Gerresheimer, Aktie

Gerresheimer Aktie: SDAX-Abgang vollzogen

10.04.2026 - 09:47:32 | boerse-global.de

Der Pharmazulieferer Gerresheimer wurde aus dem SDAX ausgeschlossen, da er keinen testierten Jahresabschluss vorlegen kann. Die Bilanzkrise umfasst falsch verbuchte Umsätze und erweiterte BaFin-Prüfungen.

Gerresheimer Aktie: SDAX-Abgang vollzogen - Foto: über boerse-global.de

Heute verliert Gerresheimer seinen Platz im SDAX — nicht wegen schwacher Quartalszahlen, sondern weil der Konzern schlicht keinen testierten Jahresabschluss vorlegen kann. Der Pharmazulieferer steckt mitten in einer Bilanzierungskrise, die tiefer reicht als zunächst bekannt.

Falsch verbuchte Umsätze als Ausgangspunkt

Ende 2025 räumte Gerresheimer ein, dass Mitarbeiter Umsätze verbucht hatten, bevor die Ware überhaupt ausgeliefert war. Diese sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen ließen die Bücher besser aussehen als die Realität. Seither hat sich der Prüfungsumfang erheblich ausgeweitet: Die BaFin untersucht inzwischen nicht nur den Geschäftsbericht 2023/24, sondern auch den Zeitraum bis Mai 2025 — inklusive möglicherweise falsch ausgewiesener Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierter Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Die Fertigstellung des Jahresabschlusses verzögert sich voraussichtlich bis Juni.

Weil SDAX-Mitglieder ihren geprüften Jahresbericht innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresende vorlegen müssen, war der Indexausschluss die logische Konsequenz. Gerresheimer erfüllte diese Voraussetzung für das im November 2024 abgelaufene Geschäftsjahr nicht. Nachfolger im SDAX wird die bulgarische Shelly Group, ein Hersteller intelligenter Steuerungen und Sensoren.

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Kurssturz in Schüben, Restrukturierung läuft

Der Ausschluss selbst war am Markt weitgehend eingepreist — die Aktie reagierte am heutigen Handelstag mit einem Minus von rund 2,8 Prozent. Die eigentlichen Einbrüche kamen früher: Am 11. Februar brach der Kurs an einem einzigen Tag um rund 30 Prozent ein, als neue Details zur Bilanzkrise bekannt wurden. Ende Februar drückten erweiterte BaFin-Prüfungen den Kurs auf den tiefsten Stand seit 2009. Auf Jahressicht hat die Aktie rund 68 Prozent verloren.

Parallel zur Aufarbeitung der Bilanzfragen restrukturiert das Management den Konzern: Die US-Tochter Centor Inc. wird verkauft, Werke in den USA werden geschlossen. Auch die Q1-Zahlen und die ursprünglich für Anfang Juni geplante Hauptversammlung sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit Kreditgebern verhandelt das Unternehmen über Fristverlängerungen, um Verstöße gegen Kreditklauseln zu vermeiden.

Mit dem Indexausschluss entstehen für institutionelle Anleger, deren Mandate an Indexmitgliedschaften gebunden sind, technische Verkaufspflichten — ein zusätzlicher Belastungsfaktor für einen Titel, der bereits auf einem Mehrjahrestief notiert. Solange der Jahresabschluss aussteht und die BaFin-Untersuchungen laufen, bleibt die Aktie ohne verlässliche Bewertungsgrundlage.

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