Gold: Fed-Wetten bremsen Rally
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 17:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Tage in Folge ging es aufwärts, jetzt tritt Gold auf die Bremse. Steigende Ölpreise durch Spannungen im Nahen Osten schüren Inflationssorgen – und die schüren wiederum Wetten auf eine restriktivere Fed. Für ein Edelmetall, das keine Zinsen abwirft, ist das Gift.
Der Dollar erholt sich, die Renditen von US-Staatsanleihen ziehen an. Beides drückt auf den Goldpreis, der zuletzt bei rund 4.128,90 US-Dollar je Feinunze notierte. Damit hängt Gold in einer engen Spanne fest: Nach oben bremst der Widerstand bei 4.200 Dollar, nach unten hält der 21-Tage-Durchschnitt bei 4.070 Dollar den Kurs.
Zwei Kräfte ziehen in entgegengesetzte Richtungen
Genau diese Pattsituation macht die aktuelle Marktphase interessant. Auf der einen Seite belasten hawkishe Fed-Erwartungen kurzfristig die Nachfrage nach dem zinslosen Metall. Auf der anderen Seite bauen Zentralbanken ihre Goldreserven so entschlossen aus wie seit Jahren nicht mehr.
Die chinesische Notenbank etwa stockte ihre Bestände allein im zweiten Quartal um 480.000 Feinunzen auf – der stärkste Zuwachs innerhalb eines Quartals seit drei Jahren. Bis Ende Juni kletterten die Reserven auf 75,44 Millionen Feinunzen, die Kaufserie läuft mittlerweile seit 20 Monaten ununterbrochen. Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken zeigt zudem: 45 Prozent planen für das kommende Jahr weitere Käufe – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018.
Auch am Terminmarkt überwiegt Optimismus. Die Optionspositionierung mit einem Put-Call-Verhältnis von 0,39 signalisiert eine klare Präferenz für Kaufoptionen, teils mit Ausübungspreisen bis 20.000 Dollar je Unze und Laufzeiten bis November 2026 – ein Hinweis auf spekulative Wetten auf einen deutlich höheren Goldpreis, wenn auch mit langem Zeithorizont.
Prominente SchĂĽtzenhilfe fĂĽr die Bullen
Auch aus der Investorenwelt kommt Rückenwind. Hedgefondsmanager John Paulson, bekannt für seine milliardenschwere Wette gegen den US-Immobilienmarkt während der Finanzkrise, sieht Gold nach eigenen Worten erst am Anfang eines langfristigen Bullenmarktes. Als Treiber nennt er das schwindende Vertrauen in klassische Fiatwährungen sowie die parallele Nachfrage von Zentralbanken und privaten Anlegern. Besonders optimistisch zeigt er sich für Goldminenaktien im Frühstadium – eine Einschätzung, die angesichts seiner eigenen Beteiligung an entsprechenden Minenprojekten nicht ganz uneigennützig ausfällt.
Kurzfristig bleibt der Blick auf die Marke bei 4.070 Dollar gerichtet. Hält sie, bleibt der seit Mai laufende Aufwärtstrend intakt. Rutscht Gold darunter, dürfte die Diskussion um eine tiefere Korrektur neu aufflammen – bevor die Fed-Sitzung Ende Juli für zusätzliche Klarheit sorgt.
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