Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Verdi-Warnstreiks treffen FlughÀfen und Lufthansa-Passagiere

06.03.2024 - 15:26:15 | dpa.de

FRANKFURT - Mit erneuten Warnstreiks gleich mehrerer Berufsgruppen legt die Gewerkschaft Verdi an diesem Donnerstag wichtige Teile des deutschen Luftverkehrs lahm.

(neu: auch Lufthansa-Flugbegleiter zum Streik bereit)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit erneuten Warnstreiks gleich mehrerer Berufsgruppen legt die Gewerkschaft Verdi an diesem Donnerstag wichtige Teile des deutschen Luftverkehrs lahm. Passagiere mĂŒssen sich auf hunderte FlugausfĂ€lle und VerspĂ€tungen einrichten. Neben dem Bodenpersonal der Lufthansa DE0008232125 sind zusĂ€tzlich die LuftsicherheitskrĂ€fte in Frankfurt und Hamburg zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Das hat zur Folge, dass an beiden FlughĂ€fen am Donnerstag keine Passagiere zusteigen können, wie die Betreiber mitteilten. Zu ersten FlugausfĂ€llen sollte es bereits am Mittwochabend kommen, weil die technischen Abteilungen des Bodenpersonals schon frĂŒher in den Warnstreik treten sollten.

Mit den rund 19 000 Flugbegleitern der Lufthansa und ihrer Tochter Cityline hat sich am Mittwoch eine weitere Berufsgruppe streikbereit gemacht. Die Kabinen-Gewerkschaft Ufo berichtete von einer ĂŒberwĂ€ltigenden Beteiligung an der Urabstimmung, bei der mehr als 96 Prozent fĂŒr einen Arbeitskampf gestimmt hĂ€tten. Einen Streiktermin nannte die Spartengewerkschaft aber noch nicht. Ein Streik sei weiterhin vermeidbar, meinte Ufo-Chef Joachim VĂĄzquez BĂŒrger. "Wir bleiben auch weiterhin offen fĂŒr angemessene Angebote und faire Lösungen des Arbeitgebers, um Streiks möglicherweise noch kurzfristig abzuwenden."

Öffentliche Signale könnte Lufthansa-Chef Carsten Spohr senden, der an diesem Donnerstag in Frankfurt die Jahresbilanz des MDax-Konzerns DE0008467416 prĂ€sentiert. Nach den bisherigen AnkĂŒndigungen hat sich Europas umsatzstĂ€rkster Luftverkehrskonzern vom Corona-Schock weiter erholt und wird nach EinschĂ€tzung von Analysten mit rund 2,7 Milliarden Euro einen der höchsten operativen Gewinne seiner Geschichte ausweisen.

Bereits am Dienstagabend hatte der Flughafen Hamburg wegen der fehlenden Sicherheitskontrollen alle 141 AbflĂŒge fĂŒr den Donnerstag gestrichen. Die Maschinen wĂŒrden teilweise ohne Passagiere starten, teilte die Pressestelle des Helmut-Schmidt-Flughafens mit. Das sei notwendig, um weitere Störungen im Flugverkehr zu vermeiden. FĂŒr Freitag erwartet der Airport viele Umbuchungen, sodass mit stark ausgelasteten FlĂŒgen zu rechnen sei. Wegen des parallelen LokfĂŒhrerstreiks entfĂ€llt aber die Möglichkeit, zumindest auf Kurzstrecken auf die Bahn umzusteigen.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport DE0005773303 empfiehlt den Passagieren, Kontakt mit ihren Airlines aufzunehmen und auf keinen Fall zum Flughafen zu kommen. UrsprĂŒnglich waren am grĂ¶ĂŸten deutschen Flughafen fĂŒr Donnerstag 1170 Starts und Landungen mit rund 160 000 Passagieren an Bord geplant. Welche Verbindungen ausfallen, sei Sache der jeweiligen Airline, sagte ein Flughafensprecher. Der Flughafenbetrieb werde aufrechterhalten, sodass Transitpassagiere weiterhin umsteigen könnten. Auch AnkĂŒnfte werden in Frankfurt möglich sein.

Der grĂ¶ĂŸte Flughafen-Kunde Lufthansa, der mehr als zwei Drittel des Frankfurter Aufkommens bestreitet, wird allerdings auch am Folgetag Freitag bis Samstagmorgen um 7.10 Uhr vom eigenen Bodenpersonal bestreikt. FĂŒr Donnerstag warnte die Airline ihre Kunden: "Die Sicherheitskontrollen außerhalb des Transitbereichs werden geschlossen sein. Ein Zugang zum Abflugbereich ist deshalb nicht möglich. Wir bitten deshalb alle GĂ€ste, die am 7. MĂ€rz ihre Reise in Frankfurt oder Hamburg beginnen möchten, nicht an den jeweiligen Airport zu kommen."

An anderen FlughĂ€fen streiken die Kontrolleure nicht. Die BeschĂ€ftigten sind bei Privatunternehmen angestellt, die im Auftrag der Bundespolizei Passagiere, Personal und GepĂ€ck an den ZugĂ€ngen zum Sicherheitsbereich kontrollieren. In Bayern gehören die LuftsicherheitskrĂ€fte hingegen zum Öffentlichen Dienst. Der Flughafen MĂŒnchen bleibt daher geöffnet, und Lufthansa versucht nach eigenen Angaben, 10 bis 20 Prozent ihres ursprĂŒnglichen Programms anzubieten. Der Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals beginnt in den Technikbereichen schon am Mittwochabend und soll bis Samstagmorgen um 7.10 Uhr fortgesetzt werden.

Die Gewerkschaft Verdi hat das gesamte Bodenpersonal der Lufthansa mit rund 25 000 Leuten zum Warnstreik aufgerufen. Es ist bereits die fĂŒnfte Warnstreikwelle in dem Tarifkonflikt und die dritte mit direkten Auswirkungen auf die Passagiere. Verdi verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 12,5 Prozent mehr Geld, wĂ€hrend das Unternehmen bei einer Laufzeit von 28 Monaten bislang 10 Prozent angeboten hat. Vergleichsweise unstrittig ist nach vier Verhandlungsrunden eine InflationsausgleichsprĂ€mie von 3000 Euro.

Bei den Tarifverhandlungen der Luftsicherheit geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 25 000 Mitarbeitern privater Sicherheitsdienstleister. In dem Tarifkonflikt sind bislang fĂŒnf Verhandlungsrunden ohne Ergebnis geblieben, bei einer ersten Warnstreikwelle an elf FlughĂ€fen waren mehr als 1100 FlĂŒge ausgefallen. Verdi fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eine Erhöhung des Stundenlohns um 2,80 Euro mit schneller einsetzenden MehrarbeitszuschlĂ€gen ab der ersten Überstunde. Die Arbeitgeber vom Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) haben nach eigenen Angaben 2,70 Euro in drei Stufen angeboten bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

So schÀtzen die Börsenprofis Produktion/Absatz Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Produktion/Absatz Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
DE0005773303 | PRODUKTION/ABSATZ | boerse | 64913528 |