Evotec Aktie: Prognose krÀftig gekappt
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 00:06 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Evotec hat am Montagabend die eigene Jahresprognose drastisch zurĂŒckgenommen â mitten im Handelstag, per Ad-hoc-Meldung. Statt der ursprĂŒnglich avisierten Wachstumsspanne rechnet der Hamburger Wirkstoffentwickler nun mit deutlich weniger Umsatz und einem tief roten EBITDA. Der Auslöser: verzögerte Partnerschaften und verschobene Meilensteinzahlungen.
Prognose bricht deutlich ein
FĂŒr das Gesamtjahr 2026 erwartet Evotec nun Konzernumsatzerlöse von rund 570 bis 610 Millionen Euro. Bisher stand eine Spanne von 700 bis 780 Millionen Euro im Raum â ein RĂŒckgang um mehr als 100 Millionen Euro am unteren Ende. Beim bereinigten EBITDA fĂ€llt die Korrektur noch schĂ€rfer aus: Statt der zuvor angepeilten Spanne von 0 bis 40 Millionen Euro rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro.
Die GrĂŒnde liegen laut Unternehmensangaben zu etwa 40 Prozent in verschobenen Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften, die nun erst 2027 verbucht werden. Rund 45 Prozent entfallen auf Verzögerungen bei aktuell verhandelten neuen strategischen Partnerschaften, die ĂŒber das vierte Quartal 2026 hinausrutschen. Der Rest â etwa 15 Prozent â resultiert aus einer schwĂ€cheren Umsatzrealisierung bestehender AuftrĂ€ge.
FĂŒr das erste Halbjahr 2026 meldete Evotec vorlĂ€ufig einen Konzernumsatz von rund 300,1 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von minus 42,7 Millionen Euro. Die LiquiditĂ€t lag zum 30. Juni bei rund 465,6 Millionen Euro.
BasisgeschÀft legt zu, Segmente schwÀcheln
Im operativen KerngeschĂ€ft zeigt sich ein anderes Bild als bei der Konzernprognose. Die NettoverkĂ€ufe im Discovery-&-Preclinical-Development-BasisgeschĂ€ft ohne strategische Partner stiegen im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Auch bei Just-Evotec-Biologics lief das GeschĂ€ft mit hoher KapazitĂ€tsauslastung und wachsendem Kundenstamm rund.
Auf Segmentebene fĂ€llt die Bilanz allerdings gemischt aus. Das D&PD-Segment kam im zweiten Quartal auf vorlĂ€ufige Umsatzerlöse von rund 108,1 Millionen Euro, ein RĂŒckgang von etwa 15 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresquartal. Bei Just-Evotec-Biologics fielen die Erlöse im ersten Halbjahr mit rund 72,3 Millionen Euro sogar um etwa 29 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.
CEO Christian Wojczewski bezeichnete die Anpassung als zeitliche Verschiebung, nicht als Neubewertung des zugrunde liegenden GeschĂ€ftspotenzials. Die Pipeline an GesprĂ€chen mit etablierten Partnern in Bereichen wie Onkologie, Nierenerkrankungen und Adipositas sei so aktiv wie nie. CFO Claire Hinshelwood verwies darauf, dass die verschobenen Erlöse ĂŒberdurchschnittlich margenstark sind â was den ĂŒberproportionalen Effekt auf das EBITDA erklĂ€rt.
Sparprogramm lÀuft weiter
Am Kostenprogramm Horizon Ă€ndert sich durch die Prognosesenkung nichts. Evotec bleibt nach eigenen Angaben auf Kurs, im laufenden Jahr rund 20 bis 30 Prozent der bis Ende 2027 geplanten Kostenbasis-Verbesserung von 75 Millionen Euro zu realisieren. Die im Zuge der Q1-Zahlen angekĂŒndigte PrĂŒfung strategischer Optionen auf Konzernebene lĂ€uft ebenfalls weiter, ein Update dazu steht noch aus.
Die vollstÀndigen Zahlen zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr will Evotec am 13. August 2026 vorlegen. Bereits am Dienstag, dem 14. Juli, will das Management ab 14:00 Uhr MESZ in einem Webcast Investoren und Analysten Rede und Antwort stehen.
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