VerhÀrtete Fronten bei erneutem Pilotenstreik
13.04.2026 - 15:53:10 | dpa.de(neu: Spohr-Aussagen)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der erneute Pilotenstreik bei der Lufthansa DE0008232125 hat fĂŒr hunderte FlugausfĂ€lle gesorgt und die Fronten zwischen den Verhandlungspartnern verhĂ€rtet. Das Unternehmen hat die Forderungen der Piloten als "absurd und unerfĂŒllbar" bezeichnet. Erneut mussten tausende Passagiere ihre ReiseplĂ€ne Ă€ndern.
Am Montag warnte Personalvorstand Michael Niggemann die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. Mit Blick auf die entstehenden Kosten betonte der Manager: "Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft."
Im GesprÀch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar, dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde. "Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke", sagte Spohr.
Der Lufthansa-Chef hielt den Spartengewerkschaften vor, dass sie in einem Dilemma steckten: "Keine der von ihnen tarifierten Airlines nimmt am erfreulichen Wachstum unserer Lufthansa Group mit ihren insgesamt 14 Airlines ĂŒberhaupt noch teil." Die Ursachen dafĂŒr lĂ€gen in "oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen - teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline."
Erster Streik bei Eurowings
Die VC hatte die Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Lufthansa Cityline zu Arbeitsniederlegungen bis einschlieĂlich Dienstag aufgerufen. Es ist bereits die dritte Streikwelle in der laufenden Auseinandersetzung um höhere Betriebsrenten. Am Montag wurde zudem erstmals der Ferienflieger Eurowings fĂŒr einen Tag bestreikt.
Protest zum JubilĂ€um angekĂŒndigt
Erst am Freitag vergangener Woche hatte ein Streik der Kabinengewerkschaft Ufo hunderte FlĂŒge ausfallen lassen. Die Gewerkschaft zeigte sich entschlossen, ihren Protest auch auf die fĂŒr Mittwoch (15. April) angesetzte Feierstunde zum 100. Jahrestag der Lufthansa-GrĂŒndung zu tragen.
Eine entsprechende Kundgebung vor dem neuen Tagungs- und Besucherzentrum am Flughafen sei angemeldet, sagte ein Sprecher. Auch die VC hat ihre Mitglieder zur Teilnahme an den Protesten aufgefordert. Zu der Feierstunde wird unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
VC-PrĂ€sident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa fĂŒr die erneute Streikwelle verantwortlich. "Trotz eines bewussten Verzichts auf StreikmaĂnahmen ĂŒber die Osterfeiertage blieben ernstzunehmende Angebote aus. In dieser Zeit gab es weder eine Reaktion noch erkennbare GesprĂ€chsbereitschaft seitens der Arbeitgeber." Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden solle, sei fĂŒr die VC nicht tragfĂ€hig.
Personalchef: Streiks Àndern Strategie nicht
Niggemann begrĂŒndete erneut den harten Kurs des Managements. Die Kerngesellschaft "Lufthansa Classic" sei heute schon auf vielen Strecken nicht mehr wettbewerbsfĂ€hig, so dass man die Kosten nicht noch weiter erhöhen könne. "Es geht um die ZukunftsfĂ€higkeit der Classic."
FĂŒr den Lufthansa-Konzern sei klar, dass Flugzeuge nur dort eingesetzt werden könnten, wo sie profitabel fliegen. Aus diesem Grund wĂŒrden Gesellschaften auĂerhalb der Kernmarke wie die neue Tochter Lufthansa City Airlines wachsen - auf Kosten der Kerngesellschaft. "Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen."
Die Lufthansa Kerngesellschaft ist zwar die mit Abstand gröĂte, aber auch unprofitabelste Airline im Konzern. Der Vorstand fĂŒhrt das unter anderem auf hohe GehĂ€lter und starre DienstplĂ€ne der Crews zurĂŒck.
In den vergangenen Jahren wurden mit Discover und City Airlines neue Flugbetriebe gegrĂŒndet, die kostengĂŒnstiger unterwegs sein sollen. Zum Jahreswechsel stellten sie 45 von insgesamt 387 Passagierflugzeugen unter der Marke Lufthansa und sollen auch in den kommenden Jahren stark wachsen. Bei den TarifvertrĂ€gen blieben die Spartengewerkschaften auĂen vor und Verdi machte entsprechende VertrĂ€ge fĂŒr das fliegende Personal.
Mehr als 1.100 Absagen allein in Frankfurt
An den FlughĂ€fen standen zum Auftakt der vierten Streikwelle im laufenden Jahr viele Maschinen still. Allein in Frankfurt waren fĂŒr die beiden Tage zusammen mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt worden. In MĂŒnchen wurden 710 Flugbewegungen gestrichen.
Lufthansa wollte rund die HĂ€lfte der LangstreckenflĂŒge stattfinden lassen. Auf der Nah- und Mittelstrecke sollte etwa jeder dritte Flug erfolgen. Ăhnliches ist auch am Dienstag zu erwarten.
Bei Eurowings sollten rund 60 Prozent des ursprĂŒnglichen Plans geflogen werden. Der Ferienflieger kann zum einen auf die in Malta registrierte Eurowings Europe zĂ€hlen, die nicht unter deutsches Tarifrecht fĂ€llt. Zudem könne man auf UnterstĂŒtzung von Partner-Airlines rechnen. An den groĂen NRW-FlughĂ€fen DĂŒsseldorf und Köln fiel knapp die HĂ€lfte der geplanten Eurowings-Starts aus.
Auf den Internetseiten sowohl der Lufthansa als auch der FlughĂ€fen wurden Passagiere gebeten, den Status ihres Fluges rechtzeitig online zu prĂŒfen und gegebenenfalls ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren.
Ausnahmen nach Nahost
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind FlĂŒge von Lufthansa und Lufthansa Cityline aus Deutschland zu folgenden Destinationen vom Streik laut VC ausgenommen: Aserbaidschan, Ăgypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate.
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