Geld erst nach vier Stunden FlugverspÀtung
Veröffentlicht: 05.06.2025 um 18:10 Uhr, dpa.deEine Mehrheit der EU-Verkehrsminister hat sich bei einem Treffen in Luxemburg fĂŒr die Ănderung ausgesprochen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus EU-Diplomatenkreisen erfuhr. Das Europaparlament kann noch Ănderungen an den neuen Regeln vornehmen.
Die Vier-Stunden-Regel soll dem Willen der Minister zufolge fĂŒr Distanzen bis 3.500 Kilometer gelten. FĂŒr lĂ€ngere Flugreisen ist eine Frist von sechs Stunden vorgesehen.
Die Bundesregierung hatte sich dafĂŒr eingesetzt, dass Passagiere wie bisher ab drei Stunden VerspĂ€tung entschĂ€digt werden und dafĂŒr pauschal eine EntschĂ€digung von 300 Euro bekommen. Dadurch wĂ€ren Verbraucherrechte gewahrt, aber auch Fluggesellschaften auf LangstreckenflĂŒgen entlastet worden, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vor dem Treffen.
Entsprechend stimmte Deutschland der Ănderung bei der Sitzung in Luxemburg nicht zu. VerbraucherschĂŒtzer warnen davor, dass bei einer Ănderung deutlich weniger Passagiere entschĂ€digt werden wĂŒrden.
Bislang EntschÀdigung bis zu 600 Euro
Laut geltender Fluggastrechteverordnung besteht bislang fĂŒr FluggĂ€ste pauschal ab drei Stunden VerspĂ€tung Anspruch auf EntschĂ€digung, sofern die Airline diese verschuldet:
* 250 Euro fĂŒr FlĂŒge bis 1.500 km
* 400 Euro fĂŒr FlĂŒge bis 3.500 km
* 600 Euro fĂŒr LangstreckenflĂŒge mit mehr als 3.500 km
Airlines argumentieren mit schnelleren ErsatzflĂŒgen
Der deutsche Lobbyverband BDL hatte beim Institut Yougov eine Umfrage unter Passagieren in Auftrag gegeben. Unter der Vorgabe, dass sie noch am selben Tag ihr Ziel erreichen, waren demnach 73 Prozent der befragten Passagiere bereit, erst nach fĂŒnf Stunden VerspĂ€tung einen EntschĂ€digungsanspruch zu erhalten.
Nur 21 Prozent fanden die EntschĂ€digungszahlung bereits nach drei Stunden wichtiger. DafĂŒr nĂ€hmen sie in Kauf, ihr Ziel gegebenenfalls erst ein oder zwei Tage spĂ€ter zu erreichen.
Die Airlines und ihre VerbĂ€nde argumentieren, dass sie an vielen Zielen in Europa technisch nicht in der Lage seien, innerhalb von drei Stunden ein Ersatzflugzeug samt Crew zu stellen. Im Zweifel werde dann auf einen zusĂ€tzlichen Flug verzichtet, weil die hohen EntschĂ€digungszahlungen ohnehin bereits angefallen seien. FĂŒnf Stunden sei die bessere Frist. Wie viel mehr ErsatzflĂŒge genau durch eine FĂŒnf-Stunden-Regel noch am selben Tag stattfinden wĂŒrden, ist unklar.
Widerstand im Europaparlament
GrundsĂ€tzlich haben die Parlamentarier bei dem Vorhaben noch ein Wort mitzureden und mĂŒssen den neuen Regeln ebenfalls zustimmen. Der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen betonte vor der Abstimmung, dass das EuropĂ€ische Parlament bereits eine Position habe, "und ich sehe keinen Grund, diese gute Position noch einmal anzupassen". Voraussichtlich wolle das Europaparlament die Drei-Stunden-Vorgabe beibehalten. Der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke betonte: "Als Parlament werden wir keine Verschlechterung des Status quo akzeptieren."
