Frankfurt, Milliarden-Offensive

Frankfurt startet Milliarden-Offensive für neuen Wohnraum

11.04.2026 - 13:30:35 | boerse-global.de

Frankfurt reagiert auf eine historisch niedrige Leerstandsquote von 0,1 Prozent mit einem massiven Investitionsprogramm für neue, klimaneutrale Quartiere und bezahlbaren Wohnraum.

Frankfurt startet Milliarden-Offensive für neuen Wohnraum - Foto: über boerse-global.de

Frankfurt am Main treibt den Bau neuer Stadtviertel mit Milliarden voran. Grund ist eine historisch niedrige Leerstandsquote von nur 0,1 Prozent. Die Stadt reagiert mit Großprojekten und einem massiven Investitionsprogramm auf den akuten Mangel an bezahlbaren Wohnungen.

Am heutigen Samstag diskutieren Experten und Bürger bei einer zentralen Veranstaltung über die Zukunft der Stadtentwicklung. Der Titel: „Ohne Klimakrise und Kriege: Für die Zukunft vorstellbar?“. Die Weichen für die nächsten zwei Jahrzehnte werden gerade gestellt. Im Fokus stehen nun ganze, klimaneutrale Quartiere, die Wohnen, Arbeiten und Infrastruktur verknüpfen.

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„Stadtteil der Quartiere“: Planung für 17.000 Menschen

Das ambitionierteste Vorhaben ist der „Stadtteil der Quartiere“ im Nordwesten Frankfurts. Das Gebiet östlich der A5, früher oft „Josefstadt“ genannt, bietet Platz für bis zu 7.000 Wohneinheiten. Bis zu 17.000 Menschen könnten hier einmal leben.

Die Planung sieht Schulen, Freizeitanlagen und große Grünzüge vor. Entscheidend wird die Anbindung: Der neue Stadtteil soll kein isolierter Satellit werden, sondern über U-Bahn und die geplante Regionaltangente West ans bestehende Netz angebunden sein. Erste Hochbauten könnten gegen Ende des Jahrzehnts entstehen. Die vollständige Realisierung wird die Stadtpolitik aber wohl noch 20 Jahre beschäftigen.

Klimaschutzquartier Hilgenfeld nimmt Gestalt an

Während der „Stadtteil der Quartiere“ plant, wird andernorts schon gebaut. Am Frankfurter Berg entsteht auf 18 Hektar das Hilgenfeld-Quartier – Frankfurts erstes dezidiertes Klimaschutzquartier. 54 Mehrfamilienhäuser mit 860 Wohnungen werden hier gebaut.

Das Besondere: Ein dezentrales Energiekonzept versorgt die Bewohner weitgehend mit erneuerbaren Quellen vor Ort. Rund 40 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert, um bezahlbaren Raum zu schaffen.

Schönhof-Viertel setzt auf effiziente Flächennutzung

Parallel verzeichnet das Schönhof-Viertel in Bockenheim Fortschritte. Auf ehemaligen Gewerbeflächen wurden mehrere Baufelder fertiggestellt. Die geförderten Einheiten dort sind stark nachgefragt.

Ein wegweisendes Modell des Quartiers ist die integrierte Hybrid-Schule. Sie vereint Grundschule, Wohnungen und eine Sporthalle in einem Komplex. Frankfurt setzt damit auf effiziente Flächennutzung im verdichteten urbanen Raum.

Milliarden für Aufstockung und Nachverdichtung

Neben neuen Flächen setzt die Stadt auf Innenentwicklung. Bis 2030 stellt Frankfurt über eine Milliarde Euro für bezahlbaren Wohnraum bereit. Ein zentrales Ziel: Den Bestand an Sozialwohnungen bei der städtischen ABG bis 2030 um 10.000 Einheiten steigern.

Ein wichtiger Hebel ist die Aufstockung bestehender Gebäude. Pilotprojekte zeigen, wie mit Holzbauweise neuer Wohnraum auf alten Dächern entsteht. Experten sehen hier Potenzial für mehrere tausend Wohnungen – ohne zusätzliche Bodenversiegelung.

Hohe Baukosten bremsen den Markt

Die Dringlichkeit der Offensive ist groß. Zwar wurden 2024 über 4.200 Wohnungen fertiggestellt. Doch die Bauaufsicht verzeichnete zuletzt einen Rückgang bei den Baugenehmigungen. Hohe Baukosten und komplexe Vorschriften bremsen private Investoren.

Die Stadt versucht, mit digitalen Lösungen gegen zu steuern. Das etablierte digitale Baugenehmigungsverfahren soll Bearbeitungszeiten verkürzen. Zudem wurden Anfang 2026 die Einkommensgrenzen für die Wohnbauförderung angepasst, um mehr Haushalte mit mittlerem Einkommen zu erreichen.

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Über 1.100 geförderte Wohnungen noch 2026

Bis zum Jahresende soll es spürbare Entlastung geben. Über 1.100 neu geförderte Wohnungen sollen 2026 noch in Vermietung gehen, vor allem im Gallus, am Rebstockpark und im Schönhof-Viertel.

Langfristig bleibt die Kooperation zwischen Stadt, städtischen Gesellschaften wie der ABG und privaten Entwicklern entscheidend. Die Großprojekte schaffen die quantitative Basis. Die Aufwertung des Bestands und gemeinschaftliche Wohnprojekte sollen den sozialen Zusammenhalt in der wachsenden Metropole sichern.

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