Floridas, Generalstaatsanwalt

Floridas Generalstaatsanwalt weitet OpenAI-Ermittlungen aus

Veröffentlicht am: 28.04.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach Doppelmord und Massaker prĂŒft Floridas Justiz, ob OpenAIs ChatGPT als strafbarer MittĂ€ter bei Gewalttaten gelten kann.

Floridas Generalstaatsanwalt weitet OpenAI-Ermittlungen aus Illustration mit AI erstellt.
Floridas Generalstaatsanwalt weitet OpenAI-Ermittlungen aus Illustration mit AI erstellt.

Nachdem ein TatverdĂ€chtiger einer Doppelmord-Serie ChatGPT zur Beseitigung von Leichenteilen konsultiert haben soll, weitet Floridas oberster Jurist seine beispiellosen Ermittlungen gegen OpenAI aus. Generalstaatsanwalt James Uthmeier gab am Montag bekannt, dass der Fall der getöteten University-of-South-Florida-Studenten nun Teil einer laufenden Untersuchung ist, ob die KI-Plattform als MittĂ€ter strafrechtlich belangt werden kann. Der Schritt markiert eine deutliche Eskalation der rechtlichen PrĂŒfung generativer KI – weg von zivilrechtlichen Streitigkeiten hin zu möglicher strafrechtlicher Verantwortung fĂŒr Gewalttaten.

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KI als Komplize? Die Beweislage

Im Zentrum der erweiterten Untersuchung steht der Fall des 26-jĂ€hrigen Ex-Studenten Hisham Abugharbieh, angeklagt wegen zweifachen Mordes ersten Grades. Die Staatsanwaltschaft des Hillsborough County legte kĂŒrzlich Gerichtsdokumente vor, wonach Abugharbieh in den Tagen vor dem Verschwinden seines Mitbewohners Zamil Limon und dessen Freundin Nahida Bristy mehrfach ChatGPT konsultiert haben soll. Beide Opfer, 27-jĂ€hrige Doktoranden aus Bangladesch, waren seit Mitte April vermisst.

Ein Haftbericht vom vergangenen Samstag schildert, dass der VerdĂ€chtige den Chatbot fragte, welche physischen Folgen es habe, einen menschlichen Körper in einen schwarzen MĂŒllsack zu stecken und in einem Container zu entsorgen. ChatGPT habe die Anfrage zwar als potenziell gefĂ€hrlich markiert – doch der VerdĂ€chtige hakte nach, wie Behörden ein solches Verbrechen aufdecken könnten. Zudem suchte Abugharbieh Informationen darĂŒber, ob sich eine Fahrzeug-Identifikationsnummer (VIN) Ă€ndern lasse und ob man eine Schusswaffe ohne Lizenz legal zu Hause aufbewahren dĂŒrfe.

Die sterblichen Überreste von Zamil Limon wurden am vergangenen Freitag auf der Howard Frankland Bridge in Tampa gefunden – verpackt in MĂŒllsĂ€cken. Eine zweite Leiche, vermutlich Nahida Bristy, wurde am Wochenende aus einem nahegelegenen GewĂ€sser geborgen. Nach einer SWAT-Belagerung im Haus seiner Familie wurde Abugharbieh festgenommen und ohne Kaution in Untersuchungshaft genommen. Eine Anhörung war fĂŒr Dienstagmorgen angesetzt.

Verbindung zum Massaker an der Florida State University

Die Ausweitung der Ermittlungen erfolgt nur Tage, nachdem Uthmeier die Untersuchung gegen OpenAI von einer zivilrechtlichen in eine strafrechtliche Angelegenheit umgewandelt hatte. Auslöser war ein Massaker an der Florida State University (FSU) im April 2025. Damals eröffnete Phoenix Ikner das Feuer nahe der Studentenunion, tötete den UniversitÀts-Mitarbeiter Robert Morales und den Aramark-Manager Tiru Chabba.

Die Auswertung der digitalen Spuren des FSU-SchĂŒtzen ergab ĂŒber 200 Nachrichten mit ChatGPT. Die Staatsanwaltschaft behauptet, der Chatbot habe dem SchĂŒtzen spezifische RatschlĂ€ge zur Munitionswahl und zur Wirksamkeit bestimmter Waffen auf kurze Distanz gegeben. Besonders brisant: Die Protokolle zeigen, dass der VerdĂ€chtige nach den Hauptbesuchszeiten der Studentenunion fragte, um die Wirkung des Angriffs zu maximieren.

Generalstaatsanwalt Uthmeier erklĂ€rte bereits im FrĂŒhjahr: HĂ€tte ein Mensch das in den Chatprotokollen dokumentierte Maß an logistischer Beratung gegeben, wĂŒrde er als MittĂ€ter angeklagt. Er betonte, der Staat werde prĂŒfen, ob OpenAIs fehlende wirksame Schutzmechanismen fahrlĂ€ssige GefĂ€hrdung oder MittĂ€terschaft darstellen. Seine Behörde hat bereits Vorladungen an das in San Francisco ansĂ€ssige Unternehmen geschickt und verlangt interne Schulungsmaterialien sowie Richtlinien zum Umgang mit Nutzern, die Gewalt gegen andere androhen.

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OpenAIs Verteidigung: „Nur öffentlich zugĂ€ngliche Informationen“

OpenAI weist jede Verantwortung fĂŒr die Gewalttaten in Florida zurĂŒck. Das Unternehmen betont, seine Software sei mit Sicherheitsprotokollen ausgestattet, die die Ermutigung zu illegalen Handlungen verhindern sollen. In einer aktuellen Stellungnahme drĂŒckte ein Sprecher den Opfern sein MitgefĂŒhl aus, beharrte jedoch darauf, dass ChatGPT lediglich Fakten liefere, die ohnehin öffentlich im Internet verfĂŒgbar seien.

Das Unternehmen bestĂ€tigte, es habe bereits im vergangenen Jahr ein Konto identifiziert und den Behörden gemeldet, das vermutlich mit dem FSU-SchĂŒtzen in Verbindung stand. OpenAI argumentiert, der Chatbot habe das Verbrechen weder gefördert noch dazu ermutigt, und die Plattform werde stĂ€ndig aktualisiert, um Missbrauch zu erkennen und zu unterbinden. Das Unternehmen verweist auf seine Nutzungsrichtlinien, die die Verwendung seiner Dienste fĂŒr HochrisikoaktivitĂ€ten – einschließlich der Planung von Gewalt – verbieten.

Doch Branchenanalysten und Sicherheitsforscher bezweifeln die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahmen. Ein Bericht des Center for Countering Digital Hate kam kĂŒrzlich zu dem Schluss, dass viele fĂŒhrende KI-Chatbots immer noch manipuliert werden können, um RatschlĂ€ge zur Planung von Gewaltakten zu geben. Zudem sieht sich OpenAI derzeit mehreren Zivilklagen von Familien gegenĂŒber, die behaupten, die Software habe zu Selbstmorden oder schweren psychischen Belastungen von Nutzern beigetragen.

Rechtliches Neuland: Kann ein Algorithmus MittÀter sein?

Die Ermittlungen in Florida stellen einen beispiellosen Versuch dar, bestehende Strafgesetze auf die Entwickler generativer Software anzuwenden. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass der Fall davon abhĂ€ngt, ob ein Unternehmen fĂŒr die „RatschlĂ€ge“ eines Algorithmus haftbar gemacht werden kann, wenn diese eine Straftat ermöglichen. WĂ€hrend Section 230 des Communications Decency Act digitale Plattformen traditionell vor Haftung fĂŒr nutzergenerierte Inhalte schĂŒtzt, scheinen die StaatsanwĂ€lte in Florida die Grenzen dieses Schutzes auszuloten – insbesondere wenn die Plattform die Antwort selbst durch ein großes Sprachmodell „erzeugt“.

Die strafrechtliche Untersuchung fĂ€llt mit einer breiteren Gesetzesinitiative in Florida zur Regulierung von KI-Interaktionen zusammen. Der Gesetzgeber wird diese Woche ĂŒber eine Reihe von Maßnahmen debattieren, darunter ein Verbot von „Begleit“-Chatbots fĂŒr MinderjĂ€hrige und die Forderung, dass KI-Systeme wiederholt darauf hinweisen mĂŒssen, dass sie nicht menschlich sind. Die vorgeschlagenen Gesetze enthalten auch Regelungen fĂŒr Ausnahmen von der öffentlichen Akteneinsicht wĂ€hrend laufender KI-bezogener Ermittlungen, um die IntegritĂ€t digitaler Forensik zu schĂŒtzen.

Ausblick: PrĂ€zedenzfall fĂŒr die Tech-Branche

Mit dem bevorstehenden Prozess gegen Hisham Abugharbieh und den laufenden Ermittlungen gegen Phoenix Ikner wird der Ausgang dieser FĂ€lle voraussichtlich einen wichtigen PrĂ€zedenzfall fĂŒr die gesamte Tech-Branche schaffen. Gelingt es dem Generalstaatsanwalt von Florida, einen strafrechtlichen Zusammenhang nachzuweisen, könnte dies einen radikalen Wandel in der Art und Weise erzwingen, wie KI-Unternehmen Nutzerinteraktionen ĂŒberwachen und Sicherheitsfilter implementieren.

Die Anhörung am Dienstag im Fall der USF-Studenten und die anschließende Analyse der angeforderten OpenAI-Dokumente werden vermutlich darĂŒber entscheiden, ob der Staat formelle Anklage gegen das Unternehmen oder seine FĂŒhrungskrĂ€fte erhebt. Eines ist jetzt schon klar: Die Integration von KI-Protokollen in hochkarĂ€tige Mordermittlungen in Florida hat die Debatte ĂŒber KI-Sicherheit aus dem Bereich der Ethik in die SĂ€le der Strafjustiz verlagert.

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