WDH / ROUNDUP 2: Nato-VerbĂŒndete DĂ€nemarks starten Mission in Grönland
15.01.2026 - 17:06:31(fehlendes Wort im 8. Absatz ergÀnzt)
BERLIN/KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Nach erfolglosen GesprĂ€chen in Washington zur Beilegung des Grönland-Konflikts schicken mehrere Nato-VerbĂŒndete DĂ€nemarks Soldaten auf die Arktisinsel. An der Erkundungsmission beteiligt sich auch die Bundeswehr. Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen startete ein Transportflugzeug vom Typ A400M mit Soldaten an Bord. Ein KrisengesprĂ€ch zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland hatte am Mittwoch keine Lösung im Konflikt um die BesitzansprĂŒche der USA auf die Insel gebracht.
"Es geht darum, die Möglichkeiten der GewĂ€hrleistung der Sicherheit mit Blick auf russische und chinesische Bedrohungen in der Arktis zu eruieren", teilte das Bundesverteidigungsministerium mit. Dies erfolge auf Einladung und unter der FĂŒhrung des BĂŒndnispartners DĂ€nemark. "Ziel ist es, dass wir uns ein fundiertes Bild vor Ort verschaffen, fĂŒr weitere GesprĂ€che und Planungen innerhalb der Nato."
Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Staatsgebiet DĂ€nemarks, eines Nato-Mitglieds. US-PrĂ€sident Donald Trump will die riesige rohstoffreiche Insel jedoch den USA einverleiben. Er begrĂŒndet seine Forderungen mit der Sicherheit fĂŒr die Region und die US-Bevölkerung, die er durch China und Russland bedroht sieht. Die EuropĂ€er wollen ihn davon ĂŒberzeugen, dass Grönland am besten im Rahmen der Nato geschĂŒtzt werden kann.
Pistorius betont enge Abstimmung besonders mit USA
Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wies zum Abflug des deutschen Kontingents darauf hin, dass Russland und China die Arktis zunehmend militĂ€risch nutzten und damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage stellten. "Die Nato wird dies nicht zulassen und auch weiterhin fĂŒr die regelbasierte internationale Ordnung eintreten." Entscheidend sei fĂŒr ihn, "dass wir uns bei der gemeinsamen Erkundung in Grönland unter dĂ€nischer FĂŒhrung innerhalb der Nato, insbesondere mit unseren US-Partnern, sehr gut abstimmen".
Mehrere Nationen beteiligen sich an Erkundung
Es handelt sich bei der Erkundung unter der FĂŒhrung DĂ€nemarks nicht um eine Mission der Nato - die beteiligten LĂ€nder sind aber Mitgliedsstaaten der Verteidigungsallianz. FĂŒr Deutschland kĂŒndigte das Verteidigungsministerium 13 Soldaten an. Norwegen schickt zwei Personen, Schweden "einige Offiziere", Finnland zwei und GroĂbritannien einen.
Frankreichs StaatsprĂ€sident Emmanuel Macron erklĂ€rte: "Eine erste Gruppe französischer Soldaten ist schon vor Ort und wird in den nĂ€chsten Tagen von Land-, Luft- und MarinekrĂ€ften verstĂ€rkt werden." Auf der Plattform X hatte er in der Nacht von "gemeinsamen Ăbungen" gesprochen, die DĂ€nemark organisiert habe. Sie liefen unter dem Namen "Operation Arctic Endurance" (auf Deutsch etwa: "Einsatz Arktische Ausdauer").
Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles schloss eine spanische Beteiligung nicht aus, mahnte aber zur Vorsicht. Eine Annexion Grönlands durch die USA wĂ€re Ă€uĂerst besorgniserregend. "Aber wir werden bei unseren Entscheidungen umsichtig vorgehen", sagte sie. "Ich bin der festen Ăberzeugung, dass eine Annexion inakzeptabel und Ă€uĂerst schwerwiegend ist. Aber ich glaube nicht, dass wir uns in dieser Situation befinden."
Keine Einigung bei Grönland-Verhandlungen in Washington
Der dĂ€nische AuĂenminister Lars LĂžkke Rasmussen sagte in Washington nach dem Treffen mit US-AuĂenminister Marco Rubio und VizeprĂ€sident JD Vance, dass zwischen den Parteien weiterhin eine "fundamentale Meinungsverschiedenheit" bestehe. An dem GesprĂ€ch nahm auch die fĂŒr die grönlĂ€ndische AuĂenpolitik zustĂ€ndige Ministerin Vivian Motzfeldt teil.
Trump hatte schon vor dem gut einstĂŒndigen GesprĂ€ch in einem GebĂ€ude der US-Regierung nahe dem WeiĂen Haus klargemacht, von seinem Ziel keinen Millimeter abzuweichen. Alles andere als ein Grönland in der Hand der Vereinigten Staaten sei "inakzeptabel", schrieb Trump auf seiner Internet-Plattform Truth Social.
Ăbung im hohen Norden fĂŒr Bundeswehr kein Neuland
Die Soldaten der Bundeswehr flogen nicht direkt nach Grönland, sondern zunĂ€chst ins dĂ€nische Karup, wo sich ein groĂer LuftwaffenstĂŒtzpunkt befindet. DĂ€nemark hatte nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums angeboten, mit seinem Erkundungsteam und weiteren Partnern am Freitag gemeinsam nach Grönland zu fliegen. Dies werde mit einem zivilen dĂ€nischen Flugzeug geschehen, hieĂ es aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. Und weiter: "Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Flug ein starkes Zeichen unserer Geschlossenheit".
Ein Einsatz im hohen Norden ist fĂŒr die Bundeswehr kein Neuland. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag nahmen 2024 und 2025 deutsche Soldatinnen und Soldaten an 40 Ăbungen jenseits des nördlichen Polarkreises teil. DarĂŒber berichtete zuerst die "taz". Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Ulrich Thoden, wertete diese Ăbungen in der Zeitung als Ausdruck eines "abenteuerlichen Expansionskurses" der Bundeswehr.
Bundeswehr hat neuen FernaufklĂ€rer zum Ăberwachen von Meeren
Wenn die Nato die Ăberwachung der GewĂ€sser rund um Grönland ausbauen will, könnte sich die Marine zum Beispiel mit ihrem neuen SeefernaufklĂ€rer daran beteiligen. Die erste Maschine vom Typ P-8A "Poseidon" wurde erst vor kurzem in Dienst gestellt. Mit dem Flugzeug ist die Besatzung in der Lage, groĂe Seegebiete zu ĂŒberwachen, Schiffsbewegungen zu verfolgen und U-Boote mit Radar sowie akustischen und optischen Systemen zu orten.

