AKTIEN IM FOKUS 3: Vor allem deutsche Autobauer wegen Zollandrohung unter Druck
19.01.2026 - 16:39:11(neu: mehr Details, Kommentar der Citigroup und aktuelle Kurse)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Risiko weiterer Importzölle der USA auf Einfuhren europĂ€ischer Nato-Staaten hat am Montag zuvorderst die Kurse deutscher Automobilhersteller belastet. Sie litten unter angekĂŒndigten Zöllen durch US-PrĂ€sident Donald Trump gegen Deutschland, DĂ€nemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, GroĂbritannien, die Niederlande und Finnland.
Die Zölle sollen gelten, bis eine Einigung ĂŒber den "vollstĂ€ndigen und umfassenden Kauf Grönlands" durch die USA erzielt ist, wie Trump sagte. Vom 1. Februar an sollen - zusĂ€tzlich zu den bestehenden Zöllen - Zölle auf alle Waren in Höhe von 10 Prozent und ab 1. Juni in Höhe von 25 Prozent erhoben werden.
Henning Cosman, Analyst bei der britischen Bank Barclays, sprach angesichts der Drohungen Trumps im Zusammenhang mit dem Grönland-Konflikt von einer "beunruhigenden Rhetorik", auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar sei, ob die neu angedrohten Zölle tatsÀchlich in Kraft trÀten.
Geopolitische Risiken mit Blick auf die Autobranche ĂŒberraschten ihn nicht, schrieb Cosman. Die Bedrohung sei jedoch nun greifbarer geworden und trete zudem frĂŒher als erwartet ein, selbst wenn es Abkommen, Verzögerungen und/oder Ausnahmen geben werde. "Das diskutierte AusmaĂ wĂŒrde die Margen der europĂ€ischen ErstausrĂŒster erheblich belasten", ergĂ€nzte er und hĂ€lt die deutschen Autobauer fĂŒr am stĂ€rksten betroffen vom aktuellen Zollrisiko.
BMW DE0005190003 gaben unter den schwĂ€chsten Dax-Aktien DE0008469008 um 3,3 Prozent auf 85,82 Euro nach, Mercedes-Benz DE0007100000 sanken um 2,4 Prozent auf 57,44 Euro, VW DE0007664039 verloren 2,8 Prozent auf 98,60 Euro und die Papiere der VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE DE000PAH0038 gaben um 3,7 Prozent auf 36,13 Euro nach. Im MDax DE0008467416 bĂŒĂten Porsche AG DE000PAG9113 3,1 Prozent auf 40,89 Euro ein. Die Papiere von Zulieferern wie Continental DE0005439004, Infineon DE0006231004, Aumovio DE000AUM0V10 und Schaeffler DE000SHA0100 gerieten ebenfalls unter Druck.
Der europÀische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts EU0009658681 sackte zugleich auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober. In Paris gaben Renault FR0000131906 und Michelin FR0000121261 jeweils um 1,6 Prozent nach. Stellantis NL00150001Q9 fielen um 2,2 Prozent. Ferrari NL0011585146 verloren 2,4 Prozent.
WĂ€hrend Cosman die Auswirkungen auf Ferrari als "weniger klar" bezeichnete, dĂŒrften Renault und Stellantis ihm zufolge weitgehend unbeeinflusst von den Trumpschen Zollandrohungen bleiben. Renault importiere keine Fahrzeuge aus Europa in die USA und Stellantis fĂŒhre keine nennenswerten Mengen ein, sagte sein Kollege Christophe Boulanger. Auch fĂŒr Zulieferer sieht der Autoexperte von Barclays geringere Risiken.
Citigroup-Analyst Harald Hendrikse sieht aktuell schwarz fĂŒr die Autobranche: "Es ist schwer vorstellbar, dass 2026 schlechter hĂ€tte beginnen können." Dabei erinnerte er obendrein daran, dass im EU-Abkommen zur CO2-Reduzierung bis 2035 "keine ausreichenden Ănderungen" hĂ€tten erzielt werden können und die EU zudem mit China eine Vereinbarung zur Umstellung der Einfuhrzölle fĂŒr Elektrofahrzeuge auf einen Mindestpreis getroffen hat.
Zwar spiegeln sich laut Hendrikse zahlreiche Risiken bezĂŒglich der Ergebnisse und der Stimmung fĂŒr den Sektor in den Kursen bereits wider, doch die Nachrichtenlage mĂŒsse sich "deutlich verbessern, bevor Investoren wieder in EU-Automobile investieren werden". Am stĂ€rksten betroffen von den möglichen neuen Zöllen sind ihm zufolge zuvorderst die Gewinne von Porsche AG und VW, gefolgt von Mercedes-Benz und BMW.
Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades fasste die Stimmung zusammen: "US-PrĂ€sident Donald Trump schwingt erneut die Zoll-Keule und trifft Europa damit an einem empfindlichen Nerv." Investoren dĂŒrften sich schmerzlich an Anfang April 2025 erinnern, als Trump seine ersten ZollplĂ€ne vorgestellt hatte und der deutsche Leitindex Dax "innerhalb kĂŒrzester Zeit um sage und schreibe mehr als 18 Prozent in die Tiefe rauschte". Weil im Polit-Thriller um Grönland die diplomatischen Fronten verhĂ€rtet seien, sei davon auszugehen, dass die Kursschwankungen an den europĂ€ischen AktienmĂ€rkten jetzt massiv zunehmen dĂŒrften.

