WOCHENAUSBLICK, Dax-Rekord

WOCHENAUSBLICK 2: Dax-Rekord nach Nahost-Eskalation erst mal kein Thema mehr

02.03.2026 - 05:50:28 | dpa.de

FRANKFURT - Zum Auftakt des Börsenmonats MĂ€rz dĂŒrfte die Eskalation im Nahen Osten die Stimmung an den AktienmĂ€rkten belasten.

(Neu: aktualisierte Dax-Indikation)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zum Auftakt des Börsenmonats MĂ€rz dĂŒrfte die Eskalation im Nahen Osten die Stimmung an den AktienmĂ€rkten belasten. Nach einem leichten Plus in den ersten zwei Monaten des Jahres wird der Dax am DE0008469008 Montag vermutlich zunĂ€chst nachgeben und wieder unter die wichtige Marke von 25.000 Punkten rutschen. Der Broker IG taxierte den deutlichen Leitindex am Montag um 5.30 Uhr auf rund 24.965 Punkte und damit knapp 1,3 Prozent unter dem Stand vom Freitag.

Das Rekordhoch von 25.507 Punkten, das vergangene Woche noch in Reichweite war, dĂŒrfte damit erst mal aus dem Blick geraten. Vor dem Wochenende hatten noch einige Analysten wie die Experten von Index-Radar damit gerechnet, dass Anfang MĂ€rz erneut Bestmarken folgen könnten. Sie hielten in der Folge im MĂ€rz, der zudem als guter Börsenmontag gilt, sogar einen weiteren Vorstoß in Richtung 26.000 Punkte fĂŒr möglich.

Voraussetzung dafĂŒr wĂ€re aber gewesen, dass geopolitische Störfaktoren ausbleiben. Doch mit der Tötung von Irans oberstem FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen am Wochenende ist genau ein solcher dazugekommen. Die iranischen Revolutionsgarden haben mit Angriffen auf US-StĂŒtzpunkte in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und einen RĂŒstungskomplex in Tel Aviv reagiert.

GrĂ¶ĂŸte direkte wirtschaftliche Folge dĂŒrften kurz- und mittelfristig höhere Ölpreise sein. In den ersten Handelsminuten der Woche legten diese zweistellig zu. Wegen der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran könnten in nĂ€chster Zeit Liefermengen aus der ölreichen Islamischen Republik wegfallen. Ein weitaus wichtigerer Faktor fĂŒr das Risiko steigender Ölpreise ist jedoch die Lage an der Straße von Hormus.

Durch diese Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman wird tĂ€glich rund ein FĂŒnftel der globalen Öltransporte verschifft. Nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur haben Irans Revolutionsgarden den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Beginn der Angriffe auf den Iran eingeschrĂ€nkt. Nach staatlichen Angaben aus dem Oman wurde im Bereich der Meeresenge ein Öltanker angegriffen.

Acht ÖlförderlĂ€nder haben deswegen am Wochenende reagiert und wollen ihre Produktionsmengen ab April deutlich stĂ€rker anheben als von Analysten und Experten ursprĂŒnglich erwartet. Insgesamt wird die Tagesproduktion um 206.000 Barrel (je 159 Liter) gesteigert, wie die Kerngruppe des Ölkartells Opec+ am Sonntagmittag nach einer Online-Sitzung mitteilte.

Die Gruppe, die von Saudi-Arabien und Russland angefĂŒhrt wird, erwĂ€hnte den jĂŒngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen ÖlvorrĂ€ten erklĂ€rt. Die Staaten der Opec+ könnten zwar AusfĂ€lle aus dem Iran ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie ProduktionskapazitĂ€ten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen, warnten die Analysten der Commerzbank kurz vor Beginn der jĂŒngsten Eskalation.

Baader-Bank-Experte Robert Halver hatte Ende vergangener Woche je nach Nachrichtenlage weitere Kursschwankungen wegen Zinsfantasie, Geopolitik und Zöllen fĂŒr möglich. Er glaubt aber, dass kurze ruckartige KursrĂŒcksetzer lĂ€ngerfristig gĂŒnstige Einstiegsgelegenheiten schaffen. Von besonderer Bedeutung dĂŒrfte nach unten die Marke von 25.000 Punkten bleiben, die in der zweiten Februar-HĂ€lfte UnterstĂŒtzung gab.

"Trotz der aktuellen Risiken - Zoll-Chaos, Iran, KI-Ängste - zeigen sich die AktienmĂ€rkte weltweit widerstandsfĂ€hig", schrieb Baader-Bank-Fachmann Halver. Diese Themen hinterließen zwar ihre Spuren in der Anleger-Psyche und am US-Aktienmarkt ĂŒbernĂ€hmen die Pessimisten allmĂ€hlich die Überhand, doch genau dies spreche gegen deutliches Korrekturpotenzial.

Halver beobachtete zuletzt, dass europĂ€ische Aktien im globalen Umfeld durch einen Sinneswandel wiederentdeckt werden. "Die langanhaltende KI-Euphorie ist zwischenzeitlich ErnĂŒchterung gewichen", schrieb er. KI-Fantasie hatten in den vergangenen Jahren vor allem die US-Börsen zu bieten, doch nun wirke Europas "Tech-Abstinenz wie eine willkommene Sorgenpause". Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 stellte im Februar immer wieder Rekorde auf, wĂ€hrend die Bestmarke des US-Technologieindexes Nasdaq 100 US6311011026 schon vier Monate alt ist.

Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck blieb zuletzt auf globaler Ebene fĂŒr Aktien positiv gestimmt, nicht zuletzt weil der Konjunkturtrend aufwĂ€rts gerichtet bleibe. In diesem Punkt erwartet er in der kommenden Woche viele neue EindrĂŒcke, vor allem vom nĂ€chsten US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag erwartet wird. Davor aber könnten Einkaufsmanagerindizes des Instituts ISM am Montag und Mittwoch relevant werden.

"Beim Arbeitsmarktbericht wird fĂŒr die US-Notenbank Fed wichtig sein, ob sich der gute Trend vom Januar im Februar bestĂ€tigt", erwĂ€hnte Greil. FĂŒr Anleger wĂ€re dies dann relevant, weil es die Zinssenkungsfantasien weiter dĂ€mpfen wĂŒrde. Andreas HĂŒrkamp von der Commerzbank rechnet im Februar in den USA mit nur 60.000 neuen Stellen nach 130.000 im Januar. Der anhaltend schwache Stellenzuwachs spreche im Jahresverlauf fĂŒr drei Zinsschritte der Fed. Am Markt als eingepreist gelten aber nur zwei.

In Deutschland könnten im Wochenverlauf noch weitere Impulse von der Berichtssaison ausgehen, die mit einer Vielzahl von Dax-Werten weitergeht. Genannt seien dabei Beiersdorf DE0005200000 am Dienstag sowie Adidas DE000A1EWWW0, Bayer DE000BAY0017, Continental DE0005439004 und Symrise DE000SYM9999 am Mittwoch.

Am Donnerstag werden dann außerdem noch Zahlen von Merck DE0006599905 und DHL DE0005552004 erwartet. Mit Lufthansa DE0008232125 rundet ein potenzieller Dax-RĂŒckkehrer am Freitag die Woche ab. In den USA könnte am Mittwoch Nvidia-Konkurrent US67066G1040 Broadcom US11135F1012 in den Fokus rĂŒcken./tih/la/he/zb/he

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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