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Fraport kappt Passagierprognose und winkt mit Dividende - Kurssprung

11.11.2025 - 12:53:13

FRANKFURT - Der Flughafenbetreiber Fraport DE0005773303 rechnet im laufenden Jahr in Frankfurt jetzt mit etwas weniger Passagieren als bislang erhofft.

(neu: Aussagen aus Pressekonferenz zu Dividende, Kurs, Analystenstimme)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Flughafenbetreiber Fraport DE0005773303 rechnet im laufenden Jahr in Frankfurt jetzt mit etwas weniger Passagieren als bislang erhofft. Statt bis zu 64 Millionen dĂŒrften es rund 63 Millionen FluggĂ€ste werden. Der Rekordwert von 70,6 Millionen aus dem Jahr 2019 bleibt damit weit entfernt. An seinen Gewinnzielen fĂŒr 2025 hĂ€lt Fraport-Chef Schulte nach einem ĂŒberraschend profitablen Sommer hingegen fest. Zudem wĂ€chst die Aussicht auf die erste Dividende seit der Corona-Pandemie. Am Finanzmarkt wurden die Neuigkeiten mit einem Kurssprung belohnt.

Die Fraport-Aktie gewann bis zur Mittagszeit fast elf Prozent auf 79,60 Euro. Damit erreichte sie den höchsten Stand seit 2018 und war zugleich mit Abstand stĂ€rkster Gewinner im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroßen Werte. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als ein Drittel an Wert gewonnen.

Analysten zeigten sich vom freien Barmittelfluss im Sommer positiv ĂŒberrascht. Die Senkung der Passagierprognose entspreche hingegen den Erwartungen, schrieb Branchenexperte Ashish Khetan von der US-Bank Citigroup.

Im dritten Quartal stagnierte Fraports Umsatz mit 1,35 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der operative Gewinn legte hingegen um 23 Prozent auf 593 Millionen Euro zu und ĂŒbertraf die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Unter dem Strich entfiel auf die AktionĂ€re ein Gewinn von fast 303 Millionen Euro, ein Anstieg um fast ein Drittel.

Grund des besonders starken Gewinnanstiegs war eine außerplanmĂ€ĂŸige BeitragsrĂŒckerstattung im Zusammenhang mit der betrieblichen Alterszusatzversicherung. Sie trieb das operative Ergebnis um 50 Millionen Euro nach oben. In den ersten neun Monaten erzielte Fraport dadurch einen operativen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. Das ist fast so viel wie im gesamten Jahr 2024, als Fraport auf 1,3 Milliarden gekommen war.

FĂŒr 2025 hat sich Vorstandschef Schulte vorgenommen, den operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr moderat zu steigern. Dank des Sondereffekts im Sommer sieht er den Konzern nun auf gutem Weg zu diesem Ziel. Analysten gingen zuletzt von knapp 1,4 Milliarden Euro aus. Der Konzerngewinn vor Minderheitsanteilen Dritter dĂŒrfte laut Schulte hingegen allenfalls das Niveau von 2024 erreichen. Nach den ersten neun Monaten lag er mit 442 Millionen Euro knapp zwei Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Weil inzwischen auch die Barmittel wieder stÀrker sprudeln, kann der Konzern seinen Schuldenberg aus der Corona-Krise einfacher abtragen. Im dritten Quartal lagen die Nettoschulden bei fast 8,2 Milliarden Euro - und damit beim 5,8-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda). Ein Jahr zuvor hatte der Faktor noch bei 6,2 gelegen.

Vorstandschef Schulte und Finanzvorstand Matthias Zieschang sehen damit die Chance, dass Fraport fĂŒr 2025 erstmals seit der Pandemie wieder eine Dividende ausschĂŒttet. Eine Entscheidung falle aber erst 2026, wenn die tatsĂ€chlichen Zahlen von 2025 vorliegen, erklĂ€rte Schulte in einer Videokonferenz. Hauptprofiteure wĂ€ren das Land Hessen und die Stadt Frankfurt: Sie halten zusammen die Mehrheit der Fraport-Aktien und können deshalb maßgeblich selbst ĂŒber die Dividende entscheiden.

Unterdessen erholt sich das PassagiergeschĂ€ft an Fraports AuslandsflughĂ€fen weiterhin viel besser von der Corona-Krise als an Deutschlands grĂ¶ĂŸtem Airport in Frankfurt. Konzernweit zĂ€hlte Fraport in den ersten neun Monaten 144 Millionen FluggĂ€ste. Das waren 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr und erstmals so viele wie vor der Pandemie im Jahr 2019.

Deutlich ĂŒber dieser Schwelle liegen den Angaben zufolge die zu Fraport gehörenden RegionalflughĂ€fen in Griechenland (plus 21 Prozent), im peruanischen Lima (plus 8 Prozent) und im tĂŒrkischen Antalya (plus 7 Prozent). In Frankfurt lag das Aufkommen hingegen noch gut 12 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

"Auf dem Heimatmarkt bremsen weiterhin die viel zu hohe Luftverkehrsteuer und GebĂŒhren fĂŒr Luftsicherheit sowie Flugsicherung eine dynamischere Entwicklung aus", erklĂ€rte Fraport. Im Oktober zĂ€hlte der Konzern in Frankfurt immerhin 5,9 Prozent mehr FluggĂ€ste als im Vorjahresmonat.

Trotz der schleppenden Erholung will Fraport im kommenden April das neue Passagier-Terminal im SĂŒden des Frankfurter Flughafens eröffnen. Die KapazitĂ€t wĂ€chst jedoch nicht in diesem Maße, denn zunĂ€chst soll das rund 30 Jahre alte Terminal 2 mindestens fĂŒnf Jahre lang kernsaniert werden. 57 Fluggesellschaften ziehen deshalb in Terminal 3 um. Dazu zĂ€hlen Schwergewichte wie Air France-KLM FR001400J770, die IAG-Tochter ES0177542018 British Airways, Delta Air Lines US2473617023 und Emirates. Die Lufthansa DE0008232125 bleibt mit ihren Partnern aus der Star Alliance im Terminal 1.

Die Corona-Pandemie hatte den Bau des dritten Passagierterminals verzögert, weil wegen des damit verbundenen Luftverkehr-Schocks zusÀtzliche KapazitÀten auf einmal nicht mehr notwendig erschienen. Fraport baute trotzdem weiter, verschob die Inbetriebnahme aber um mehrere Jahre in die Zukunft.

@ dpa.de