GEW, NRW

GEW NRW warnt vor Eskalation im Tarifstreit um Lehrer-Besoldung

15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Nordrhein-Westfalen weist tausende Einwendungen von LehrkrĂ€ften gegen ihre Eingruppierung zurĂŒck und zwingt sie zur Klage. Die GEW spricht von einer Eskalation im Kampf um faire Bezahlung fĂŒr FĂŒhrungsaufgaben.

GEW NRW warnt vor Eskalation im Tarifstreit um Lehrer-Besoldung - Foto: ĂŒber boerse-global.de
GEW NRW warnt vor Eskalation im Tarifstreit um Lehrer-Besoldung - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das Land Nordrhein-Westfalen lehnt tausende Einwendungen von LehrkrĂ€ften gegen ihre Besoldung ab und zwingt sie vor Gericht. Die Gewerkschaft GEW spricht von einer gefĂ€hrlichen Eskalation im Kampf um faire Bezahlung fĂŒr FĂŒhrungsaufgaben.

Seit dem 13. MĂ€rz 2026 verschickt das Landesamt fĂŒr Besoldung und Versorgung (LBV NRW) förmliche Ablehnungsbescheide. Betroffen sind Beamte, die gegen die Eingruppierung in die Besoldungsgruppe A 13 Z und die ausbleibende finanzielle Anpassung fĂŒr BeförderungsĂ€mter Einwendungen erhoben hatten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW) warnt ihre Mitglieder vor dieser Zuspitzung.

Anzeige

Die aktuelle Debatte um Besoldungsgruppen zeigt, wie komplex das Zusammenspiel von Dienstherrenpflichten und Mitbestimmung ist. In diesem kostenlosen E-Book erfahren Sie alles ĂŒber das HerzstĂŒck der Arbeitnehmerrechte und wie Sie Ihre AnsprĂŒche rechtssicher durchsetzen. Wichtigste Mitbestimmungsrechte jetzt kostenlos entdecken

Statt das Verfahren auszusetzen, bis höchstrichterliche KlĂ€rungen vorliegen, setzt die Landesregierung die LehrkrĂ€fte unter Druck: Sie mĂŒssen die aktuelle Besoldung akzeptieren oder selbst Klage vor dem Verwaltungsgericht einreichen. Experten befĂŒrchten eine Flut von Gerichtsverfahren, die das angespannte VerhĂ€ltnis zwischen Kultusministerium und Lehrerschaft in der Personalkrise weiter belasten wird.

Der Kern des Streits: A 13 Z und die Abwertung von BeförderungsÀmtern

Der Konflikt entzĂŒndet sich an der Umsetzung der lange geforderten Besoldungsreform. Diese sieht vor, das Grundgehalt von Grund- und Hauptschullehrern bis August 2026 an das von Gymnasiallehrern anzugleichen. Doch wĂ€hrend diese Grundanhebung begrĂŒĂŸt wurde, offenbarte sich ein struktureller Fehler.

Funktions-, Leitungs- und Beförderungsstellen – oft unter Zulagen wie A 13 Z gefasst – wurden bei der Reform nicht angemessen angepasst. LehrkrĂ€fte, die zusĂ€tzliche Verwaltungsaufgaben, Fachbereichsleitungen oder Sonderaufgaben ĂŒbernehmen, sehen sich finanziell abgestraft. Die Gewerkschaft kritisiert, dass diese entscheidenden Positionen so effektiv abgewertet werden.

Aus Protest reichten tausende Gewerkschaftsmitglieder mit Musterunterlagen der GEW formelle Einwendungen gegen ihre Besoldungsbescheide ein. Sie fordern eine konsistente und logische Abbildung ihrer Aufgaben im VergĂŒtungssystem des Landes.

Harte Linie des Landes und scharfe Kritik der Gewerkschaft

Die jĂŒngste Entwicklung zeigt: Die schwarz-grĂŒne Landesregierung geht auf Konfrontationskurs. Das LBV NRW weist die Einwendungen nun flĂ€chendeckend zurĂŒck.

Die Gewerkschaft ĂŒbt scharfe Kritik an der Weigerung der Regierung, das Verfahren ruhend zu stellen. Diese gĂ€ngige Verwaltungspraxis wĂŒrde es ermöglichen, Musterverfahren vor höheren Gerichten klĂ€ren zu lassen, ohne dass jeder einzelne BeschĂ€ftigte klagen muss. Stattdessen wĂ€lze das Land die finanzielle und administrative Last der RechtsklĂ€rung auf die Beamten und ihre Vertretung ab.

Anzeige

Ob im öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft – rechtssichere Vereinbarungen sind die Basis fĂŒr eine faire Behandlung am Arbeitsplatz. Sichern Sie sich diesen Gratis-Leitfaden mit professionellen Vorlagen, um Ihre Verhandlungsposition gegenĂŒber Dienstherren und Arbeitgebern nachhaltig zu stĂ€rken. Muster-Vorlagen und Rechtsgrundlagen gratis herunterladen

„Dieser Ansatz zeigt einen deutlichen Mangel an WertschĂ€tzung fĂŒr die zusĂ€tzlichen Aufgaben der LehrkrĂ€fte“, so die EinschĂ€tzung von Gewerkschaftsseite. Man erkenne das Problem weder als Rechtsfrage noch als Frage der beruflichen Anerkennung an.

Knappe Fristen und notwendige rechtliche Schritte

FĂŒr die betroffenen LehrkrĂ€fte beginnt mit dem Ablehnungsbescheid ein Wettlauf gegen die Zeit. Die GEW NRW hat klare Handlungsanweisungen veröffentlicht.

Beamte haben genau einen Monat ab Zugang des Bescheids Zeit, Klage beim zustĂ€ndigen Verwaltungsgericht zu erheben. Wird diese Frist versĂ€umt, wird die Ablehnung rechtskrĂ€ftig und die Chance auf eine Neubewertung ist endgĂŒltig vertan.

Angesichts der erwarteten Klagewelle hat die Rechtschutzabteilung der Gewerkschaft ein striktes Protokoll etabliert. Mitglieder sollen ihre Bescheide und Original-Einwendungen per E-Mail mit einem bestimmten Betreff einsenden. Telefonische Nachfragen sollen unterbleiben, da das Team die FĂ€lle nach deren Dringlichkeit bearbeiten muss. Zudem muss der Rechtsschutz und die Übernahme der Gerichtskosten vor Klageeinreichung formal beantragt und genehmigt werden – eine nachtrĂ€gliche Übernahme ist nicht möglich.

Didacta 2026: Der Kampf um AttraktivitÀt des Lehrerberufs

Parallel zu den rechtlichen Auseinandersetzungen rĂŒckt die GEW NRW auf der Didacta 2026 in Köln (10.-14. MĂ€rz) die Gesamtarbeitsbedingungen in den Fokus. GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik betont die immensen Herausforderungen: akuter FachkrĂ€ftemangel, zu hohe Arbeitsbelastung und unzureichende Rahmenbedingungen.

Auf der Messe startete die Gewerkschaft zudem eine landesweite Kampagne fĂŒr demokratische Bildung. LehrkrĂ€fte seien zunehmend mit gesellschaftlicher Polarisierung und extremistischen Tendenzen im Klassenzimmer konfrontiert. Die Kampagne soll ihnen rechtliche Sicherheit, persönliche Beratung und kollegiale SolidaritĂ€t bieten.

Arbeitsmarktexperten warnen: Die Kombination aus diesen belastenden RealitĂ€ten und der Weigerung, Leitungsaufgaben angemessen zu bezahlen, könnte verheerende Langzeitfolgen fĂŒr die Schulverwaltung haben. Schwindet der finanzielle Anreiz fĂŒr FĂŒhrungsrollen, wird die Besetzung essentieller Management-Positionen immer schwieriger. Der Disput zeigt ein Grundproblem im deutschen Beamtenrecht: das starre Besoldungssystem steht im Widerspruch zur Notwendigkeit, Leistung und Mehrverantwortung auf einem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt zu incentivieren.

Ausblick: Monate, vielleicht Jahre des Rechtsstreits

Die Verwaltungsgerichte in NRW mĂŒssen sich auf einen erheblichen Anstieg von Klagen einstellen, die von der GEW NRW unterstĂŒtzt werden. Die rechtliche KlĂ€rung des A-13-Z-Streits wird Monate, wenn nicht Jahre dauern.

Rechtsexperten rechnen damit, dass die FĂ€lle bis vor höhere Verwaltungsgerichte gelangen könnten. Die Urteile wĂŒrden nicht nur fĂŒr Nordrhein-Westfalen, sondern fĂŒr alle BundeslĂ€nder mit Ă€hnlichen Grundgehaltsreformen wegweisende PrĂ€zedenzfĂ€lle schaffen.

Die Haltung der Landesregierung droht, die Moral der Lehrerschaft weiter zu untergraben. Die Gewerkschaft wird den Druck auf die Politik voraussichtlich aufrechterhalten – eine Mischung aus rechtlichen Schritten und öffentlichen Kampagnen. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird ein Gradmesser dafĂŒr sein, wie das deutsche Dienstrecht auf die wachsenden Anforderungen an den öffentlichen Dienst reagiert.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
boerse | 68681354 |