Gelingt ein Gaza-Deal?
29.09.2025 - 07:35:05Die Beratungen ĂŒber den Plan seien "in der Endphase", sagte Trump der Nachrichtenseite "Axios". Die arabische Welt wolle Frieden, ebenso Israel. Nach Medienberichten prĂ€sentiert er den Entwurf mit 21 Punkten an diesem Montag um 11.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) im WeiĂen Haus.
Umfassender Plan fĂŒr Neuordnung in Gaza
Der Plan sieht nach israelischen und US-Berichten eine sofortige Freilassung der verbliebenen von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln vor - im Gegenzug fĂŒr Hunderte palĂ€stinensische Gefangene - sowie den RĂŒckzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen. Die Terrororganisation Hamas soll bei der Verwaltung des KĂŒstenstreifens keine Rolle mehr spielen, auch Israel darf das Gebiet nicht annektieren. Stattdessen soll der Gazastreifen von einer Ăbergangsregierung palĂ€stinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werden.
Teil des Plans sind den Berichten zufolge auch der Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung des weitgehend zerstörten KĂŒstengebiets. Die palĂ€stinensische Bevölkerung soll dazu ermutigt werden, im Gazastreifen zu bleiben und dort eine bessere Zukunft aufzubauen. Die Hamas soll entwaffnet werden und eine internationale Sicherheitstruppe zunĂ€chst fĂŒr Ordnung sorgen, wĂ€hrend eine palĂ€stinensische Polizeitruppe ausgebildet wird.
Netanjahu: Freies Geleit fĂŒr Hamas-AnfĂŒhrer denkbar
Netanjahu sagte dem US-Sender Fox News, man wolle den Hamas-AnfĂŒhrern unter UmstĂ€nden freies Geleit ins Ausland gewĂ€hren. Wenn sie den Krieg beenden und alle Geiseln freilassen, werde man sie gehen lassen, sagte er. Bislang lehnt die Hamas eine Niederlegung der Waffen strikt ab.
Auch ein Weg zu einem kĂŒnftigen palĂ€stinensischen Staat als Ergebnis von Friedensverhandlungen unter US-Vermittlung wird als Teil des Plans in Aussicht gestellt. Die im Westjordanland herrschende PalĂ€stinensische Autonomiebehörde soll demnach ein Reformprogramm umsetzen, um spĂ€ter auch im Gazastreifen die Kontrolle ĂŒbernehmen zu können. Beide Punkte lehnt Netanjahu jedoch vehement ab.
Mit einer offiziellen Reaktion Israels auf den Plan wird erst nach dem Treffen gerechnet, möglicherweise erst nach Netanjahus RĂŒckkehr nach Israel. Die Hamas teilte am Sonntag mit, sie habe noch keinen Vorschlag erhalten.
Trump spricht von "Chance fĂŒr echten Frieden"
Trump sagte "Axios" zu seinen BemĂŒhungen: "Alle sind zusammengekommen, um ein Abkommen zu erzielen, aber wir mĂŒssen es noch unter Dach und Fach bringen." Die Zusammenarbeit mit den arabischen LĂ€ndern sei "fantastisch" gewesen.
Er gehe davon aus, dass die Hamas sich ihnen anschlieĂen werde, sie habe groĂen Respekt vor der arabischen Welt. "Die arabische Welt will Frieden, Israel will Frieden und Bibi will Frieden." Wenn ein Deal gelingt, wird davon nach Ansicht des US-PrĂ€sidenten nicht nur Israel profitieren. "Es wird die erste Chance fĂŒr echten Frieden im Nahen Osten sein. Aber wir mĂŒssen es zuerst schaffen", zitiert ihn Axios.
Nach Angaben von US-VizeprĂ€sident JD Vance finden die Verhandlungen aktuell zwischen Vertretern arabischer LĂ€nder, Israels und der US-Regierung statt. FĂŒr die US-Seite wĂŒrden der Sondergesandte Steve Witkoff und US-AuĂenminister Marco Rubio die GesprĂ€che leiten, sagte Vance dem Sender Fox News. Vance gab sich dort optimistisch, betonte aber, dass Verhandlungen auch noch in letzter Minute scheitern könnten.
Ultrarechte erhöhen vor Trump-Treffen Druck auf Netanjahu
Ultrarechte Koalitionspartner und Siedlervertreter erhöhten vor dem Treffen den Druck auf den israelischen Regierungschef. Sie drÀngten Netanjahu, Teile des besetzten Westjordanlands zu annektieren und den Krieg im Gazastreifen nicht ohne eine komplette militÀrische Niederlage der Hamas zu beenden, berichtete die "Times of Israel".
Trump weckt seit Tagen erneut Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Gaza-Kriegs. Er betonte auch, er werde es Israel nicht erlauben, sich das Westjordanland einzuverleiben. Die PalĂ€stinenser beanspruchen das Gebiet als Teil eines kĂŒnftigen unabhĂ€ngigen Staates. Mehrere wichtige westliche LĂ€nder hatten zuletzt einen palĂ€stinensischen Staat anerkannt.
Hamas fordert Angriffsstopp Israels - Leben von Geiseln bedroht
Die Hamas rief die israelische Armee am Sonntag dazu auf, ihre Angriffe in der Stadt Gaza 24 Stunden lang einzustellen. Das Leben zweier israelischer Geiseln sei in echter Gefahr, hieĂ es in einer Mitteilung des militĂ€rischen Arms der Hamas. Die Truppen mĂŒssten sich auch unverzĂŒglich in ein Gebiet sĂŒdlich der "StraĂe 8" in der Stadt Gaza zurĂŒckziehen, damit versucht werden könne, die beiden Geiseln "herauszuholen".
Zuvor hatten die Kassam-Brigaden mitgeteilt, der Kontakt mit den beiden Geiseln sei in den letzten 48 Stunden wegen der intensiven israelischen Angriffe in der Stadt abgebrochen. Israel ging jedoch nicht auf diese Forderung der Terrororganisation ein. Im Gazastreifen werden noch 48 Geiseln festgehalten, darunter auch deutsche StaatsbĂŒrger. 20 von ihnen sind nach israelischen Informationen noch am Leben.
Bericht: Dutzende Tote bei fortwÀhrenden Angriffen im Gazastreifen
Bei fortwĂ€hrenden israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa mindestens 41 Menschen getötet worden. Die israelische Armee teilte mit, binnen 24 Stunden seien rund 140 militĂ€rische Ziele in dem KĂŒstenstreifen angegriffen worden.
Rund 780.000 Zivilisten sind nach israelischen Armeeangaben bereits aus der Stadt Gaza geflohen, in der sich vor Beginn der Bodenoffensive vor zwei Wochen nach SchÀtzungen etwa eine Million Menschen aufhielten.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast zwei Jahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 66.000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Auslöser des Kriegs war das von Terroristen der Hamas und anderer Organisationen verĂŒbte Massaker in Israel, bei dem am 7. Oktober 2023 rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren.

