Gold: Newmont meldet 2,2 Milliarden Cashflow
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 23:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Goldpreis tritt am Freitag auf der Stelle. Im Spothandel notierte das Edelmetall am Nachmittag bei 4.046,10 Dollar je Feinunze, kaum verändert zum Vortag, während der August-Terminkontrakt an der Comex um 0,3 Prozent auf 4.063,60 Dollar zulegte. Anleger halten sich vor der Fed-Sitzung in der kommenden Woche zurück, bei der die Notenbank ihren Leitzins unverändert lassen dürfte. Für September sehen Marktteilnehmer eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für eine weitere Zinserhöhung – ein Szenario, das zinslos gehaltenes Gold tendenziell belastet. Die Analysten von ING bezeichnen die Marke von 4.000 Dollar als kurzfristig entscheidend für die weitere Richtung.
Peking zieht die Reißleine beim Papiergold
Die eigentliche Nachricht des Tages kommt aus China. Mehrere große Banken – darunter ICBC, Postal Savings Bank, Ping An Bank, China Guangfa Bank und China Construction Bank – stellen den Handel mit Papiergold für Privatkunden an der Shanghai Gold Exchange ein. Betroffen sind Hebelprodukte wie Au99.99, Au100g sowie die Kontraktarten Au(T+D) und Ag(T+D). Kunden mit offenen Positionen müssen diese nun glattstellen oder auf physisches Gold umsteigen. Der physische Goldhandel, Gold-ETFs und der institutionelle Handel bleiben von der Maßnahme unberührt.
Als Grund gilt der Wunsch der Institute, Risiken aus stark gehebelten Positionen nach Phasen hoher Volatilität einzudämmen. Der Experte Joshua Rotbart ordnet den Schritt ein: China wende sich damit nicht vom Gold ab, sondern entferne lediglich den spekulativen Handel aus dem System. Die chinesische Notenbank kauft nach dieser Darstellung bereits seit 20 Monaten in Folge netto Gold – ein Muster, das die Nachfrage der Zentralbanken insgesamt stützt und den physischen Markt von den kurzfristigen Bewegungen im gehebelten Handel entkoppelt.
Newmont trotzt dem gesunkenen Goldpreis
Während der spekulative Handel in China eingeschränkt wird, zeigen die jüngsten Zahlen des Bergbaukonzerns Newmont, dass die Branche operativ weiter profitiert. Im zweiten Quartal erzielte Newmont einen Gewinn je Aktie von 2,10 Dollar und übertraf damit den Analystenkonsens von 1,99 Dollar. Der realisierte Goldpreis lag bei 4.414 Dollar je Unze, deutlich über dem Vorjahreswert von 3.320 Dollar. Gleichzeitig sank die Produktion auf 1,29 Millionen Unzen von zuvor 1,48 Millionen Unzen. Der freie Cashflow erreichte mit 2,2 Milliarden Dollar einen Rekordwert, das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose und plant für 2026 Investitionen von 1,4 Milliarden Dollar. Die Goldreserven des Konzerns liegen nach eigenen Angaben bei über 90 Millionen Unzen. Für das dritte Quartal rechnet Newmont mit einer stabilen Produktion.
Geopolitik und Zinssorgen halten die Nervosität hoch
Im Hintergrund treibt der Konflikt im Nahen Osten die Märkte um. Nach einem Angriff der Huthi-Miliz auf saudische Tanker war der Ölpreis der Sorte Brent zunächst über die Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen, fiel am Freitag aber wieder deutlich zurück und büßte mehr als drei Prozent ein. Die EU-Mission Aspides stufte die Bedrohungslage für Handelsschiffe im Roten Meer inzwischen von mittel auf hoch hoch. Parallel dazu sorgen überraschend starke deutsche Einkaufsmanagerindizes – der Industrie-PMI kletterte auf 52,2 Punkte gegenüber erwarteten 50,1 – für steigende Anleiherenditen und drückten den Euro auf rund 1,1400 Dollar. Die Europäische Zentralbank beließ ihre Leitzinsen unterdessen unverändert bei 2,25, 2,40 und 2,65 Prozent, hält sich aber alle Optionen offen. Diese Gemengelage aus Zinssorgen, Ölpreis-Volatilität und der strukturellen Neuausrichtung des chinesischen Goldmarktes dürfte die Handelsspanne um die 4.000-Dollar-Marke in den kommenden Tagen maßgeblich bestimmen.
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