritt, um die Industrie in Deutschland zu halten.
Evonik-Aktie notiert deutlich über Vorjahresniveau
An der Börse zeigt sich der Wert des Essener Spezialchemie-Unternehmens von der energiepolitischen Debatte weitgehend unbeeindruckt und setzt seinen positiven Trend des laufenden Jahres fort. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 26,57 Prozent zulegen. Am Freitag ging die Aktie mit einem Schlusskurs von 16,91 Euro aus dem Handel.
Trotz dieser starken Entwicklung in den vergangenen Monaten besteht noch ein gewisser Abstand zu den Jahreshöchstständen: Zum 52-Wochen-Hoch, das am 6. Mai 2026 bei 18,23 Euro markiert wurde, weist der Titel aktuell eine Differenz von -7,24 Prozent auf. Anleger blicken nun auf den Termin Mitte August, wenn die Entscheidung über die strategische Kohlereserve fallen soll. Diese könnte für die künftige Kostenstruktur energieintensiver Konzerne wie Evonik wegweisend sein.
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