Geteiltes Echo auf Kretschmers Vorschlag zu VW in Zwickau
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie IG Metall begrüßte Kretschmers Engagement grundsätzlich. Zugleich lehnte sie jegliche Einmischung der Politik in die Tarifautonomie ab. Auch Grüne und die Linke im Landtag meldeten Bedenken an. In den eigenen Reihen bekam der Ministerpräsident Zustimmung.
Kretschmer hatte am Mittwoch vorgeschlagen, zum Erhalt von Volkswagen DE0007664039 in Zwickau eine neue Gesellschaft zu gründen - die AutoUnion Sachsen GmbH mit VW und Partnern als Gesellschafter. Dafür brachte er auch ein neues Arbeitszeitmodell beziehungsweise geringere Vergütung ins Spiel. Das müsse aber von den Tarifpartnern ausgehandelt werden. VW hatte aufgrund von Überkapazitäten weltweit einen Personalabbau angekündigt; die Produktion in Zwickau soll 2031 auslaufen.
IG Metall lehnt längere Arbeitszeit und sinkende Löhne ab
"Es ist gut und wichtig, dass die sächsische Landesregierung sich aktiv in die Anstrengungen zur Sicherung der Beschäftigung in den VW-Werken einbringt. Die IG Metall ist offen für alle Gespräche, die diesem Ziel dienen. Dabei muss es vor allem um eine bessere Auslastung an den Standorten gehen", sagte der für Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständige IG Metall-Sekretär Jan Otto. Längere Arbeitszeiten und "Lohndrückerei" seien das falsche Instrument.
Grüne: Plan lässt jede Zukunftsvision vermissen
Die Grünen im Sächsischen Landtag warfen Kretschmer vor, das Werk zerstückeln zu wollen. Das sei der falsche Weg für die Zukunft des Standortes. "Kretschmer setzt auf eine Strategie, die den Standort nicht nach vorn bringt, sondern zurückwirft", betonte der Abgeordnete Wolfram Günther. Die stückweise Zerlegung folge klaren wirtschaftlichen Interessen, die auf massive Dividenden oder den Verkauf von VW-Teilen setzten.
"Mit den Forderungen nach Tarifsenkung sowie unbezahlter Mehr- und Samstagsarbeit bringt er den Standort genau dahin, wo wir ihn gerade nicht haben wollen - an die verlängerte Werkbank. Die Beschäftigten sollen noch mehr leisten, während die entscheidenden Fragen nach neuen Modellen, Technologien und Wertschöpfung offenbleiben. Das lässt jede Zukunftsvision klar vermissen", lautete das Fazit von Günther.
Linke: "Schlagseite" des Vorschlags zum Nachteil der Beschäftigten
Bei den Linken fiel das Urteil zu Kretschmer differenzierter aus. "Er hat schließlich recht damit, dass wir nicht abwarten dürfen und über den Tellerrand hinausdenken müssen. Alle Beteiligten gehören an den Tisch, um Ideen zu entwickeln, die gute Industriearbeitsplätze in Sachsen halten. Insofern ist es gut, dass er einen Vorschlag gemacht hat", betonte Fraktionschefin Susanne Schaper. Schlecht sei aber dessen Schlagseite.
"Das Papier macht einseitig die Beschäftigten für die VW-Krise verantwortlich und erwartet von ihnen noch größeren Verzicht. Das Management, das für die Probleme hauptverantwortlich ist, bleibt außen vor", so Schaper. Einzelne Elemente des Papiers seien sinnvoll, etwa Lernfabriken, Qualifizierung als Teil der Arbeitszeit sowie ein Innovationsverbund mit Hochschulen und Zulieferern. "Im Großen und Ganzen überzeugt uns der Plan allerdings noch nicht."
CDU-Politiker fordert Bewegung von VW und Gewerkschaft
Zuspruch erhielt Kretschmer vom Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Körber. Der Vorschlag eröffne eine realistische Chance. "Von Volkswagen und den Gewerkschaften erwarte ich, ihrer Verantwortung für die Beschäftigten und unsere Region gerecht zu werden. Wenn niemand bereit ist, sich zu bewegen, riskieren sie den Verlust unseres wirtschaftlichen Rückgrats, den Kollaps der Zulieferindustrie und das Sterben der industriellen Vorzeigeregion Ostdeutschlands."
